Rede der Kommandantin Kelly

am 1. Januar 2006 in San Cristobal de las Casas,

zum Auftakt der Tour des Kommandanten Zero durch alle

Bundesstaaten Mexikos im Rahmen der Anderen Kampagne


Guten Abend Compañeras und Compañeros,


Im Namen meiner Compañeras Kommandantinnen und Kommandanten des

Geheimen Revolutionären Indígena-Komitees-Generalkommandantur der

Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, möchten wir einige

Worte an euch richten, die ihr euch hier mit uns versammelt habt, um

euch den Delegierten Zero ("Null"), den Compañero Subcomandante

Insurgente Marcos, zu übergeben. Denn hier ist es, wo unsere Schritte

beginnen auf dem Weg zu euch und euren Orten, zu allen Frauen und

Männern, die nicht zu unseren Vorbereitungsversammlungen zur Sechsten

kamen oder kommen konnten, damit wir aufmerksam eure Worte hören

können und alle Frauen, Jugendlichen, Hausfrauen und Arbeiterinnen

unseres Landes, das Mexiko heißt, einladen können, sich der Sechsten

und der Anderen Kampagne anzuschließen. Und so zeigen wir den

Männern, die Machos sind, dass wir sehr wohl kämpfen können und die

Pflicht haben, zu kämpfen und unsere Rechte durchzusetzen, denn die

Zeiten sind jetzt vorbei und wir Frauen gehören nicht nur ins Bett

oder ins Haus und sonst nichts. Wir können nicht nur gehorchen und

das tun, was uns die Männer sagen, sondern auch wir können uns die

Hosen anziehen. Nein, Compañeras, heute beginnen auch wir die Sechste

und Andere Kampagne. Wartet nicht darauf, dass andere unsere Arbeit

tun. Auch wir Frauen müssen uns organisieren und kämpfen für das, was

uns zusteht: Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit für jede einzelne

von uns.


Compañeras und Compañeros, hier überlassen wir euch den Delegierten

Zero. Wir geben ihn in eure Obhut, und sagen euch, dass ihr gut, gut

auf ihn aufpassen sollt. Wir sind wachsam, warten darauf, dass ihr

uns zeigt, wo wir hingehen sollen, um zuzuhören und unser Wort mit

dem von euch allen zu verbinden, wir Frauen vereint und gemeinsam mit

den Compañeros, damit unsere Worte wachsen zu einem landesweiten

Programm des linken antikapitalistischen Kampfes.


Das ist alles, vielen Dank.



Rede der Kommandantin Hortensia


am 1. Januar 2006 in San Cristobal de las Casas, gerichtet an die Frauen,

um sie zur Teilnahme an der Sechsten und der Anderen Kampagne aufzurufen.


Guten Abend.

Brüder und Schwestern, Compañeros und Compañeras:

Heute möchten wir einige einfache Worte an alle indigenen und nicht-

indigenen Frauen Mexikos und der ganzen Welt richten, an die Frauen

auf dem Land und in der Stadt, Bäuerinnen, Arbeiterinnen,

Kunsthandwerkerinnen, Lehrerinnen, Studentinnen, Hausfrauen,

Krankenschwestern, Religiöse, Künstlerinnen, berufstätige Frauen und

an alle Frauen allgemein.


Im Namen aller Mädchen, Frauen und Greisinnen der Unterstützungsbasis

und im Namen aller Compañeras der verschiedenen Arbeitsebenen unserer

Organisation, der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung,

möchten wir euch sagen, dass heute der zwölfte Jahrestag unseres

bewaffneten Aufstandes ist, als die Frauen aus verschiedenen Regionen

und Landkreisen dieses Bundesstaates im mexikanischen Südosten

gemeinsam mit den Compañeros unserem Mut und unserer Wut gegenüber

der Schlechten Regierung Ausdruck verliehen, gegen die mexikanische

Armee und gegen die Ungerechtigkeiten, unter denen wir Frauen in

diesem Land leiden, vor allem wir indigenen Frauen.


