Marcos eröffnet den Plan für die Zapatistische Reise



Worte von Subcomandante Marcos in der Vollversammlung der Anderen

Kampagne am Freitag, 16. September 2005



Compañeros und Compañeras, gemäß unserer Tradition der Knappheit,

informiere ich Sie wie die Unterstützungskampagne bei ihrem Abschluss

an diesem 11. September geendet hat, zwei Monate nach unserem ersten

Aufruf: 55 politische linke Organisationen haben sich angeschlossen,

von anderthalb Monate waren es 30; 103 indigene Organisationen und

indigene Völker aus Mexiko, und vor anderthalb Monate waren es 32;

162 soziale Organisationen und Bewegungen, und vor anderthalb Monate

waren es 47; 453 Nichtregierungsorganisationen, Kollektive und

Gruppen, und vor anderthalb Monate waren es 210; 1624

Individuen oder Einzelpersonen in Vertretung ihrer Familien,

Nachbarschaftsviertel oder Gemeinden, und vor anderthalb Monate waren

es 690.



Compañeros und Compañeras, heutzutage sind Modelle der Redekunst sehr

angesagt: da gibt es zum Beispiel das Modell: "Was ist meine

Schokoladenseite?" Wie Catherine Deneuve das sagt, le gauche - die

Linke, und dann stellt sich jemand so hin und fängt an zu reden als

ob er über das Gesagte wirklich nachdenken würde. Er geht auf Sendung

mit präzisen Worte, und er macht lange Pausen, nicht weil er geistig

minderbemittelt wäre, sondern weil das mehr Zeit vor der Kamera

beansprucht: ich mache Pausen. Und er verwendet diese Technik, weil

sich niemand die Morgenkonferenzen ansieht, also gibt es auch keine

Werbung, die sie zwischen den Pausen einschalten könnten. Dann gibt

es da auch die Methode Macht gegen Polemik: "Señor Subcomandante

Marcos, was haben Sie zu Andrés Manuel López Obrador und der

PRD zu sagen?" - "Nur das was mein kleiner Finger sagt." (der

mittlere). Es gibt andere rhetorische Methoden, die ebenfalls sehr in

Mode sind: "Meine Krone ist abgefallen und das ist mein

Büstenhalter." . . . es gibt das genealogische Modell: "Mein Papa hat

mit beigebracht, dass jene die Mexiko lieben es ganz verkaufen, nicht

nur stückweise." Dann gibt es das Modell Selbstherabwürdigung: "Ich

bin mittelmäßig, deshalb will ich Präsident sein."



Das sind im großen und ganzen Rednerstille, die von Imageberater

empfohlen werden, und sie sind sehr teuer. Ich kann ihnen ein paar

Phrasen ganz umsonst geben. Es gibt andere Methoden der Rhetorik. Da

gibt es die Methode "Schließen Sie alle die Augen", und hier teilt

sich das Publikum zwischen die Schlechtdenker, die sich die

Geldbörsen schnappen, und die Gutdenker, die sagen: "Ich dachte schon

Sie würden niemals fragen." ... Die Methode "Wir fassen uns jetzt

alle an den Händen", und dann beginnt die Person neben einem nach

Luft zu schnappen und mit den Augen zu rollen, "Was ist los,

Compañero, Compañera?" - "Das ist nicht meine Hand". Dann gibt es da

den Wortwitz "Compañeros und Compañeras, bitte seinen Sie vorsichtig,

wir befinden uns in einem Loch." Dann gibt es da die Techniken, die

wir in den Vorbereitungstreffen gelernt haben, wo jemand damit

anfängt zu sagen: "Ich werde mich kurz fassen", und eine halbe Stunde

später versteht man weshalb. Dann ist da noch die Methode der

didaktischen Hilfe: "Eins, zwei, drei, vier ... abstimmen."



Dann gibt es da auch die Methode die oben sehr oft verwendet wird,

die eine mit dem mahnend erhobenen Zeigefinger: "Verehrtes

Bundeskongress...", ich werde nicht sagen wer das tut, weil. . . Dann

gibt es ein anderes, das auch oft verwendet wird: er ist tiefgebeugt,

weil er das Gewicht der Verantwortung für die ganze Welt auf seine

Schultern trägt: "Wir müssen ernst sein, wir dürfen nicht lachen

(schlägt auf den Tisch) . . . lachen, Compañeros, und wir müssen auch

lachen, den das was wir vorhaben ist sehr ernst."



Was wir gemeinsam tun werden, ist dieses Land von unten aufzurütteln,

es zu erheben, auf den Kopf zu stellen. Damit alle Entbehrungen frei

sichtbar sind, all die Verachtung, all die Ausbeutung. Wir werden es

aufrütteln, und vielleicht werden wir entdecken, dass es nicht

vollständig ist. Das es nicht so sein sollte. Dann werden wir es

wieder ausbreiten müssen, ohne irgend ein anderes Oben und Unten,

außer denen, die durch seine Berge, Täler, Flüsse und Seen bestimmt

werden, und dann werden wir alles wieder zusammenfügen, von neuem,

vom Pazifischen zum Atlantischen Ozean, und vom Rio Grande zum

Suchiate, und dann wird es endlich anfangen müssen zu laufen.



Was wir erbauen müssen, sollte nicht auf Rednertribünen entschieden

werden, durch Charisma oder durch Geschicklichkeit oder Mängel in der

Rhetorik. Es sollte unten entdeckt, unten entschieden und von unten

gearbeitet werden. Tribünen sollten nur dazu dienen, ein Wort und

viele Zuhörer zu versammeln. Ihr Stellenwert sollte sekundär sein,

den sie bezeichnen von vorneherein eine Auswahl und ein Ausschluss.

Wir trauen keinen Rednern.



Wir müssen uns auf eine Mobilisierung vorbereiten, aber die

Compañeros und Compañeras müssen sich auch auf Repression

vorbereiten. Als Oberstleutnant Moisés zu uns sprach, erklärte er wie

die Neubesetzungen geplant und organisiert werden. Wir raten dazu,

dass die sozialen, politischen, Nichtregierungsorganisationen, alle

die es gibt, ihre Ersatzleute klar und eindeutig bestimmen, damit die

Andere Kampagne durch repressive Aktionen nicht führungslos bleibt,

und weitermachen kann.



Wir müssen lernen unsere Gefangenen und unsere Unterdrücker beim

Namen zu nennen. Auf einem der Treffen war von dem Fall der

Repression in Guadalajara gegen die jungen Altermundistas die Rede.

Die Sprecher konnten die Namen der Gefangenen nicht nennen. Das ist

unglaublich. Wir, als die andere Kampagne können das nicht tun. Wir

müssen unsere Compañeros gegenüber loyal sein und niemanden allein

lassen, noch jemanden vergessen. Und ich werde hier, in einem der

Extreme, zwei Compañeros beim Namen nennen, die Gefangene sind und

die - wenn man ihren Verwandten glauben darf, die an einem Treffen

teilgenommen haben - sich der Sexta angeschlossen haben. Es sind der

Compañero Jacobo Silva Nogales und die Compañera Gloria Arena Asís,

gefangene Mitglieder der Revolutionären Armee des Aufständischen

Volkes (ERPI).



Ich werde jetzt ein Gedicht von Jacobo Silva Nogales vorlesen, mit

dem Titel "Sekundäreffekte", das er vor genau zwei Jahren im Almoloya

Gefängnis geschrieben hat:



Wenn ich könnte, würde ich

dort oben am Eingang

zum Eingang, ein Schild aufstellen

mit der Aufschrift: "Warnung,

mit Vorsicht verfahren."

In sehr hohen Dosierungen,

kann dies zu Trauer führen,

Angstanfälle, Neurosen, Schlaflosigkeit,

Depression, Selbstmordversuche,

Familiendesintegration, Einsamkeit, Bitterkeit,

Abhängigkeit von Medikamente oder Drogen,

von faden Fernsehprogramme,

jeder Art von Sport, von Unterhaltung,

von Schlaf

mit offenen oder geschlossenen Augen,

Klaustrophobie, vielleicht Narzissmus,

Onanie oder Veränderung der sexuellen Orientierung.

