Jornanda-Artikel zum Tod von Comandanta Ramona:
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/07/003n1pol.php
HERMANN BELLINGHAUSEN, KORRESPONDENT
Tonala, Chiapas, 6. Januar. ''Die Welt hat eine jener Frauen
verloren, die neue Welten gebären. Mexiko hat eine jener Kämpferinnen
verloren, die es braucht. Und uns wurde ein Stück unseres Herzens
herausgerissen," sagte heute nachmittag Subcomandante Marcos im Saal
der Organisation Frente Cívico in Tonalá, wo gerade ein Treffen der
anderen Kampagne stattfand, als er den Tod der Kommandantin Ramona
bekannt gab.
Das Treffen war in vollem Gange, Sprecher und Sprecherinnen
wechselten sich vor vielen Zuschauern beim ersten Besuch des
Delegierten Zero an der chiapanekischen Küste ab, als dieser darum
bat, sich kurz zurückziehen zu dürfen, "um etwas zu klären", und den
Saal in Begleitung seiner Schutzeskorte und einem Schwarm von
Fotografen verließ. Nach über einer Stunde kam er zurück, nahm das
Mikrofon und sagte:
''Ich möchte euch respektvoll darum bitten, dass ihr mich nicht
unterbrecht, bis ich fertig gesprochen habe. Diese andere Kampagne,
die wir durchführen, ist dafür da, die Stimme aller zu hören.
Deswegen ist es wichtig, dass wir alle geduldig sind und allen
zuhören. In meiner Funktion als Sprecher der EZLN gibt es sehr
schwierige Momente, wie diesen hier. Mir wurde soeben mitgeteilt,
dass heute morgen die Kommandantin Ramona verstorben ist."
Vor den Zuhörern, denen die Betroffenheit anzusehen war, fügte er
hinzu: "Wir wissen, was alle wissen. Die Kommandantin Ramona hat dem
Tod 10 Jahre gestohlen. Dank der Unterstützung von Menschen wie euch
konnte sie operiert werden und bekam eine neue Niere. Heute morgen
litt sie unter Erbrechen, Durchfall und Blutungen, und auf dem Weg
nach San Cristóbal verstarb sie.
Es gibt in einer solchen Situation keine Worte, aber ich kann sagen,
dass die Welt eine jener Frauen verloren hat, die neue Welten
gebären. Mexiko hat eine jener Kämpferinnen verloren, die es braucht.
Und uns wurde ein Stück unseres Herzens herausgerissen."
Hier versagte Marcos die Stimme. ''In einigen Minuten wird das
Caracol von Oventic geschlossen, und wir werden den Tod dieser
Compañera in privatem Kreise betrauern. Wir hoffen auf das
Verständnis der Journalisten und bitten darum, ihren Tod nicht in ein
Medienereignis zu verwandeln."
Gleich darauf sagte er seine Teilnahme an den für heute und morgen
vorgesehenen Versammlungen mit. "Wir werden zurückkehren und
abwarten, welche Anordnungen die Kommandantur, das Geheime
Revolutionäre Indígena-Komitee gibt. Wenn wir Genaueres wissen,
werden wir euch informieren. Danke für euer Kommen, danke für euer
Wort, wir werden das fortsetzen müssen, mal sehen wie."
Er erinnerte auch kurz daran, dass die Kommandantin Ramona an der
Kausursitzung der Vorbereitungstreffen der anderen Kampagne
teilgenommen hatte:
''Als die Plenarsitzung in La Garrucha begann, machten wir Scherze
mit ihr. Erst vor ein paar Tagen ließ sie mich durch die Compañeros
grüßen und mir einige der Scherze ausrichten, die wir austauschten.
Jetzt erinnere ich mich, dass sie uns am Tag der Plenarsitzung eine
Handarbeit gab, die sie während der Zeit angefertigt hatte, als sie
sich von ihrer Operation vor zehn Jahren erholte, und sie überreichte
sie mir und sagte, dass sie hoffe, die andere Kampagne würde zu so
etwas wie diese Handarbeit. Das ist es, was wir tun müssen.
Nach diesen Worten machten sich Marcos und die ihn begleitende
Karawane, die gerade vor drei Stunden in Tonalá angekommen waren,
schnell auf den Heimweg in die Berge von Chiapas und verbrachten
diese Nacht in San Cristóbal de las Casas.