An jenem 1. Januar 1994 erhoben sich hunderte Frauen der EZLN, in der

Miliz, als Aufständische oder Anführerinnen der EZLN, und nahmen

bewaffnet mehrere Städte unseres Bundesstaates ein. Und gleichzeitig

erfüllten tausende Frauen der Unterstützungsbasis in ihren Dörfern

ihre verschiedenen Aufgaben, bereit ihr Volk und Dorf zu verteidigen,

ihre Rechte, und ihre Würde als Frauen. So begannen wir an jenem 1.

Januar 1994 den Kampf, und wir führen ihn bis heute und werden ihn

weiter fortführen, gemeinsam mit den Compañeros und gemeinsam mit

denen, die sich unserer Sache angeschlossen haben.


Wir werden weiter kämpfen, um uns den Platz und das Recht zu erobern,

die uns als Frauen zustehen, denn bis jetzt haben wir noch nicht das

Recht und die Freiheit und dürfen nicht einmal an allen Arbeiten

teilnehmen, die zur Entwicklung unserer Völker und zur Schaffung

unserer Autonomie beitragen. Als Frauen leiden wir weiter überall

unter den Ungerechtigkeiten, der Verachtung, der Misshandlung, der

Diskriminierung, der Erniedrigung und der Verletzung unserer Rechte.

Diese ungerechte Situation, in der wir Frauen leben, können wir nicht

länger zulassen. Eines Tages muss sich das ändern.


Wir wollen allen Frauen auf dem Land und in der Stadt sagen, dass es

an der Zeit ist, diese traurige Situation zu ändern, die wir in

unserer Gesellschaft erleben. Wir können nicht weiter zulassen, dass

die schlechten Regierenden uns weiter ihr ungerechtes,

diskriminierendes und frauenfeindliches Sozialsystem aufzwingen.

Deswegen laden wir die Frauen ein, die Möglichkeit zu nutzen, die uns

die Andere Kampagne bietet, welche Platz für die Teilnahme aller

bietet und wo sich jede anschließen und organisieren kann und wir

unsere Meinung sagen können, wie wir eine neue Gesellschaft schaffen

wollen.


Wir hoffen, dass die Compañeras, die sich der Sechsten und der

Anderen Kampagne angeschlossen haben, ihr Möglichstes tun, um sich zu

beteiligen und die Arbeit voranzutreiben, und dass sie den anderen

Frauen in unserem Land und auf der ganzen Welt als Beispiel dienen,

damit auch diese sich in ihren Gemeinden, in ihren Nachbarschaften,

Vierteln, an ihren Arbeitsplätzen und wo auch immer sie sind

organisieren, damit es in der Sechsten und der Anderen Kampagne eine

direkte Beteiligung der Frauen gibt, denn ohne die Beteiligung der

Frauen können wir nicht sagen, dass es sich um eine andere Kampagne

handelt, wie bereits in einigen Kommuniqués erwähnt wurde.


Wir wollen euch auch sagen, dass wir bei der Arbeit der anderen

Kampagne auch auf Schwierigkeiten stoßen werden, auf Probleme und

Hindernisse, aber wir müssen Wege suchen, um diese zu überwinden. Wir

brauchen ein wenig Mut, um dem die Stirn zu bieten, was von oben

kommt, und auch unseren eigenen Problemen, bei uns zu Hause, in

unseren Gemeinden, bei unserer Arbeit, in unserer Nachbarschaft und

überall. Wir müssen die Kraft haben, zu kämpfen und unsere Rechte als

Frauen verteidigen zu können, denn manchmal lassen es die Männer

nicht zu, dass wir Aufgaben im Kampf übernehmen oder die gleichen

Rechte haben wie Männer, und nehmen uns nicht ernst.


Um die Rechte durchzusetzen, die uns als Frauen zustehen, müssen wir

uns organisieren, uns verteidigen, und wir müssen niemanden um

Erlaubnis bitten, um unsere Rechte auszuüben und einzufordern. In der

Sechsten und der Anderen Kampagne wird es schon ganz anders sein als

in irgendeiner Organisation, denn sie muss den Frauen, Mädchen und

Greisinnen einen Ort bieten, wo wir respektiert und bei

Entscheidungen einbezogen werden. Das bedeutet, dass wir in der

Anderen Kampagne alle einen Platz finden, die wir mit Demokratie,

Freiheit und Gerechtigkeit leben wollen. Und in der Anderen Kampagne

können wir niemanden ausschließen, nur weil derjenige eine Frau oder

anders ist.