Ein kurzer Kontakt verursacht möglicherweise

unterdrückte Wut, einen Knoten im Hals, ein Brennen in den Augen.

Eine längere Aussetzung,

auch indirekt,

kann verhärtete Herzen hervorrufen,

härter noch als Felsen,

und in Extremfälle,

versteckter Sadismus hinter strengen Gesichtern,

sehr ernst.

Dies sind die Regeln.

In empfindsame Herzen,

kann es eine Sehnsucht nach Veränderung verursachen

und ein paar kleine Tropfen Bemühung.

Und die letzte Zeile

Des Etiketts würde lauten:

Anstatt des ewigen "fragen Sie ihren Arzt",

ein einfaches und klares:

"fragen Sie sich selbst

und verdammt tun Sie irgendetwas!"



10. August 2003, Almoloya von Juárez

Jacobo Silva Nogales





Die Andere Kampagne sollte unsere Gefangene und Verschwundene beim

Namen nennen, aber auch unsere Toten. Wenn wir diese Arbeit tun,

blicken wir nicht in die Zukunft, oder wir tun es doch, aber

rückwärts: indem wir Richtung Vergangenheit blicken, auf unsere

Toten. Wenn wir nur vorwärts blicken tauchen Hemmungen auf, der

Realismus, dass man "erwachsen handeln muss, mit Vorsicht"; dass man

"über die Folgen nachdenken muss", und "tun wir das nicht", "tun wir

nicht das andere", "sei vorsichtig".



Verwandeln wir gemeinsam die Verschuldung, die wir angesammelt haben

in Schulden. Lasst uns für sie kämpfen, für unsere Toten, und für uns



selbst. Dann wir es ein Morgen geben, mit seiner eigenen Stärke, und

es wird zweifellos anders sein.



Wenn wir in die Zukunft blicken während wir vergessen woher wir

kommen, werden sich Hemmungen bilden, gesunder Menschenverstand,

Vorsicht, Furcht, Ergebenheit und der schlimmste Verrat von allen,

der Verrat an uns selbst.



In dem Versuch Freiheiten an kommende Generationen weiterzugeben,

würden wir ihnen Ketten und Lasten weiterreichen. Erlauben wir ihnen

ihr eigenes Schicksal zu entscheiden, denn das und nichts anderes,

bedeutet es frei zu sein.



Auf diese Weise wird die Welt ein wenig besser sein, und andere,

später, werden ihr Form geben, Richtung, Pfad, Geschwindigkeit und

Schicksal. Denn nichts kann vergessen werden: es wird immer etwas

fehlen, das fehlt.



Die EZLN setzt für die Eigene Kampagne und die Sechste Erklärung aus

dem Lakandonischen Urwald ihr Leben ein, ihr Überleben als

Organisation, ihre moralische Autorität, die bescheidenen

Fortschritte, die sie erzielt hat. Kurzum, alles was wir haben. In

Austausch dafür bitten wir nur: alles für alle, nichts für uns.



Überlegen Sie sich alle, wie viel Sie in dieses Unternehmen

investieren werden, und was Sie bereit sind zu tun. Dann, im Einklang

damit, legen Sie ihr Engagement fest und was Sie in Austausch dafür

erwarten.



Die Einheit, die wir brauchen, ist nicht diejenige an die wir gewöhnt

sind, Einheit als Hegemonie und Homogenität. Jemand der gewinnt und

alle anderen anführt und sie gleich macht. In dieser Einheit gewinnt

jemand und verliert jemand, aber nicht derjenige, der verlieren

sollte, der von oben.



Eine Einheit zu errichten, die nach Hegemonie und Homogenität

dürstet, ist zum Scheitern verurteilt.



Vor ihre Abreise, gab mir Ramona diese Stickerei, die sie angefertigt

hatte während sie sich in Mexiko Stadt von ihrer Krankheit erholte.

Sie gab es jemanden von der Zivilgesellschaft, die es uns in eins der

Vorbereitungstreffen zurückbrachten. Ich gab es ihr, sie gab es mir

zurück und sagte: "Das ist es, was wir von der Anderen Kampagne

wollen". Diese Farben, nicht eine mehr, nicht eine weniger.



Vielleicht müssen wir Einheit wie Ramonas Stickerei verstehen, auf

der alle Farben und alle Formen ihr Platz haben. Es gibt keine

Homogenität, noch Hegemonie.



Die Einheit, letztendlich, als Einigung auf ein Pfad verstehen.



Und diese Einheit bedeutet, vor allem anderen, Loyalität zu unsere

Compañeros. Wir, die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung,

bieten Ihnen unsere Loyalität als Compañeros an: genau so wie wir sie

unseren Gemeinden und Truppen entgegenbringen.



Es geht darum, dass der Niemand, der wir sind, seinen Platz, sein

Pfad und sein Schicksal verteidigt, und vor allem, die Vielheit von

Füssen und Arten des Gehens in der Anderen Kampagne.



Lassen wir in allem Raum für Vorstellungskraft. Was stattfinden wird,

Compañeros und Compañeras, wird sicher anders sein als wir uns das

vorstellen. Hoffentlich wird es besser sein, und hoffentlich wird es

nicht die Lasten tragen, die wir weiterreichen könnten. Möge es auch

frei von uns sein.



Vor langer Zeit gab es ein Gedicht, das in ein Lied verwandelt wurde,

und dann in eine Hymne. Die Worte wurden zusammen mit seiner

Bedeutung verschnitten. Ich werde es nun paraphrasieren: keine

Diktatoren mehr oder oberste Retter, kein Cäsar, keine Bourgeoisie,

kein Gott; weder Andrés noch Marcos, Niemand wird sich selbst

erlösen. Das war Teil der Internationalen, ist jetzt aber verändert.



Compañeros und Compañeras:



DER PLAN



Ich werde Ihnen die Kriterien vorstellen, anhand derer das Sechste

Komitee der EZLN herauskommen wird:



Finanzen: Es wird keine Bankkonten geben. Reisen, Unterkunft und

Ernährung der Delegation des Sechsten Komitees werden nur durch die

Unterstützung derer getragen werden, die sich in den Bundesstaaten,

Regionen und Bezirke organisiert haben. Alle Spenden werden an die

Delegation gehen, und von ihr gesammelt werden, oder sie werden ihnen

Geld schicken, damit sie an ihre Orte kommen können. Die

zapatistische Delegation wird eine Abrechnung für alles vorlegen, was

sie an jeden Ort erhalten hat.



Persönliche Geschenke werden nicht akzeptiert, auch keine

symbolischen. Alles was jemand schicken möchte, sollte an die

Gemeinden geschickt werden.



Historiker berichten, wenn wir ihnen glauben wollen, dass die Orte in

Mexiko in denen kritische antikapitalistische Gedanken und Bemühungen

zur Errichtung einer neuen Gesellschaft mit neuen sozialen

Beziehungen zuallererst entstanden, die Küste von Chiapas und die

Yucatán Peninsula waren, unter den Kaffee- und Agavefaserarbeitern.

Dort wird die Andere Kampagne ihren Anfang nehmen.



Die zapatistische Delegation wird dort beginnen, wo sie 12 Jahre

zuvor begonnen hat, an einem 1. Januar, in San Cristóbal de Las

Casas, am 1. Januar 2006.



Die Woche vom 2-8 Januar: Chiapas

Vom 9.-15. Januar; Yucatán und Quintana Roo

Vom 16.-22. Januar: Campeche und Tabasco

Vom 23.-29. Januar: Veracruz

Vom 30. Januar - 5. Februar: Oaxaca

Vom 6.-12. Februar: Puebla

Vom 13.-19. Februar: Tlaxcala

Vom 20.-26. Februar: Hidalgo

Vom 27. Februar - 5. März: Querétaro

Vom 6.-12. März: Guanajuato und Aguascalientes

Vom 13.-19. März: Jalisco

Vom 20.-26. März: Nayarit und Colima

Vom 27. März - 2. April: Michoacán

Vom 3.-9 April: Guerrero

Vom 10.-16. April: Morelos

Vom 17.-23. April: Mexiko Stadt und D.F.

