Poonal Nr. 686 vom 13. September 2005
Hochsicherheitsvisa für spezielle lateinamerikanische Länder
(Fortaleza, 6. September 2005, adital-poonal).- Die Ständige
Menschenrechtsversammlung Ecuadors APDH (Asamblea Permanente de
Derechos Humanos) bezeichnete die Entscheidung der mexikanischen
Regierung, von Bürgern und Bürgerinnen aus Ecuador, Honduras und
Brasilien Hochsicherheitsvisa zu verlangen, als ungerecht gegenüber
den Menschen und als unterwürfiges Verhalten gegenüber den USA. Die
offizielle Begründung für die Entscheidung lautete, möglichen
Terroristen und illegalen Einwanderern die Einreise in die USA über
mexikanisches Staatsgebiet zu verunmöglichen. Der APDH zufolge
verschleiert diese Begründung die wirtschaftlichen und sozialen
Ursachen der Migration in den industrialisierten Norden.
Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation steht die Maßnahme
im Widerspruch zur bisherigen mexikanischen Diplomatie und ist eine
Verletzung internationalen Menschenrechts. Dieses Vorgehen besitze
ausländerfeindliche und rassistische Grundzüge, weil es lediglich auf
bestimmte Menschen angewandt werde. Dies entspreche ganz der
„windigen Politik“ von Mexikos Präsident Vicente Fox. Der Staatschef
sei lediglich darauf aus, damit dem US-amerikanischen Präsident
George W. Bush dienlich zu sein.
Bereits das Wissen darum, dass die mexikanische Regierung ihre
Entscheidung mit dem globalen Antiterrorkampf der Bush-Administration
begründet habe, und zwar mit nur sehr spärlichen Argumenten, sowie
das Wissen darum, dass Mexiko nach Angaben der mexikanischen Presse
durch die Einführung der Hochsicherheitsvisa in den Genuss
logistischer und technischer Unterstützung durch die USA kommen wird,
sollte die Regierung und die mexikanische Polizei zutiefst beschämen,
so Alexis Ponce, der Sprecher der APDH.
Der APDH zufolge spricht die Wahl dieser drei Länder Bände.
Einerseits gebe es in Ecuador und Honduras große Migrationsströme in
Richtung der Industrieländer im Norden. Honduras sei auf Grund ihrer
Probleme mit den teilweise bewaffneten Jugendbanden „Maras“ (siehe
dazu z.B. Poonal Nr. 626) besonders im Blickfeld, wenn es um die
nationale Sicherheit der USA gehe. Auf der anderen Seite „verwundert
es gar nicht, dass auch Brasilien auf dieser Liste steht, da es zwar
von dort aus keine große Migrationsbewegung in Richtung der USA gibt,
Brasilien jedoch zusammen mit anderen südamerikanischen Staaten einen
politischen Kurs der lateinamerikanischen Integration verfolgt, der
die Pläne Washingtons für eine gesamtamerikanischen Freihandelszone
und konkret das NAFTA-Abkommen“ zwischen den USA, Kanada und Mexiko
in Bedrängnis bringen könne.
Die APDH kündigte an, Druck auf die mexikanische Regierung ausüben zu
wollen. Sie will die Interamerikanische Plattform für Menschenrechte
und Entwicklung PIDHDD (Plataforma Interamericana de Derechos Humanos
Democracia y Desarrollo) sowie die Interamerikanischen
Beobachtungsstelle für die Rechte von Migranten OCIM (Observatorio
Control Interamericano de los Derechos de los Migrantes) einschalten.
Diese Organisationen sollen ein juristisches Verfahren auf
internationaler Ebene anstrengen, um die Pläne des mexikanischen
Präsidenten, seine Migrationspolitik auf sicherheitspolitische
Aspekte zu reduzieren, zu Fall zu bringen.
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