Wir wollen auch alle Frauen Mexikos und der ganzen Welt, die sich

nicht der Anderen Kampagne angeschlossen haben, dazu einladen, sich

zu organisieren und auf irgendeine Art zu kämpfen, denn die

Ungerechtigkeiten, die Ausbeutung, die Verachtung und die Verletzung

der Menschenrechte der Frauen gibt es überall. Deswegen ist die

Teilnahme der Frauen so wichtig, damit mit dieser ungerechten

Situation Schluss gemacht wird, die in Mexiko und vielen anderen

Ländern der Welt existiert.


Zum Schluss möchten wir all den Frauen, die sich der Sechsten und der

Anderen Kampagne angeschlossen haben, sagen, dass sie weitermachen

sollen und sich gut bei ihren Aufgaben organisieren, die sie

ausführen werden, damit wir gemeinsam für unsere Rechte, Freiheit und

Gerechtigkeit kämpfen, damit unsere Söhne und Töchter die Verachtung,

die Demütigung, die Ausbeutung, denen uns heute die schlechten

Regierenden und die Mächtigen aussetzen, nicht mehr erleben.

Das waren meine Worte.


Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit.

Für das Geheime Revolutionäre Indigena-Komitee - Generalkommandantur

der EZLN

Chiapas, México

  1. Januar 2006





Worte des Kommandanten Tacho

in San Cristobal de las Casas am 1. Januar 2006.


Brüder und Schwestern.

Guten Abend, Compañeros und Compañeras der Unterstützungsbasis, die

sich mit mir hier gegenüber dieser Kathedrale befinden. Mit Erlaubnis

der Compañeros des Geheimen Revolutionären Indígena-Komitees -

Generalkommandantur und des Compañero Subcomandante Insurgente Marcos

möchte ich einige Worte sprechen.


1. Januar 2006.


Brüder und Schwestern Arbeiter und Arbeiterinnen.

An unsere Brüder und Schwestern auf dem Land in ganz Mexiko.

Brüder:


Heute wollen wir euch sagen, dass die Situation der Arbeiter auf dem

Land und in der Stadt von Tag zu Tag gravierender und schwieriger

wird, obgleich wir Bauern und Arbeiter der wichtigste Teil des

mexikanischen Volkes sind, was die Produktion und die billige

Arbeitskraft angeht.


Wir sind für unser Land unverzichtbar, und trotzdem sind wir die, die

am wenigsten Rechte haben, die jedem mexikanischen Bauern zustehen.

Trotzdem unsere Produktion in diesem Land schlecht bezahlt wird, hat

das Land, das wir bebauen, schlechte Qualität, und wir verfügen nicht

über die Mittel, zu arbeiten und es zu verbessern. Trotz unseres

schlechten Bodens produzieren wir, aber niemand gibt uns Garantien

für unsere Arbeit. Regenfälle, Trockenheit, Unwetter etc. können

unsere Arbeit zerstören, und niemand schaut sich dann nach uns um.


All wir Bauern, die wir mithilfe von Mutter Erde produzieren, leiden

wegen allem. Aus all diesen Gründen wird die Arbeit auf dem Land für

die mexikanischen Bauern immer schwieriger, und viele unserer

mexikanischen Compañeros wurden schon zur Emigration gezwungen, um

ihre Familie zu ernähren. Und vor allem jetzt mit dem

Freihandelsabkommen, das auf dem mexikanischen Land umgesetzt wird.

Wir Bauern werden tagtäglich handlungsunfähiger, weil wir mit unseren

Mitteln, die sich seit 500 Jahren nicht verändert haben, nicht

mithalten können, und weil der Plan des Freihandelsabkommens nicht

gut für das Wohl der Menschen ist.