Vom 24.- 30. April: D.F. und Mexiko Stadt

Vom 1.-7. Mai: San Luis Potosí

Vom 8.-14. Mai: Zacatecas

Vom 15.- 21. Mai: Nuevo León und Tamaulipas

Vom 22.-28. Mai: Coahuila und Durango

Vom 29.Mai - 4. Juni: Chihuahua und das erste Treffen mit den Chicano

Compañeros von der anderen Seite

Vom 5.-11.Juni: Sinaloa und Sonora

Vom 12.-18. Juni: Baja California Nord, Baja California Süd und das

zweite Treffen mit Mexikaner von der anderen Seite.

Vom 19.-25. Juni: wir schlagen vor am Samstag, dem 24. Juni, in der

Nacht von San Juan, ein Bericht an die Vollversammlung in D.F. und

Mexiko Stadt abzuhalten.



Die erste Rundreise wird, wie ich bereits erklärt habe, in Januar

beginnen und in Juni enden. Delegierter Zero, wie wir ihn nennen, das

heißt ich, wird zunächst das Land sechs Monate lang bereisen, um

Bundesstaatstreffen für die Andere Kampagne abzuhalten, und den

Transport, Behausung, Ernährung und Reisepläne für das Sechste

Komitee auszuarbeiten. Es werden auch bilaterale Treffen mit den

Compañeros die darum ersuchen, in den jeweiligen Staaten

erfolgen.



Die zweite Rundreise dauert von September 2006 bis März 2007. Eine

andere Delegation wird erscheinen, nämlich die nationale Delegation

und die regionale oder staatliche Delegationen. Das Sechste Komitee

der EZLN wird eine Gruppe bilden, die durch das ganze Land reist, und

andere Gruppen, die sich in den Staaten oder Regionen einrichten um

dort die Andere Kampagne zu führen.



Die nationale Delegation wird bilaterale Gespräche und Treffen in

allen Bundesstaaten des Landes halten. Während das fortschreitet

werden regionale Delegationen eingerichtet, die beginnen werden die

Kämpfe, Widerstände und Rebellionen zu besuchen.



In April 2007 werden die nationalen und regionalen Delegationen von

einem neuen Team ersetzt werden.



Und so weiter bis wir fertig sind, wenn wir fertig werden.



Was wir in dieser Diskussion allen vorschlagen, ist dass es keine

Bankkontos geben soll. Keine "progressive" Geschäftsperson wird sich

einschleichen, wie sie es anderen erzählen.



Dass wir alle mit der Hilfe der Leute unterstützt werden, durch

Spenden, durch boteo, was auch immer, und stets eine klare Abrechnung

vorlegen.



Ohne irgendeine Hilfe von Institutionen oder institutionellen

politischen Parteien.



Teams werden in den einzelnen Bundesstaaten organisiert werden um die

soziale Lage in allen Staaten einzuschätzen, und die Forderungen und

Kämpfe zu sammeln, die sie im Verlauf der Anderen Kampagne durch die

Staaten, Regionen und Sektoren entdecken.



Wir schlagen vor keine Sonderkomitees zu bilden. Sie würden lediglich

Pflichten vermehren und Bürokratien schaffen.



Was Menschenrechte anbetrifft, so wie wir das sehen, haben wir in der

Anderen Kampagne als Unterstützer der Sexta, die besten auf

Menschenrechte spezialisierten Nichtregierungsorganisationen in ganz

Mexiko. Ich sehe keinen Grund weshalb wir eine andere

Sonderkommission bilden sollten.



Was die Propaganda angeht, haben wir Gruppen und Kollektive, und ich

habe einige ihrer Publikationen gesehen und die Dinge, die sie tun,

und sie sind wirklich sehr gut, von sehr guter Qualität und das

alles. Also schlage ich vor, dass so weit das angeht, alle ihre

eigene Sache machen.



Was das Geschlechtsspezifische angeht, die Compañeras haben schon

eine lange Zeit mit diesem Thema gearbeitet. Das gleiche gilt für

Unterschiede und jene, die sich bereits dafür engagieren. Anders

ausgedrückt, die indigenen Völker organisieren sich selbst, genau wie

die Homosexuellen, Lesben etcetera.





Compañeros und Compañeras:



Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung



Mexiko



Im Namen der Frauen, Männer, Kinder und Alte der Zapatistischen Armee

der Nationalen Befreiung, übergebe ich formell und auf gemeinsame

Weise, die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald und die

Andere Kampagne, an die politischen Organisationen, indigenen

Organisationen und Völker, sozialen Organisationen und Bewegungen,

Nichtregierungsorganisationen, Gruppen und Kollektive, Familien und

Individuen, die sich der Sexta angeschlossen und sich verpflichtet

haben in einer Kampagne zu arbeiten, die in alle Ecken Mexikos reisen

wird zu denen man uns einlädt, um durch eine andere Art Politik zu

betreiben, zuzuhören und die Kämpfe, Widerstände und Rebellionen in

Erfahrung zu bringen, sie zu unterstützen, und sich mit ihnen

zu verbünden, für den Aufbau eines nationalen Programms des

antikapitalistischen Kampfes und der Linken.



Die Sexta und die Andere Kampagne gehören nicht länger nur der EZLN,

sondern allen, die sie annehmen.



Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee - Generalkommandantur

der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung



Comandanta Ramona,

Comandanta Susana,

Comandanta Esther,

Comandanta Miriam,

Comandanta Hortensia,

Comandanta Gabriela,

Comandante David,

Comandante Tacho,

Comandante Zebedeo,

Comandante Ramón.



Für die aufständischen Truppen und Miliz der Zapatistischen Armee der

Nationalen Befreiung Oberstleutnant Insurgente Moisés



Für das Sechste Komitee der EZLN

Subcomandante Insurgente Marcos



Caracol La Garrucha, Autonomer Zapatistischer Bezirk in Rebellion

Francisci Gómez, Chiapas, Mexiko



16. September 2005



Es gehört Ihnen, Compañeros.





* * *



(übs. von Dana)





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Worte von Oberstleutnant Moisés bei der Eröffnung der Nationalen

Vollversammlung der Anderen Kampagne



La Garrucha, Chiapas

16. September 2005





Guten Abend an alle Compañeros und Compañeras. Wie Compañero Subcomandante

Insurgente Marcos schon sagte, spreche ich im Namen meiner Compañeros und

Compañeras vom politisch-militärischen Flügel. Die Compañero und Compañera

Comandantes und Comandatas bilden den organisatorischen politischen Teil,

jene die uns auf unseren Pfad des Kampfes leiten. Wir sind die Soldaten aus

dem Volk, die Väter und Mütter und alles andere hinter sich gelassen haben.

Es gibt Compañeros und Compañeras, die ihre Familien für immer verlassen

haben, da sie bei der Erfüllung ihrer Pflicht gestorben sind. Jene von uns,

die immer noch am Leben sind führen Schläge gegen die schlechte Regierung

und die Ausbeuter aus, und wir werden nicht aufhören gegen diese schlechten,

ausbeuterischen Regierungen auszuschlagen. Wir, die Insurgenten und

Insurgentinnen, sind hier aufgrund unseres Gewissens. Die große Belohnung,

die wir irgendeinmal erhalten werden, besteht darin eines Tages diese

Menschen - die Mexiko heißen - in Freiheit zu sehen. Deshalb sind wir eine

politisch-militärische Armee, die zu den Waffen gegriffen hat um unsere

Compañeros und Compañeras unserer kämpfenden Völker zu beschützen und zu

verteidigen.



Sie haben gesehen, dass wir während des Kampfes aufrichtig und klar darüber

gesprochen haben, wie sie uns ausbeuten, wie sie uns demütigen, und wenn wir

uns dagegen organisieren und kämpfen, folgt Repression. Sie wollen nicht,

dass wir lernen eine neue Politik zu machen und eine andere Art Politik zu

betreiben. Deshalb sind wir die Verteidiger unserer organisierten Völker,

die politisch kämpfen.



Genau das ist es, was wir jetzt mit den Völkern tun, die hier anwesend sind

oder nicht, wir möchten mit politischen und friedlichen Mitteln kämpfen.. Wir

sind keine militaristische Armee, wir benutzen Waffen um uns selbst zu

verteidigen, um Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie zu erringen.



Politisch verstehen wir, dass das mexikanische Volk Demokratie haben sollte,

und das ist es was wir organisieren und dessen Umsetzung wir fordern.



