"Der Standar.at", Wien, vom 02.01.2006

Auf der Homepage auch ein Foto von einem Motorradfahrer mit Skimaske.

Ob das wirklich Marcos, den der "Standard" da an die Leser bringt,

sei dahingestellt.


Mexiko: Zapatistenführer Marcos wirbt per Motorradtour für seine EZLN

Katholischer Primas fordert Toleranz gegenüber Zapatisten - Marcos

ändert militärischen Titel des "Subcomandante" in zivilen "El

Delegado Zero"


Der frühere "Subcomandante" und nunmehrige "El Delegado Zero" Marcos

reist auf seinem Motorad "sombraluz" durchs Land, um für seine

"alternative Indigena-Bewegung" zu werben.


Mexiko - Vor den Präsidentschaftswahlen im Juli hat der Primas der

katholischen Kirche Mexikos zur Toleranz gegenüber den Zapatisten

gemahnt. Die Zapatisten hätten dem bewaffneten Kampf abgeschworen und

einen Kurs des friedlichen Dialogs eingeschlagen, sagte Kardinal

Norberto Rivera Carrera laut Kathpress-Meldung vom Montag bei einem

Presseempfang in Ciudad de Mexico (Mexiko-Stadt).

"Subcomandante" wird "El Delegado Zero"

Der umstrittene Zapatistenführer Marcos will bis zur Wahl 31

Bundesstaaten besuchen und für seine "alternative Indigena-Bewegung"

werben, die einen friedlichen Widerstand gegen Neoliberalismus und

Kapitalismus propagiert. Mit der als "alternative Wahlkampf"

angekündigten Tour zielt Marcos auch auf eine Vereinigung der

mexikanischen Linken ab.


Marcos - der selbst nicht indigener Herkunft ist - tauschte zu diesem

Zweck seinen militärischen Titel des "Subcomandante" gegen den

zivilen "El Delegado Zero" (Delegierter Nummer Null) ein und startete

am Wochenende in San Cristobal de las Casas seine PR-Tour per

Motorrad.


Die "Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) war in

Chiapas, einem der ärmsten Staaten Mexikos, entstanden und hatte sich

- auch aus Gründen der Auslandspropaganda in Westeuropa - als

"indigen" ausgegeben. Die Zapatisten sorgten Anfang 1994 mit einem

bewaffneten Aufstand weltweit für Schlagzeilen. Seitdem kämpfen sie

mit politischen Mitteln gegen das neoliberale Wirtschaftsmodell. Mit

dem Namen "Zapatistas" stellt sich die EZLN in die Tradition von

Emiliano Zapata (1879-1919), einem der Führer der linksbürgerlichen

mexikanischen Revolution.


Bischof: "Hoffnung für das Land"

Auch der frühere Koadjutor des emeritierten Chiapas-Bischofs Samuel

Ruiz und heutige Bischof von Saltillo, Raul Vera Lopez, wertete die

jüngste Initiative der Zapatisten positiv. Die neue Bewegung gebe dem

Land "Hoffnung". Sie sei inmitten von Wahlkampagnen, die von

"Verschwendung und Beleidigungen" gekennzeichnet seien, ein "Symbol

für die Suche nach Gerechtigkeit und Frieden", so Vera in einem

Interview.


Kritischer äußerte sich zuletzt der Bischof von San Cristobal de Las

Casas, Felipe Arizmendi Esquivel. Der Dialog zwischen Regierung und

Rebellen sei schwierig, wenn nicht unmöglich, da die Zapatisten "kein

Vertrauen in das politische System Mexikos" hätten. Zugleich

wiederholte Arizmendi seine Kritik an der Zentralregierung. Sie habe

versäumt, Armut und Ungerechtigkeit in Chiapas mit Sozialprogrammen

zu überwinden. Noch immer gebe es Ortschaften ohne Elektrizität und

Wasserversorgung. (APA)