Das Freihandelsabkommen ist der Plan, die mexikanische Landwirtschaft

zu zerstören und stattdessen auf unserem Land genmanipulierte

Produkte und Samen einzuführen. Um damit das legal wird, verändern

sie den Artikel 27 der Verfassung, und damit unsere Ländereien legal

gehamstert und wir wieder zu Dienern großer Großgrundbesitzer gemacht

werden können, treiben sie das Privatisierungsprogramm für Ländereien

mithilfe des Procede-Programms voran. All das ist der neoliberale

Plan gegen das mexikanische Land und dessen Bauern. Aber trotz allem

leisten wir Bauern Widerstand und bearbeiten das Land, um zu

überleben, um zu überleben, indem wir weiter anbauen, was uns Mutter

Erde als Natur schenkt. Denn was wir für einen Dumpingpreis verkaufen

können, ist für den Konsum der großen Reichen bestimmt, während wir,


die wir auf dem Land natürliche Sachen produzieren, getäuscht und

dazu gezwungen werden, das zu konsumieren, was sie produzieren.


Wie können wir, nach all dem, von guter Gesundheitsversorgung

sprechen, von guter Bildung, guter Ernährung und einer würdigen

Behausung, wenn sie uns alles aufzwingen? Im derzeitigen

Staatsparteiensystem herrscht Komplizität mit den neuen ausländischen

Herren, durch ihre Strategien und ihre Pläne für berühmte

landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte wurden wir an den Rand

gedrängt. Diese Pläne und Ziele haben die Ausrottung unseres Saatguts

zur Folge, mit denen wir seit Jahrhunderten das Land kultiviert

haben. Diese Projekte und Programme sind nur Teil ihrer Strategie,

uns zur Benutzung von neuem Saatgut und Düngern zu zwingen, damit wir

nicht mehr ohne Dünger und ohne ihre Samen produzieren können und zur

Abhängigkeit von unseren neuen Herren gezwungen sind, was die

Grundnahrungsmittel betrifft, und das treiben sie als Teil einer

Strategie voran. D.h., die Bauern sollen in Hinblick auf ihre

Ernährung völlig abhängig werden. Das ist nur ein Teil des Planes,

aber in Wirklichkeit will uns die Bourgeoisie undifferenziert von

unseren Ländereien vertreiben.


So hätten sie gern, dass nach mehr als einem Jahrhundert die Bauern

erneut auf Knien vor ihren neuen Herren rutschen. Deswegen wollen wir

Zapatistas heute unsere Brüder und Schwestern Bauern und Bäuerinnen

dazu auffordern, sich mit uns im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind

zu vereinen, der mit allen Mitteln einen stillen Krieg gegen uns

führt, neben den heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Erbrechen und

Fieber.


Wir Bauern müssen unsere Forderungen stellen und uns organisieren, um

nicht weiter an heilbaren Krankheiten zu sterben, die als Krieg

Niederer Intensität bekannt sind. Dieser Plan richtet sich gegen die

Arbeiter und Bauern, das heißt, was früher dem Volk gehörte, wird

heute verkauft und kommt in den Besitz ausländischer Geschäftemacher.

Deshalb, Brüder Arbeiter und Bauern, kennen wir die schwierige

Situation, die ihr in den Fabriken erlebt. Wir wissen, dass die

Situation und die Lebensbedingungen denen von uns Bauern ähnlich

sind.


Da den Arbeitern ihre Arbeitsplätze nicht sicher sind, sind sie von

der Entlassung bedroht, wenn sie ihre Rechte verteidigen. Die Gesetze

der Regierung schützen sie nicht, und noch weniger die der Herren,

denn wenn sie Ungerechtigkeiten einklagen, höhere Löhne fordern oder

eine Lebensversicherung oder einen sicheren Arbeitsplatz, werden sie

ungerechterweise auf die Straße gesetzt, auch wenn ihnen laut Gesetz

all diese Rechte zustehen, aber in Wirklichkeit werden sie nicht

umgesetzt, denn sie dienen nur zum Nutzen und zur Bereicherung der

Herren auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung. Zum Beispiel der

verstorbene Fidel Velásquez und Rodríguez Alcaine, die selbst keine

Arbeiter waren, aber Gesetze erließen, die angeblich zum Nutzen der

Arbeiter sein sollten. Gemeinsam mit den Herren zeigen sie auf diese

Weise, dass sie die Arbeiter und ihre Rechte nicht interessieren und

sie nicht für das Volk kämpfen, sondern für ihre eigenen persönlichen


Interessen.