Wir mussten eine Armee des Volkes bilden, um dies wirklich umzusetzen, und

eine wirkliche Demokratie des Volkes umzusetzen. Wir sind sehr verschieden,

es ist eine andere Art der Armee, verrückt, aber gut für das Volk.



Wir sind bereit den ganzen Weg zu gehen, wenn nötig zu sterben, für das Volk

und aus dem Volk von Mexiko. Auf diese Weise übt die EZLN in ihre Dörfer und

Regionen die Demokratie aus, indem sie die Dörfer über ihre Initiativen und

Kämpfe konsultiert. Das hat sie in 1993 getan, wir fragten ob wir unseren

Kampf beginnen sollten. Das hat sie bei mehreren Gelegenheiten getan, wie

jetzt mit der Sechsten Erklärung, und die große Mehrheit unserer Völker

sagten ja.



Es ist einfach Befehle zu erteilen, aber wir haben das nicht so getan, denn

dann wäre es keine Demokratie, alle wurden konsultiert, ob sie mit der

Initiative einverstanden waren oder nicht. Mit diesem neuen Plan, den wir

jetzt ausführen, in der Sexta, gibt es etwas, dass ich Ihnen gerne erzählen

möchte. Es ist nicht sehr leicht für mich zu Ihnen darüber zu sprechen, aber

so ist das wenn man wirklich kämpft und bereit ist, den ganzen Weg zu gehen.

Darüber möchte ich Ihnen zu Ihnen sprechen, aber ich muss erst sehen, ob ich

das schaffe.



Ich, Oberstleutnant Moisés, kam in die Berge um mich darauf vorzubereiten

ein Insurgent zu sein, und so wie das ist wenn jemand kommt um sich den

Insurgenten anzuschließen, lernt man zuerst und später erhält man die

Befehlsverantwortung um andere zu lehren. Viele Jahre lang war mein

Kommandant unser unvergessene Compañero Subcomandante Insurgente Pedro.



Eines Tages sagte er zu mir - ich kann mich nicht an den genauen Tag

erinnern, aber es war in 1993 - er sagte zu mir, oder er rief mir zu: "Moy,

komm mal her," und ich ging zu ihm hin, in sein Haus, in eine der Baracken,

die wir hatten, aber die von der ich Ihnen erzähle war die "Kollektiv"

Baracke. Ich kam und er sagte zu mir: "Hör mal, Moy, da wir jetzt in die

Öffentlichkeit gehen um unseren Kampf für Nationale Befreiung zu beginnen,

falls irgendetwas passiert, oder mir irgendetwas passiert, wirst du mein

Erster Offizier sein. Ich beauftrage dich mit der Leitung der Compañeros und

Compañeras und den Kampf weiterzuführen, die Arbeit weiterzuführen. Genau so

wie ich," sagte er mir. "Ich bin der Erste Offizier für Compañero

Subcomandante Insurgente Marcos." Was glauben Sie was dann passiert ist? Mir

ist nicht wirklich danach darüber zu sprechen, weil es keine Geschichte ist,

es ist keine Geschichte, die ich gerne erzählen möchte, es ist sehr

schmerzhaft und bedauerlich und gemischt mit Wut und Trauer. Wenn man einem

Compañero sehr nahe steht, und er ist dein Kommandant, . . . mitzuerleben

wie ein treuer Compañero stirbt, mit dem man lange Zeit gelebt hat, ist wie

etwas . . . nein, es ist besser, Ihnen das nicht zu sagen . . .



Aber unsere Kommandanten, die wussten, wie man sein gegebenes Wort in Ehren

hält, Ehren es zuerst wenn die Umstände das erlauben, wenn nicht, erfüllen

sie ihre Pflicht.



Ich erinnere mich an das letzte Mal, das Subcomandante Insurgente Pedro und

Subcomandante Insurgente Marcos sich sahen, ich war dabei. Ich hörte

persönlich die letzten Anweisungen, die Subcomandante Marcos Subcomandante

Insurgente Pedro erteilte. Sub Marcos sagte zu Sub Pedro: "Pedro, du bist

mein Zweiter Offizier, denk daran, also gib acht, dass du nicht stirbst",

sagte Subcomandante Marcos, und Subcomandante Pedro antwortete: "Wir werden

gegenseitig aufeinander acht geben, Compañero." Das waren die letzte Worte,

die Subcomandante Marcos und Subcomandante Pedro miteinander tauschten.



Subcomandante Pedro war sehr glücklich. Ich erinnere mich, dass er die

Compañeros und Compañeras Insurgenten des Ersten Regiments versammelt hatte,

und er sagte uns: "Compañeros, Compañeras, jetzt werden wir in die

Öffentlichkeit treten, jetzt werden sie erfahren, für wen wir kämpfen, für

das mexikanische Volk."



Wir müssen uns mit ihnen organisieren, mit den Arbeitern, und dann sagte er,

von dort komme ich her, denn er war ein Arbeiter, er war kein Indigena, aber

er wurde mit uns zum Indigena, und er starb unter Indigenas. Ein Arbeiter,

der loyal zu uns war, ist nicht mehr körperlich bei uns, aber er träumte

davon, von dem, was wir hier taten. Er träumte davon hier zu stehen, mit

Arbeitern, Campesinos, Indigenas, Lehrer, Studenten, Nachbarn, Künstler und

viele andere, er erzählte uns davon. Dieser Traum, denn er träumte, das was

er träumte, ist das, war wir gerade tun, und deshalb spreche ich für ihn,

denn für uns ist er nicht tot, genau wie die große Armut und Ungleichheit

unter die wir leiden nicht gestorben sind. Für uns ist er nicht tot, und wir

haben gesiegt. Für uns ist er nicht tot, denn das was errichtet werden muss,

geht weiter, und wir haben das was erbaut werden muss, tatsächlich erbaut.

Für uns ist er nicht tot, denn er wird unter den Völkern des freien Mexikos

leben. Aber damit es freie Menschen in Mexiko gibt, muss man wenn nötig sein

Leben zu opfern wissen, und genau das ist dann passiert. Er fiel im Gefecht,

am Morgen des ersten Januars, im Jahr 1994, in Las Margaritas. Er ist dort

bei uns, an einem Ort an dem wir sein Körper beerdigt haben, seine Leiche,

aber er ist auch hier bei uns, und wir möchten, das er mit den Compañeros

und Compañeras ist, die sich der Sexta angeschlossen haben, und mit allen

anderen.



Wie unsere Kommandanten uns beibrachten, folgt der nächste in der

Reihenfolge, und in diesem Fall fiel es mir zu, die Arbeit weiterzuführen

nachdem Compañero Subcomandante Insurgente Pedro gefallen war.



Ich erinnere mich auch, dass ich mit Compañero Subcomandante Pedro sprechen

wollte, als ich den Ort erreichte an dem er gefallen war, und ich sagte zu

ihm: "Was ist geschehen, Subcomandante, was ist geschehen?" Er antwortete

mir mit Schweigen. Es schmerzt einen geliebten Kampfgefährten zu verlieren,

der gleichzeitig dein Kommandant gewesen ist, aber, wie ich schon sagte,

jene von uns die übrig sind machen weiter.



Auf diese Weise entstanden wir, organisierten wir uns, als Soldaten. Wir

sind für diese Fälle vorbereitet.



So wie heute, Compañeros und Compañeras. Sie kennen mehrere der Compañeros

und Compañeras Comandantes und Comandantas, aber eines Tages, werden wir sie

nicht mehr sehen, je nach den Umständen unseres Kampfes, den Missionen die

ausgeführt werden müssen, um dem Kampf für ein freies Mexiko das Wort zu

verleihen.



Mehrere der Compañeros und Compañeras Comandantes und Comandantas werden

ausziehen um in der Anderen Kampagne zu arbeiten. Sie wurden gebeten die

Entscheidung an der Anderen Kampagne mitzuarbeiten freiwillig zu treffen,

denn sie und die Menschen sind es, die wir beschützen müssen. Wir, die

Insurgenten, werden ebenfalls ausziehen, aber nicht freiwillig, sondern

Befehlen folgend. Wenn man uns sagt, Compañero, Compañera, du wirst

hinausziehen um in der Anderen Kampagne zu arbeiten, oder man sagt uns,

Compañero, beschütze weiterhin unsere Völker und organisiere den Widerstand

besser, werden wir das tun. Was es auch immer ist, wir werden unsere Befehle

ausführen.