***
übs. von Katja
Comandanta Ramona gestorben
"Mir fällt es sehr schwer zu sprechen, aber was ich sagen kann, ist,
dass die Welt eine dieser Frauen verloren hat, welche neue Welten
hervorbringen. Mexiko verlor eine dieser Kämpferinnen, welche es
braucht. Und mit ihrem Tod wurde uns ein Stück des Herzens
herausgerissen."
Marcos,
Delegierter Nr.0 der "Anderen Kampagne"
Gestern Freitag ist die bekannte zapatistische Comandanta Ramona
gestorben. Ramona, eine kleingewachsene Indigene aus dem Bezirk San
Andrés, war eine zentrale Figur in der EZLN. Beim Aufstand der
Zapatistas im Januar 1994 befehligte sie die Einnahme von San
Cristóbal. Sie war auch bei dem "Aufstand vor dem Aufstand" - bei dem
Entwurf und der Durchsetzung der "Revolutionären Frauengesetze" der
EZLN - federführend und ein Symbol für die Beteiligung der Frauen an
der zapatistischen Rebellion. In den ersten Verhandlungen mit der
Regierung in der Kathedrale von San Cristóbal war sie mit von der
Partie.
Die EZLN verkündete 1996, dass sie den militärischen Belagerungsring
durchbrechen werden und mit einer Delegation an der Gründung des
Nationalen Indigenen Kongresses in der Hauptstadt Mexiko teilnehmen
würden. Präsident Zedillo drohte umgehend mit der Verhaftung jedes
Zapatistas ausserhalb des Konfliktgebietes. Die EZLN liess darauf
verlauten, dass sie ihre "gefährlichste Waffe" auf diese Mission
senden würden: Der verblüfften Öffentlichkeit wurde Comandanta
Ramona, die kleine, kaum spanisch sprechende Tzotzil-Indigena
vorgestellt. Sie war an Nierenkrebs erkrankt und konnte nach ihrem
Auftritt auf dem Hauptplatz von Mexiko Stadt am 12. Oktober 1996 nur
dank einer Nierentransplantation weiterleben.
Seither wurde es still um Ramona, bis sie im Herbst 2005 an der
ersten Vollversammlung der "Anderen Kampagne" der EZLN im
lakandonischen Urwald teilnahm. Ramona, die vor dem Eintritt in die
Guerilla EZLN eine talentierte Stickerin war, galt als erste
Beraterin von Marcos und setzte sich zeitlebens für die Wertschätzung
der Frauen ein. Diesen ersten Januar, als Marcos sich auf die
halbjährige Reise durch ganz Mexiko aufmachte, schenkte Ramona ihm
eine traditionelle Stickereiarbeit, die sie während ihrer Zeit nach
der Operation gestickt hatte.
Gestern ist Ramona auf ihrem weiten Weg ins Spital von San Cristóbal
gestorben. Die "Anderen Kampagne", die sich in der vom Hurrikan Stan
stark betroffenen Küstenregion Toniná befand, wurde nach einer kurzen
Rede von Marcos, in der er diese traurige Nachricht mitteilte,
unterbrochen. Heute Samstag findet in Oventik die Trauerfeier für
Comandanta Ramona statt.
Direkte Solidarität mit Chiapas, 7.1.2006
Una mujer dulce y discreta con la fuerza de una bomba
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/07/003n2pol.php
Suspende el EZLN periplo por la muerte de Ramona
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/07/003n1pol.php
Fue símbolo de la mujer zapatista y consejera de ´Marcos´
http://www2.eluniversal.com.mx/pls/impreso/noticia.html?id_nota=133934&tabla=nacion
Artikel zur "Otra Campaña" in Chiapas:
Subcomandante Marcos startet Rundreise durch Mexiko
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21708/1.html
1. Station: Palenque, Zona Norte
Palenque no son ruinas; los mayas aún vivimos: Marcos
En el norte de Chiapas es más peligroso ser zapatista
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/04/013n1pol.php
2. San Cristóbal, Vorort der Vertriebenen
Hay que mandar al PRI a la fregada, dice Marcos a pobladores de La
Hormiga
Es el partido que ha crecido sobre la sangre, la humillación y muerte
de indígenas
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/05/015n1pol.php
3. Chiapa de Corzo
Acusa el delegado Zero a López Obrador de echar mentiras y rodearse
de salinistas
Aquí no vamos a permitir que se haga el juego a ningún candidato,
advirtió Marcos
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/06/011n1pol.php
4. Tuxtla Gutiérrez
Piden al EZLN ser caja de resonancia de reclamos
Escucha el delegado Zero testimonios de injusticias
http://www.jornada.unam.mx/2006/01/07/005n1pol.php