Deswegen rufen wir dazu auf, uns zusammenzuschließen, gemeinsam zu

kämpfen, Bauern und Bäuerinnen, Arbeiter im Bereich der Bildung, der

Gesundheit und den anderen Sektoren von Arbeitern und Arbeiterinnen.


Brüder und Schwestern, wir alle, Männer wie Frauen, müssen sagen,

dass sie uns nicht über den Tisch ziehen sollen, und wir müssen uns

organisieren, dass wir uns alle dem Kampf anschließen. Der Moment ist

gekommen, es ist Zeit, gemeinsam zu sagen: Ya basta! Denn die

Ausbeuter wird niemand aufhalten außer wir selbst. Deshalb,

Compañeros und Compañeras Arbeiter und Arbeiterinnen in Stadt und

Land, beginnt heute unsere Andere Kampagne, um eure Worte zu hören,

eure Gedanken zu erfahren, ob ihr damit einverstanden seid, dass

jegliche Privatisierer uns auf welche Art auch immer ausbeuten.


Wir Zapatistas sind nicht damit einverstanden. Wir sind nicht damit

einverstanden, dass sie uns weiter ausbeuten. Ihr, Brüder und

Schwestern, werdet uns sagen, ob wir uns irren. Deshalb beginen wir

heute damit, eure Worte zu hören.


Die zapatistische Armee der Nationalen Befreiung, im Namen unserer

Compañeros und Compañeras, der Jugendlichen, Kinder und alten Leute

der Unterstützungsbasis, ruft unsere Compañeros Arbeiter und Bauern

dazu auf, sich zu organisieren und direkt an der anderen Kampagne

teilzunehmen, damit wir gemeinsam für unsere Rechte kämpfen, die uns

zustehen als Arbeiter, die wir sind, auf dem Land und in der Stadt.

Um gemeinsam ein landesweites Kampfprogramm und eine andere Form des

Kampfes zu schaffen, gemäß der Sechsten Erklärung aus dem

Lakandonischen Urwald. Wir sind sicher, dass wir nur gemeinsam und

organisiert die Gerechtigkeit zum Blühen bringen können, wenn die

Rechte der Arbeiter und Bauern respektiert werden.

Leben für das Land oder sterben für die Freiheit!


Aus dem Tal von Jovel*,


Vielen Dank.


*Jovel: So nannten die Indígenas früher San Cristóbal de las Casas,

bedeutet so viel wie "bergiges Tal". (Anm. d. Üs.)



übersetzt von Katja




Worte von Subcomandante Marcos

in San Cristobal de Las Casas, beim Beginn

der Rundreise der Anderen Kampagne


1. Januar 2006


Guten Abend. Bevor ich beginne, möchte ich eine Person nach oben zu

uns einladen, die in der Geschichte der Zapatistischen Armee der

Nationalen Befreiung sehr wichtig gewesen ist. Ihm verdankt die EZLN

den ersten Samen. Ich persönlich verdanke ihm mehr als mein Leben. Er

hat mir die Richtung, den Schritt und das Schicksal gewiesen. Einige

von Ihnen kennen ihn als den Architekten Fernando Yañez, wir

Zapatisten kennen ihn als Comandante German.


Wir haben diesen Compañero gebeten die, Leitung des Büros von Enlace

Zapatista zu übernehmen, durch das die EZLN und die Sechste

Kommission mit allen Compañeros und Compañeras der Anderen Kampagne

bleiben wird. Er wird uns auch dabei helfen, die Beziehungen mit

politischen linken antikapitalistischen Organisationen in Mexiko und

auf der Welt aufrechtzuerhalten. Meine ersten Worte sind nur an die

Compañeros und Compañeras der Zapatistischen Armee der Nationalen

Befreiung gerichtet.


(Worte auf Tzotzil)


Dies ist unser kleines Wort für Sie alle, Männer, Frauen, Kinder und

Alte der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung,

Unterstützungsbasen, lokale und regionale Verantwortliche, autonome

Autoritäten, Milizionäre, Aufständische, Offiziere und Comandantes

und Comandantas des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees,

Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen

Befreiung.