Unsere Pflicht ist es das Terrain zu erkunden wohin wir unsere Compañeros

und Compañeras aus unseren Völkern führen werden. Wir sind die Soldaten, es

gibt immer einige, die als Vorhut gehen müssen. Vorhut nennen wir jene, die

vorausgehen müssen um das unbekannte Land zu erkunden. Und die Aufgabe der

Vorhut ist es herauszufinden was es dort gibt. Ob das Land sumpfig ist,

felsig, dornig oder andere Umstände, die der Vorhut beobachtet, und uns dann

informiert, damit wir wissen was zu tun ist und wie es getan werden muss.



Wir wissen, dass sie unter Vorhut den Anführer, die erfahrenen Kämpfer oder

den Befehlshaber verstehen, und dass sie einzigartig sind, und immer Recht

haben und mehr wissen, und deshalb die Führer sind.



Wir verstehen es anders, die Vorhut ist für uns das was ich gerade erklärt

habe, diejenigen, die losziehen um das unbekannte Terrain zu erkunden, und

es ist notwendig das zu tun, damit der Kampf vorwärtskommt, das ist unsere

Arbeit, der Armee, die Erkundung des Landes.



Wir sind für diese Arbeit bereits organisiert, umorganisiert und alles

andere. Die Nachfolge der Führungsspitze ist bereits gewählt.



Die Aufgabe der Vorhut das Land für die Andere Kampagne zu erkunden, ist

Compañero Subcomandante Marcos zugefallen. Er wird als erster ausziehen, und

nach ihm werden wir ebenfalls folgen, und uns bei der Arbeit auswechseln.

Compañeros und Compañeras, das ist bereits geplant und entschieden worden.



Der Compañero Erster Offizier von Subcomandante Insurgente Marcos steht

schon bereit. Er wird von uns Insurgenten bewacht und beschützt.



Compañeros und Compañeras, die Kampfmission ist Compañero Subcomandante

Insurgente Marcos zugefallen. Wir vertrauen Ihnen sehr viel an. Tun Sie

alles was Sie können für seine Sicherheit, denn er wird weggehen und sich

außerhalb unseres Schutzes befinden, aber wir werden sehr wachsam bleiben.



Wir wissen wer diejenigen sind, die wollen, dass es Tode gibt, und dass es

für sie von Vorteil wäre, wenn jene die kämpfen sterben würden, besonders,

ganz besonders wenn die Zapatisten sterben. Sie planen dafür, wie sie uns

töten werden. Deshalb vertraue ich Ihnen so viel an, Compañeros und

Compañeras.



Wenn das passiert, wird unser Kampf nicht aufgehalten werden, wir sind

darauf vorbereitet.



Hört gut zu, Compañeros und Compañeras, unsere Reise ist politisch,

ideologisch und friedlich. Unsere Initiative spricht nicht mit Kugeln,

sondern mit Worte und Gedanken und Ideen.



Männer und Frauen von der nationalen und internationalen Presse, nun, wir

könnten auch Sie Compañeros und Compañeras nennen, wenn Sie sich der Arbeit

der Sechsten Erklärung anschließen. Aber wenn Sie es nicht tun, seien Sie

einfach gute Berichterstatter, berichten Sie was gesagt wird und erfinden

Sie keine Sachen.



Hört gut, unser Compañero Subcomandante Insurgente Marcos wird unbewaffnet

reisen. Er wird nur mit dem losziehen, was Gott ihm gegeben hat, und unsere

Initiative ist politisch, friedlich, es geht dabei um Ideen und Gedanken und

Worte.



Jeder Versuch der schlechten Regierung und der Ausbeuter den Kampf

auszulöschen wird fehlschlagen, deshalb bleiben wir hier, unser

Befreiungskampf wird weitergehen.



Compañeros und Compañeras, der Compañero Subcomandante wird die Menschen

nicht anführen, wir kommandieren nicht, wir halten uns auch nicht für die

Vorhut eines Kampfes, oder glauben dass wir besser oder einzigartig wären.

Er wird nicht reisen um den bewaffneten Kampf zu fördern, sondern für das

was die armen Menschen Mexikos wollen, den politischen, friedlichen Kampf.



Er nimmt nichts anderes mit als unser Wort, das wir mit all unsere armen

Brüder und Schwestern verbünden möchten, die in Mexiko kämpfen.



Wir, die Soldaten des Volkes, wir haben gar nichts. Alles was wir haben ist

das Ziel des Kampfes. Unsere gesamte Ausrüstung und unsere Waffen gehören

nicht uns, sondern dem Volk, wir passen nur auf sie auf und benutzen sie für

den Kampf.



Und deshalb wird Compañero Subcomandante Marcos nichts mitnehmen. Wir

vertrauen auf Sie, Compañeros und Compañeras, dass Sie das Nötige für die

Arbeit, die wir an Sie überreichen beisteuern werden. Nun, einige kleine

Dinge wird er schon mitnehmen - Sie wissen schon was es ist, nicht wahr? -

denken Sie nichts schlechtes. Er wird seine zerkaute Pfeife mitnehmen, die

fester Bestandteil seines Lebens ist, seine getreue Compañera, von der er

sich nicht trenne kann. Er wird ebenfalls seinen alten Computer mitnehmen,

damit er uns schreiben und erzählen kann wie die Erkundung des Terrains

vorangeht. Heute vertrauen wir Ihnen an, für das zu sorgen was ihm für seine

Arbeit fehlt.



Wir sagen Ihnen noch einmal, dass wir keine Kriegshandlungen provozieren

werden um noch mehr Tode zu fordern. Nicht das. Das ist es nicht was wir

suchen. Im Gegenteil, wir möchten Leben leben, keine Tode.



Compañeros und Compañeras, wir geben Ihnen alles: die obersten Anführer

unserer armen Völker, Sie werden bald sehen, Compañeros und Compañeras.



Nun, Compañeros und Compañeras, Menschen des armen Mexikos, es ist unsere

Stunde, es ist die Stunde der Armen gemeinsam Ya Basta zu sagen.



Männer und Frauen, alle gemeinsam, kämpfen Sie für diese Patria, die uns

geboren hat und die andere übernehmen wollen. Wir werden es nicht zulassen,

wir werden sie verteidigen, so wie unsere geliebten Menschen, die im Kampf

gefallen sind, es uns beigebracht haben. Heute ist es an uns, keiner wird es

für uns tun, nur wir selbst.



Niemand wird kommen, um uns aus dieser schrecklichen Lage zu befreien, in

der uns die Verbrecher gebracht haben.



Marschiert voran, Compañeros und Compañeras! Schreiten wir alle zum Kampf

für die Befreiung. Leben für die Patria oder Sterben für Freiheit.





* * *



(übs. von Dana)











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Worte von Comandante Tacho auf der Nationalen Vollversammlung der

Anderen Kampagne



La Garrucha, Chiapas

16. September 2005



Compañeras und Compañeros



Alle Unterstützer der Sechsten Erklärung



Im Namen des CCRI-CG der EZLN und der Compañeros und Compañeras

Unterstützungsbasen der zapatistischen Völker in Rebellion, sprechen

wir unser Wort.



Wir haben aufrichtig zur politischen Klasse und den Anführern

gesprochen, wir haben ihnen klar gesagt was sie sind und wie sie

sind. Jene, die sich dadurch verletzt und beleidigt fühlen werden

sicher versuchen es uns heimzuzahlen, weil es ihnen nicht gefällt,

wenn jemand die Wahrheit sagt. Die Politiker der herrschenden

Parteien haben viele Verbrechen gegen die mexikanische Bevölkerung

verübt.



Was die PRI angeht, so sind sie für ihre Handlungen bei dem Massaker

von 1968 verantwortlich, bei dem Menschen abgeschlachtet wurden, die

ihre Rechte forderten. Sie sind auch für andere Repressionen

verantwortlich und für die Verfolgung anderer sozialer und

Studentenbewegungen.



Auf dem Land benutzten die gleichen Bundes- und Staatsbeamte

repressive Gewalt um indigene Campesinos in verschiedenen Teilen des

Landes zu zerschlagen und zu vertreiben. Aber es ging noch weiter,

sie sperrten auch unrechtmäßig Campesinos ein und ermordeten sie. Sie

werden immer noch ihrer Freiheit beraubt, und befinden sich in ihre

Gräber oder in Hochsicherheitsgefängnisse, als ob sie Verbrecher

wären, während die wahren Verbrecher weiterhin ihre Freiheit genießen

und riesige Gehälter beziehen, die als Renten getarnt sind.



Die gleiche PRI Partei, angeführt von Carlos Salinas, führte die

Reformen an Artikel 27 der Mexikanischen Verfassung durch, um die

Ideale unseres Generals Emiliano Zapata zu begraben. All dies geschah

und geschieht, um die neoliberalen Pläne auszuführen, die unsere

nationale Souveränität in die Hände der mächtigen Reichen übergeben



sollen.



Deshalb sagen wir, dass es viele Verbrechen gegeben hat. Denn sie

selbst haben diesen Plan vorbereitet, und jetzt im Augenblick führen

sie ihn aus, mit der FTT, dem Plan Puebla Panama und der ALCA. Diese

Abkommen verlangen, dass die mexikanische Regierung die Gesetze

reformiert, die diese Pläne garantieren. Das war die dreckige Arbeit,

die von der PRI hinter dem Rücken der mexikanischen Bevölkerung

betrieben wurde. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, sind ihre

Farben auch noch die unserer Fahne, und sie nennen sich selbst

Revolutionäre, aber in Wirklichkeit sind sie das überhaupt nicht.



Denn Revolution bedeutet wirkliche Veränderung zum Wohl der Menschen.



Für sie andererseits bedeutet Revolution den Reichtum zu plündern und

die Patria zu verkaufen.



Jene, die diesen neoliberalen Plan weiterführen, machen nun mit einer

anderen Farbe und unter einem anderen Namen weiter, aber immer noch

mit dem gleichen Plan, und dabei handelt es sich um die Nationale

Aktionspartei - PAN.



Es stimmt nicht, dass es eine Regierung des Wandels ist. Ihre Pläne

sind noch schlimmer für unsere Völker, denn wieder einmal fördern sie

strukturelle Reformen, um auch noch die letzten Reste unserer

nationalen Souveränität verkaufen zu können.



Der Wandel von dem sie uns so viel erzählt haben sind nur

Versprechen. Man möchte meinen, dass mehr als nur 15 Minuten

verstrichen sind, und die Probleme und Forderungen der Menschen

bleiben weiterhin ungelöst, genau wie sie es vor diesen letzten 5

Jahren gewesen sind.



Wir können von diesen Politikern und diesen politischen Parteien

nichts für das Volk zu erwarten. Sie haben viel Verzweiflung und

Misstrauen gesät, denn wir wurden wieder einmal mit Worte und

Versprechen verspottet.



Denn die gegenwärtige Regierung des Wandels tat das gleiche wie die

davor.



Mit Carlos Salinas de Gortari und mit dem Traum vom Eintritt in die

Erste Welt, seine Familiensolidarität, und mit dem Verrat vom 9.

Februar 1995, trat keine Verbesserung ein. Mit Vicente Fox und seine

Gelegenheiten für kleine Geschäfte und dem berühmten Wandel, immer

noch nichts. Und jetzt, mit diesem Señor, dem Friedensbeauftragten

Luis H. Alvarez. Das Programm wird gebraucht um eine

Aufstandsbekämpfungskampagne zu führen, zusammen mit einige korrupte

Personen, die sich selbst an verschiedene Orte unserer Regionen als

Anführer und Vertreter der PRI ausgeben.



Mit den Überbleibsel, die Martha Sahagún und Vicente Fox

zurücklassen, wenn Sie in andere Länder reisen um dort im Namen der

mexikanischen Bevölkerung vorzulügen es gäbe jetzt in Mexiko eine

Demokratie, gibt es jetzt keine Armut mehr und es herrscht gesegneter

Frieden.



Die Behauptung die Armut sei beseitigt ist nur eine Lüge. Das beweist

die tiefe Unzufriedenheit unter den Arbeitern auf dem Land und in der

Stadt. Sie sagen Nein zur Privatisierung des elektrischen Stromes und

Nein zu Privatisierung der sozialen Sicherheit.



Und was kann man noch mehr über die PRD sagen? Wir haben eine ganze

Liste von dem was sie uns angetan haben. Sie haben vorgemacht, sie

seien eine Partei der Linken, und würden für die Forderungen des

Volkes kämpfen. Wir dachten, sie seien ein Referent für Opposition

gegen das Staatsparteiensystem. Aber wir haben begriffen, dass wir

uns irrten, es war alles nicht wahr.



Dann war da auch noch das Abkommen, dass zwischen der PRI, der PAN

und der PRD gegen das COCOPA Gesetz getroffen wurde. Wenn sie dazu

fähig sind - nachdem man uns Jahrhunderte lang alles abgesprochen

hat - was würden sie hinsichtlich des Ausverkauf unserer nationalen

Souveränität tun?



Hinzukommt alles was die PRD selbst in andere Staaten verübt hat,

aber ganz besonders in Chiapas, von dem jeder bereits durch

vergangene Kommuniques weiß. Die PRD ist nun ein Geschäft, denn die

Mitglieder des Teams von Manuel López Obrador sind Salinistas, und

sie haben viel Erfahrung mit Manipulationen und Korruption. Deshalb

wurden sie fachkundige Politiker. Deshalb wissen sie auch wo sie sich

einschleichen müssen, und wir können nichts von ihnen erwarten.



Durch all das haben wir gesehen, dass die drei großen politischen

Parteien die gleichen Pläne und Interessen verfolgen, aber wie gut,

dass sie das jetzt gerade tun.



Auf diese Weise wird die mexikanische Bevölkerung begreifen, dass

keine Partei, die an die Macht kommt irgendetwas lösen wird. Sie

haben bewiesen, dass sie nur alle sechs Jahre mit den Menschen

übereinstimmen, wenn sie ihre politischen Wahlkampagnen beginnen um

die Präsidentschaft zu erringen, eine Gouverneurstelle, ein Sitz in

der Abgeordnetenkammer oder dem Senat.



Aber wen das vorbei ist, sobald diese Herren die Macht erreichen

vergessen sie alles, außer dem lukrativen Gehalt den sie monatlich

einstreichen und alles was sie bis zum Ende ihrer Amtszeit stehlen

und behalten können. Wir wissen das bereits genau, aber für die

mexikanische Bevölkerung demonstrieren sie ganz klar, dass sie nur

daran interessiert sind Geld zu machen.



Wir haben bereits gesehen, dass die PRD keine linke Partei mehr ist,

denn als über das COCOPA Gesetz abgestimmt wurde, machten sie

Abkommen mit den korrupten PRI-PAN Parteien, und dann führten sie uns

ihre Mittäterschaft vor. Sie haben der Notwendigkeit einer

verfassungsrechtlichen Anerkennung der indigenen Rechte und Kultur,

die so viele Jahre lang geherrscht hat keine Aufmerksamkeit

geschenkt. Es sind keine Jahrzehnte, dass sie uns verwehrt haben,

sondern Jahrhunderte. Und die PRD schenkte dem keine Aufmerksamkeit,

sondern verriet die Hoffnungen von Millionen mexikanischer Indigenas,

indem sie uns unsere Rechte, unsere Kultur verweigerte, die uns

als mexikanische Indigenas zusteht, die von diesen Parteien und

Politiker betrogen wurden.



Und der 'Ingenieur' Cuauhtemoc Cárdenas. Am 15. Mai 1994, wenn ich

mich richtig erinnere, verpflichtete er sich ebenfalls etwas für

unsere Forderungen zu tun, und dem zapatistischen Anliegen standhaft

zur Seite zu stehen.



Was also können wir von diesen Señors erwarten? Deshalb lohnt es sich

unsere Kräfte zu vereinen und gemeinsam zu kämpfen, um das Unmögliche

möglich zu machen, und große Anstrengungen zu unternehmen um eine

neue Art Politik zu betreiben zu erschaffen.