Wir brechen jetzt auf, um unser Wort in der Sechsten Erklärung aus

dem Lakandonischen Urwald zu erfüllen. Es liegt an mir vorauszugehen,

um zu sehen wie der Weg ist auf den wir gehen werden, und ob es

Gefahren gibt, und um das Gesicht und das Wort derer kennenzulernen,

die Compañeros und Compañeras sind, aber eine andere Art hat. Um

unseren zapatistischen Kampf mit dem Kampf der Land- und

Stadtarbeiter unseres Landes zu vereinen, das Mexiko heißt.


Falls mir etwas schlimmes zustoßen sollte, sollten Sie wissen, dass

es eine Ehre gewesen ist an Ihrer Seite zu kämpfen. Sie sind die

besten Lehrer und Leiter gewesen, und ich bin sicher, dass Sie

unseren Kampf weiterhin auf einen guten Weg führen werden, und uns

allen mit dem Wort Würde beibringen besser zu sein. Wir sind Wind,

wir fürchten uns nicht im Kampf zu sterben. Das gute Wort wurde in

guter Erde gepflanzt. Diese gute Erde ist Ihr Herz, und darin blüht

bereits die zapatistische Würde. Danke, Compañeros und Compañeras der

Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, die gekommen sind um

uns zu begleiten. Compañeros und Compañeras der Anderen Kampagne,

ich möchte hier eines Compañeros gedenken, der vor zwölf Jahre, in

den ersten Stunden des ersten Januars 1994 gefallen ist, und der auf

den Tag gewartet hat, in dem das Wort der Zapatistischen Armee der

Nationalen Befreiung, von Männer, Frauen, Kinder, Alte,

Organisationen, Kollektive, Gruppen und Personen begleitet wird, die

nicht der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung angehören.

Mit seinem Namen möchte ich auch alle Compañeros und Compañeras in

Erinnerung rufen, die in diesen zwölf Jahren des Kampfes gefallen

sind. Ich rufe sie in Erinnerung, und bitte im Namen von Compañero

Subcomandante Insurgente Pedro, um eine Minute des Schweigens

für alle gefallenen Compañeros.


(eine Schweigeminute)


Danke, Compañeros.


Compañeros und Compañeras der Anderen Kampagne, wir möchten die

Gelegenheit ergreifen um Ihnen, die hier mit uns gekommen sind, und

anderen Compañeros und Compañeras, die nicht anwesend aber Teil

unserer Bewegung sind zu erklären, das wir in unserem ganzen Land

Mexiko begonnen haben


Als unser Marsch sich näherte und den Boulevard erreichte, löschten

die Autoritäten wie zuvor ausgemacht die Lichter der Hauptstrasse

aus. Und genau darum geht es, die von Oben versuchen uns mit

Dunkelheit zu umgeben. Uns, ich spreche nicht von der Zapatistischen

Armee der Nationalen Befreiung, sondern von uns, der Anderen

Kampagne, und alle, die sich der Sechsten Erklärung angeschlossen

haben. Und genauso wie wir diese dunkle Strecke durchquert haben,

Stückchen für Stückchen, langsam, mit vorsichtigen Schritten, so muss

auch der Beginn der Anderen Kampagne sein. Der Augenblick wird

kommen, wie es auf diesem Marsch gewesen ist, an dem alles überwunden

ist, und die Lichter angezündet blieben, mit einem neuen Glanz, dem

wir ihnen verleihen können, durch unseren Kampf und unsere Worte, von

einem zum anderen, unten und links.


Der Hauptadressant der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen

Urwald reichte bereits einige Monate nach ihrer Emission die Quittung

ein. Die große Macht des Geldes in Mexiko unterzeichnete das, was als

Sechste Gegen-Erklärung bezeichnet werden könnte, und öffentlich als

Vertrag von Chapultepec bekannt ist, der in diesem Schloss

unterzeichnet wurde. Zuvor war die mexikanische politische Klasse

zusammengerufen und versammelt worden, und stellte sich in ihrer

ganzen lächerlichen Erscheinung im Palast der Schönen Künste zur

Schau. Jene, die uns jetzt bitten alles zu vergessen, unsere Nöte,

unsere Kämpfe, und alles in ihrem Dienst zu stellen, damit sie für

uns entscheiden können, entscheiden dort, in den Schlössern und

Paläste dieses Landes.