Das sind all unsere Worte



Vielen Dank.



September, im Monat unserer Patria.



* * *



(übs. von Dana)





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Worte von Comandante Zebedeo auf der Nationalen Vollversammlung der

Anderen Kampagne



La Garrucha, Chiapas

16. September 2005





Compañeras und Compañeros



Alle, die sich der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald

angeschlossen haben und es noch tun werden, im Namen des CCRI-CG der

EZLN und im Namen der Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder und Alte

der Unterstützungsbasis, richten wir folgende Worte an Sie.



Compañeras und Compañeros, nach fast 11 Jahre des Kampfes gegen das

Vergessen, gegen Marginalisierung und gegen Vernichtung, stehen wir

hier. Wir haben uns nicht ergeben, wir haben uns nicht verkauft. Wir

werden uns nicht verkaufen, und wir werden uns auch nicht ergeben,

denn wir sind völlig davon überzeugt, dass unser Kampf ein gerechtes

Anliegen für die Armen in Mexiko und auf der ganzen Welt verfolgt.



Die Lebensbedingungen für Arbeiter vom Land und in der Stadt, und

auch die für Lehrer, Angestellte, Studenten, Hausfrauen, Ärzte,

Lastwagenfahrer, Campesinos, Tagesarbeiter, Arbeitslose, Indigenas,

Straßenkinder, religiöse Personen, Intellektuelle, Homosexuelle,

Lesben und Künstler, verschlechtern sich zusehend, durch Schmerzen,

Armut, Hunger, Tod infolge heilbarer Krankheiten und die Verachtung

gegen diese große Mehrheit.



Währenddessen werden die Ausbeuter immer weniger und reicher, weil

sie das Reichtum unserer Nation für sich horten.



Angesichts dieser wahllosen Besitzergreifung der Reichen, müssen wir

unsere Worte in dieser Sechsten Erklärung sprechen, um unsere Kämpfe

zu verbünden und gemeinsam zu gehen, ganz gleich welcher Hautfarbe,

Glaube oder Rasse.



Wir sind Arbeiter vom Land und aus der Stadt, die körperlich befähigt

sind und das Wissen besitzen zu produzieren und herzustellen was

unsere Gesellschaft braucht. Mit dieser immensen Kapazität von Männer

und Frauen vom Land und aus der Stadt, sind wir fähig Wohlstadt zu

schaffen um unser Land zu unterstützen. Deshalb glauben wir, dass die

Lösung für diese große Ungerechtigkeit unter der wir leiden auf

unsere Seite und in unsere Hand liegt, denn wir haben bereits

gesehen, dass man von der Regierung nichts Gutes zu erwarten hat.



Während dieser Jahrhunderte des Spotts und des Betruges, haben sich

die Reichen auf Kosten der Arbeiter vom Land und aus der Stadt

bereichert. Auf dem Land leiden wir unter den niedrigen Preise für

unsere Waren, und in der Stadt leiden sie unter Arbeitslosigkeit und

niedrige Gehälter.



Auf diesem langen Pfad haben wir getrennt nach einer Lösung gesucht,

und die Antwort auf allem war bisher Spott, Betrug, Repression,

Einkerkerung, Folter und Verschwinden.



Diese dunkle Geschichten des Kampfes die wir durchlitten haben, waren

nicht der beste Pfad, und sie sollten nicht wiederholt werden.



Müssen wir weitere 500 Jahre des Widerstandes gegen Vergessenheit und

Marginalisierung führen? Müssen wir noch mehr Jahre korrupter

Politiker und Verkäufer unserer Patria ertragen? Wenn sie uns nur

gezeigt haben, dass jedes Mal wenn wir gegen Ungerechtigkeit und für

unsere Rechte kämpften, wir angeklagt und wie Verbrecher und

Vaterlandsverräter verfolgt wurden.



Das ist in Wirklichkeit passiert, und es geschieht weiterhin in unser

Land, und wir sollten ihnen nicht erlauben ihre Todesprojekte

weiterzuführen. Denn die Stunde ist gekommen unsere Kräfte zu

verbünden, unsere Kämpfe, unsere Gedanken, unsere Ideen, unsere

Herzen, unser Vertrauen, unsere Hoffnungen eines Tages eine wahre

Veränderung in unser Leben zu erfahren.



Wir wissen welche Risiken und Kosten daraus den Zapatisten entstehen

können, aber wir haben beschlossen sie einzugehen. Es spielt keine

Rolle was geschieht, wenn das der nötige Preis ist um die

Ungerechtigkeit zu beenden.



Wir erkennen auch die Erfahrungen all ihrer Kämpfe an, all der

Organisationen und der sozialen Bewegungen, die sie alle in dieser

Zeit gesammelt haben, und wir glauben, dass jede Organisation die

Fähigkeit hat eine Bewegung zu planen und zu organisieren. Sie haben

Erfahrungen in der organisatorischen Praxis aller Bewegungen

gesammelt, die jede Organisation geführt hat, und wir müssen diese

Erfahrungen von heute an erweitern.



Wir rufen noch einmal dazu auf, gemeinsam gegen einen gemeinsamen

Feind zu kämpfen, unter Berücksichtigung der langen Brücke des

Widerstandes, ohne in Konformität zu verfallen, in Konkurrenzkämpfe,

Abspaltungen und Korruption.

Wir sollten niemals zulassen, dass die Wünsche des Feindes sich

verwirklichen-



Wir sollten kämpfen und die Wünsche der Ausgebeuteten durchsetzen.



Das waren unsere Worte





* * *

(übs. von Dana)









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Worte von Comandante David bei der Eröffnung der Nationalen Vollversammlung

der Anderen Kampagne



La Garrucha, Chiapas

16. September 2005





Compañeros und Compañeras, indigene Brüder und Schwester aus Mexiko und der

ganzen Welt, und alle Unterstützer der Sechsten Erklärung.



Im Namen des CCRI-CG der EZLN haben wir folgendes zu sagen:



Als Indigenas unseres Landes, Mexiko, und unseres gesamten Kontinents, sind

wir diejenigen, denen alles abgesprochen wurde, sogar unsere Existenz.



Von der Spanischen Eroberung bis in unsere heutige Zeit, haben sie uns

gedemütigt, zum Schweigen gebracht und sie haben versucht uns auszurotten,

aber sie haben uns durch lange Jahre des Schmerzes und des Leidens gelehrt

Widerstand zu leisten. Deshalb konnten sie unseren Kampf nicht auslöschen,

unseren Widerstand, unsere Rebellion und unsere Empörung gegen

Ungerechtigkeit und Unterwerfung.



Die Wut und die Rebellion der indigenen Völker Mexikos und des ganzen

Amerikanischen Kontinents wurden von den Conquistadores selbst und ihre

Nachfahren angefacht, durch ihre Grausamkeit und ihre Unmenschlichkeit gegen

die Indigenas. Unsere Völker vergessen ihre Geschichte nicht, ihr Leid und

ihren Kampf. Sie werden sicher in den Herzen und Gedanken von uns allen

aufbewahrt, die wir die Ersten dieses Landes Mexiko und ganz Amerika gewesen

sind. Denn das Leben und das Blut vieler Millionen gefallener und

massakrierter indigenen Brüder und Schwester fordern weiterhin Gerechtigkeit

und Freiheit. Deshalb, durch mehr als 500 Jahre der leidvollen Geschichte,

gab es Bewegungen, Widerstandskämpfe und Kriege der Indigenas gegen ihre

Unterdrücker und schlechte Anführer.



Im Fall unseres geliebten Landes Mexiko, wurde es seit der Spanischen

Eroberung bis zum heutigen Tag mit dem Blut von Millionen Indigenas befleckt

und kultiviert.



Viele Tausende Indigenas starben während der Spanischen Eroberung, und

Hunderttausende wurden versklavt.



Während des Unabhängigkeitskrieges von 1810, geführt von Pater Hidalgo,

waren es wir, die Indigenas, die das meiste Blut für die Unabhängigkeit und

Freiheit unserer Patria geopfert haben.