Die Andere Kampagne und die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen

Urwald haben unser Schicksal und unseren Kurs klar definiert. Von uns

allen. Wir können nun sagen, dass am ersten Januar 2006, die

gemeinsamen Kräfte der Anderen Kampagne, die Stadt von San Cristóbal

de las Casas für sich eingenommen haben, das Symbol des Hochmutes und

der Arroganz der Oberen.


Wir möchten insbesondere unsere indigenen Brüder und Schwestern aus

der Colonia von Hormiga begrüßen. Sie wurden aus ihren Gemeinden

vertreiben, weil sie eine unterschiedliche religiöse Glaubensrichtung

ausübten. Und die Stadt, die sie hinausjagte, hat vergessen, dass es

diese Brüder und Schwestern waren, die gemeinsam mit uns Zapatisten

diese Kathedrale gebaut haben, diesen Palast, diese Strassen, diese

Häuser, die ihnen versperrt sind, und die Gehsteige, die sie nicht

benutzen durften, sondern in der Mitte gehen mussten, wie Tiere.


Die Sechste Erklärung schlägt vor zu gehen, zu sprechen, zuzuhören,

und mit allen Einigungen zu erzielen, die die Maschinen zum Laufen

bringen, die das Land bebauen, die Dienstleistungen und Produkte

aller erbringen, und denen letztlich nichts bleibt.


Wir gehen nicht zu den großen Mobilisierungen. Wir haben den heutigen

Tag so begonnen, weil wir allen Compañeros und Compañeras der Anderen

Kampagne eine Botschaft schicken möchten. Mehrere Tausend Männer,

Frauen, Kinder und Alte der Zapatistische Armee der Nationalen

Befreiung kamen hierher, nach einem tagelangen Fußmarsch um die Stadt

zu erreichen, und sind hier um Ihnen zu sagen, das wir in der

Sechsten und der Anderen Kampagne, alles legen was wir haben. Unser

Leben ist das wenigste, das wir haben, unsere ganze moralische

Autorität, das ganze Ansehen, das wir uns erworben haben, werden in

diese Initiative gelegt. Wir wiederholen die Frage, die wir zuvor

gestellt haben. Was werden Sie in die Andere Kampagne einbringen? Wir

hoffen, dass es das Herz und das sein Wort sein wird, das wir hören

möchten, und das wir um Hilfe bitten um das Wort der Anderen hören zu

können. Es mag einfach erscheinen Tausende Indigenas zu versammeln,

aber das konnten wir nur mit Hilfe der Juntas der Guten Regierung

schaffen, und die Compañeros und Compañeras die gekommen sind, haben

Hunderte von Meilen zurückgelegt.


An dieser Stelle möchte ich einen besonderen Gruß an meine Compañeros

und Compañeras Insurgenten und Insurgentinnen richten, die sich seit

dem 19. Juni letzten Jahres in Rotem Alarm befinden, und sich für

alle Fälle in ständiger Bereitschaft halten, um unsere Pflicht zu

erfüllen, die Verteidigung unserer Leute. All diese Tausende Männer

und Frauen, die durch ihre kleine Statur und ihre braune Hautfarbe,

die durch ihre Skimasken zu erkennen ist, eindeutig zu identifizieren

sind, sind der Organisation nicht in einem massiven Akt beigetreten.

Um die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung wachsen zu lassen

und zu bilden, haben wir mit ihnen gesprochen, ihnen dort zugehört,

wo sie arbeiteten, dort wo sie litten. Nicht in großen Versammlungen,

nicht in Aufmärschen, sondern an ihrem Arbeitsort, wo man den

Rassismus, das Ausplündern, die Ausbeutung eines Systems erlebt, das

viele Gesichter hat, aber nur einen Namen: Kapitalismus.


Die Sechste Erklärung und die Andere Kampagne haben eine sehr klare

Linie über das definiert, das wir Sie gebeten haben als links und

antikapitalistisch zu definieren. Nicht als Mitte, auch nicht als

Halbmitte, nicht als gemäßigte Rechte, nicht als rationale oder

institutionelle Linke, sondern links, wo sich wie wir das sagen, das

Herz befindet und die Zukunft, das kommende, das Morgen. Wir möchten

allen Compañeros und Compañeras danken, die sich bist jetzt der

Sechsten Erklärung angeschlossen haben, und sich die Andere Kampagne

zueigen gemacht haben. Von diesem Augenblick an, sind Sie unsere

Compañeros und Compañeras.