Heute, am 16. September 2005, gedenken wir mit Stolz unserer indigenen

Brüder, die gestorben sind, und aller die ihr Leben geopfert haben um uns

Freiheit und Unabhängigkeit zu geben. Aber nach diesem Krieg für

Unabhängigkeit und Freiheit nahmen wir Indigenas weiterhin die gleiche

Stelle von Sklaverei, Armut, Demütigung und Vergessen ein, das Blut unserer

Gefallenen wurde ignoriert, genau wie die Existenz der Überlebenden.



So gab es weder Freiheit noch Unabhängigkeit für die Indigenas, nur ihre

Herren und Gebieter wechselten.



Wir wurden nicht in die Gesetze einbezogen, die damals erlassen wurden.



Dann kam die Revolution von 1910, und es waren wieder wir, die Indigenas und

Campesinos, die das meiste Blut und Leben für Land und Freiheit opferten,

den es waren unsere indigenen und Campesino Brüder, die mit Tapferkeit und

Heldenmut kämpften, ohne Furcht mehr zu verlieren als ihr eigenes Leben.



Aber nach dieser Revolution gab es immer noch weder Land noch Freiheit für

die Indigenas und Campesinos. Jene, die nach der Ermordung unseres Generals

Emiliano Zapata im Namen der Revolution die Macht übernahmen, vergaßen die

Indigenas ebenfalls. Sie erließen Gesetze, wie die Verfassung von 1917, und

auch in dieser Mexikanischen Verfassung waren wir weder einbezogen noch

anerkannt.



Als Indigenas und Campesinos werden wir weiterhin beschissen oder schlimmer,

denn wir haben auf überhaupt nichts Anrecht, weder auf Land, noch auf

Gesundheit, Schulbildung, Nahrung, auf ein würdiges Leben oder respektiert

zu werden.



Und so fanden Kämpfe und Revolutionen statt, und wir Indigenas und

Campesinos blieben immer beim alten. Immer zur Seite gedrängt, immer

marginalisiert und vergessen.



Compañeros und Compañeras, Brüder und Schwestern, wir können nicht mehr

zulassen, dass diese traurige Geschichte, die wir Jahrhunderte hindurch

erlitten haben, sich ständig wiederholt. Wir können nicht zulassen,

weiterhin verspottet zu werden.



Alle Indigenas und Campesinos, und alle ehrlichen Männer und Frauen, die

unsere mexikanische Patria bewohnen, unser Kontinent und unsere ganze Welt,

haben das Recht und die Pflicht diese Realität zu verändern und eine neue

Geschichte zu erbauen, die Geschichte der Menschlichkeit, die Geschichte der

Welt.



Deshalb, durch diesen Kampf, den die Zapatistas führen, und in dieser großen

Bewegung, die wir mit allen Indigenas und Campesinos errichten - werden wir

nicht mehr ausgeschlossen bleiben, wir werden ein wichtiger Teil der

Geschichte und Nationen sein.



Deshalb wird geschehen was geschehen wird, und wir werden den Platz

erringen, der uns gehört, und der den Indigenas, den Campesinos und allen

Ausgebeuteten zusteht. Der Kampf gehört uns, die Patria gehört uns, und die

Geschichte gehört uns.



* * *

(übs. von Dana)





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Worte von Comandanta Esther bei der Eröffnung der Nationalen Vollversammlung

der Anderen Kampagne



La Garrucha, Chiapas

16. September 2005





Guten Abend Compañeras und Compañeros.



Im Namen des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees -

Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung.



Wir möchten einige Worte an alle Frauen richten, die heute hier sind und

nicht hier sind, die sich der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen

Urwald angeschlossen haben. Wir müssen weiterhin als Frauen kämpfen um

unsere Rechte zu verteidigen, den mehr als 500 Jahre lang haben uns die

schlechten Anführer und die Mächtigen, die Rechte und den Platz verweigert,

der uns als Personen zusteht. Und sie haben uns als Objekte behandelt, und

haben dies unseren Väter und Großväter auferlegt. Deshalb sagen uns einige

unserer Väter, Brüder und Ehemänner heute, dass wir nutzlos wären, und nur

dafür gut Kinder großzuziehen und den Haushalt zu führen, und dass wir

schwach wären und nicht wüssten wie man denkt oder Entscheidungen trifft.

Diese schlechten Ideen hielten alle Frauen auf dem Land und in der Stadt

dominiert.



Aber das ist nicht wahr, wir Frauen können uns durchaus selbst organisieren,

Ämter besetzen und Entscheidungen treffen, genau wie die Männer. Deshalb

sage ich Ihnen, dass wir weiterhin gemeinsam kämpfen müssen, um die Rechte

zu verteidigen, die uns als Frauen und menschliche Wesen zustehen.



Wenn wir nichts tun, werden unsere Töchter und Enkelinnen genauso

weiterleben, wie es jetzt in unser Land ist, den die Mehrheit der Frauen

werden nicht berücksichtigt, wir werden nicht respektiert, wir haben keine

würdige Arbeit. Deshalb müssen viele Frauen auswandern, um Arbeit in andere

Länder zu suchen, wie die Vereinigten Staaten. Dort werden sie misshandelt,

gedemütigt, verachtet, ausgebeutet und getötet, und oft werden ihre Rechte

von ihre Arbeitgeber verletzt.



Aber diese Situation in unser Land kann nicht so weitergehen, wenn wir

wollen, dass Frauen eine sichere Arbeit, eine gerechte Bezahlung, eine

würdige und respektvolle Behandlung erhalten.



Um dies zu erreichen braucht es Zeit, und Opfer, Verantwortung, Geduld und

Widerstand. So wie diese Arbeit und Organisation, die wir gemeinsam

beginnen. Es wird viele Probleme und Hindernisse geben. Aber wir können

deswegen den Kampf nicht aufgeben, denn es geht nicht nur darum es eine

Weile zu versuchen. Es wird Jahre dauern um zu erreichen was wir wollen, und

deshalb müssen wir entschlossen und stark sein, und immer nach Lösungen für

die Probleme suchen, auf die wir stoßen werden.



Deshalb ist nun die Stunde gekommen unsere Kräfte zu vereinen, um unser Ziel

zu erreichen. Habt Mut, Compañeras, Arbeiterinnen, Lehrerinnen, Doktorinnen,

Künstlerinnen, Lesben, Intellektuelle, Jugendliche, Hausfrauen und aus alle

Sektoren der Gesellschaft. Verliert nicht den Mut, denn es bleibt uns kein

anderer Weg als weiterhin gemeinsam zu kämpfen, Männer, Frauen, Jugendliche,

Mädchen und Jungen, Alte, um in unser Land Mexiko berücksichtigt zu werden.



Aber wir möchten auch ein wenig über den Kampf der indigenen Frauen

sprechen. Wir, als indigene Frauen, kämpfen für die gleichen Ziele, den wir

leiden unter einer dreifachen Ausbeutung, als Frauen, als Indigenas, und

weil wir arm sind. Da wir Frauen sind, werden wir nicht berücksichtigt, wir

werden gedemütigt und verachtet. Da wir Indigenas sind, werden wir

diskriminiert, wegen unserer Kleidung, Hautfarbe, Sprache und Kulturen. Da

wir arm sind, haben wir keine Recht auf Gesundheitsfürsorge, Schulbildung

und sie vergessen uns. Deshalb haben wir beschlossen uns zu organisieren und

gemeinsam zu kämpfen, um aus dieser Situation auszubrechen. Es ist uns

gleich ob wir verfolgt, eingesperrt, entführt oder sogar getötet werden wenn

es nötig ist. Trotz all dem sind wir hier, und wir werden weiterhin kämpfen,

und wir werden uns nicht ergeben oder uns für die wenigen Almosen verkaufen,

die uns die schlechte Regierung gibt, und schon gar keine Regierungsposten

annehmen.



Danke für den Kampf, der uns diesen Raum gab um teilzunehmen, unsere Kräfte

zu verbünden und gemeinsam zu kämpfen, Männer und Frauen, denn ohne die

Männer oder die Frauen, würde der Kampf keine Fortschritte machen. Deshalb

ist die Beteiligung aller wichtig, gleich welcher Rasse oder Hautfarbe.



Zuletzt möchte ich Sie nur noch dazu aufrufen, unsere Kräfte zu vereinen um

gemeinsam Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erreichen.



* * *



(übs. von Dana)







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