Wenn wir Zapatisten auf etwas stolz sein können, dann darauf, dass

wir unseren Compañeros und Compañeras gegenüber loyal zu sein wissen.

Deshalb werden wir es in dieser ersten Etappe zur Hauptsache machen,

mit unseren Compañeros und Compañeras zu sprechen. Ich sage dies,

weil viele große Mobilisierungen erwarten, große Demonstrationen, und

dann sehen werden, dass Delegado Zero es vorzieht mit denen zu

sprechen, die sich bereits für die Sechste und die Andere Kampagne

definiert haben, ihrem Wort zuzuhören, und sie respektvoll bitten uns

zu helfen, die richtige Weise zu erlernen, um mit den Arbeitern vom

Lande und aus der Stadt in der sie leben zu sprechen, und mit ihnen

gemeinsam ihre moralische und politische Autorität errichtet haben.

Und ich spreche von den linken politischen Organisationen,

kommunistisch, libertär, anarchistisch, und jene, die sich noch nicht

definiert haben, oder in dieser Definition noch mehr Begriffe zu

sagen haben, von Gruppen, kulturellen Kollektive, alternativen

Medien, Nichtregierungsorganisationen, Organisationen für die Rechte

der Frauen, der Homosexuellen, der Lesben, von den anderen Anderen,

von allen, die wir sind, und die wir durch ein Huhn symbolisieren

möchten, das krumm läuft und sehr anders ist, der Pinguin. Da hinten

muss er irgendwo herumlaufen . . . er ist auf dem Motorrad

mitgefahren, ihm ist schwindlig.


Wir möchten Ihnen deshalb sagen, dass unsere Priorität darin liegt

Compañeros zu werden, Sie kennenzulernen, und das Sie uns

kennenlernen. Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass im Kennenlernen

der Respekt geboren wird, und als Compañeros und Compañeras müssen

wir uns respektieren. Wir haben alle, die der Sexta beigetreten sind,

unter zwei Garantien eingeladen: eine, dass dies nicht schnell enden,

und dass es keine Entschädigungen geben wird, und die andere, dass

wir alle ein Platz haben werden, ob groß oder klein, rot, schwarz,

weiß, dick, dürr, wie auch immer, alle werden einen Platz haben, und

wir in unserem Platz als Zapatisten innerhalb der Anderen Kampagne,

werden diesen Raum immer verteidigen, den dafür wurde die Sexta

gemacht, und dafür beginnt die Andere Kampagne. Wir beginnen morgen,

hier in der Stadt von San Cristóbal, mit zwei Compañeros und

Compañeras von den Las Sextas Coletas oder der Anderen Kampagne hier

in San Cristóbal und im ganzen Hochland. Danach gehen wir nach

Palenque, dann nach Tuxtla, dann nach Tonalá, dann nach Huixtla, dann

nach Moisés Gandhi, und danach sind wir in Chiapas fertig und fangen

in Yucatán und Quintana Roo an. Wir werden Sie überall wo sich die

Gelegenheit bietet über die Aktivitäten und darüber was wir tun

werden informieren. Wir bitten Sie alle um Verständnis für die

Definition dieser ersten Etappe. Wir wissen, dass Sie hoffen uns bei

großen Veranstaltungen zu sehen, oder an Runden Tischen, oder

Buchpräsentationen, oder in Interviews mit großen Intellektuellen

oder Massenmedien, und dann werden Sie sehen, dass wir es vorziehen

Compañeros zu sein, die es vorziehen mit den Personen zu sprechen und

ihnen zuzuhören, die soweit im Hintergrund stehen, dass sie kaum

hören können, was ich sage, und dass für uns Ihr Wort wichtig ist.

Compañeros und Compañeras, zum ersten Mal beenden wir eine

Veranstaltung am ersten Januar nicht mit dem Ruf "Es lebe die EZLN",

sondern als Compañeros und Compañeras, die wir sind, mit "Es lebe die

Andere Kampagne". Danke.



* * *

übs von Dana