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Subject: Marcos: Ausbeuterische Regierenden gehören ins Gefängnis

Date sent: Mon, 16 Jan 2006 17:19:01 +0100


Marcos: Ausbeuterische Regierenden gehören ins Gefängnis

Elio Henriquez

La Jornada, 13. Januar 2006


Ejido Nuevo Villaflores, La Trinitaria, Chiapas, 12. Januar. 2006


Subcomandante Marcos hob hervor, dass Regierende, die die mexikanische Gesellschaft ausbeuten, ins Gefängnis gehen oder das Land verlassen sollten, denn "es wäre gerecht, dass die Menschen die morden, demütigen und betrügen ins Gefängnis sitzen sollten, statt denjenigen die dafür kämpfen die Lage für alle zu verändern". Bei einem Akt, der von der erfolgreichen Zusammenführung

zweier miteinander verfeindeten Organisationen im Rahmen der anderen Kampagne, und von einer Verschärfung seines Tonfalles charakterisiertwar, erklärte Delegado Zero, die Zapatisten hätten beschlossen als Teil dieser Initiative mit verschiedenen Gruppen gemeinsam zu marschieren und ihre Kräfte zu vereinen, um ein Wandel des Landes zu bewirken.


"Wir wollen nicht nur Krach schlagen, sondern wir wollen dieses Land verändern, und der einzige Vorschlag um es in etwas Gerechtes,

Demokratisches und Freies zu verwandeln, kommt von der Linken". Obwohl "es sicher viele linke Gedankenströmungen gibt, haben wir auch etwas gemeinsam, den Feind: der Kapitalismus".


Am Morgen reiste Marcos von Huixtla zu diesem Ejido nahe der Grenze zu Guatemala, wo er von Hunderte Mitglieder der Organisationen Campesina Emiliano Zapata Independiente y Democratica und der Proletaria Emiliano Zapata-Historica erwartet wurde, die miteinander verfeindet sind.


Während der Reise nach Nuevo Villaflores betrachtete Marcos die Zerstörungen, die von Hurrikan Stan in den Gemeinden entlang der

Autobahn von Huixtla nach Frontera Comalpa verursacht worden sind, wie unter anderen Unión Villaflores, Belisario Domínguez, Motozintla, Mazapa de Madero und Amatenango de la Frontera, sowie die spärliche Reaktion der Regierung für die Betroffenen.


Zwischen Huixtla und Motozintla musste die Karawane aufgrund eines mechanischen Defekts einen Halt von 40 Minuten einlegen.


Gegen 16:00 Uhr erreichte der Rebellenbeauftragte das Ejido, wo er von etwa 800 Campesinos erwartet wurde, die ihm ihre Unzufriedenheit mit den hohen Strompreise, der Ausbeutung der Ressourcen durch Petróleos Mexicanos, dem Landmangel und der Einsperrung einiger ihrer Compañeros verdeutlichen wollten.


Hier sagte Marcos, um die Situation zu verändern müssten alle Kräfte sich zusammenschließen und "ein stärkeres und lauteres Ya basta! Aufbauen, als das des 1. Januars 1994, das dieses Land aufbrechen und auf gleichberechtigtere, freiere und souveränere Weise wieder aufbauen wird, den wir wissen dass diejenigen, die uns Befehle geben keine Mexikaner

sind, sondern Fremde, und das muss anders werden".


Er kritisierte erneut den Vertrag von Chapultepec, weil es ein "Plan der Vernichtung, des Raubs und der Ausbeutung des Landes ist", um den

sich die Klasse der Reichen vereint hat um die Wahlen "in einen Zirkus zu verwandeln und zu wählen wer uns ausbeuten soll", mit einer falschen Hoffnung der Veränderung. "Die Mächtigen, die Bourgeoise und die Politiker, die ihnen dienen, haben die ganze Zeit versucht uns zu spalten und uns gegeneinander aufzuhetzen, einfache Menschen, die auf dem Feld arbeiten, die Maschinen und die kleinen Läden betreiben, die dieses Land zum Laufen bringen", fügte er hinzu.


"Die Reichen des Landes vereinen sich mit dem sogenannten Vertrag von Chapultepec, um ihren Plan der Vernichtung, des Raubes, der

Ausbeutung und der Verhöhnung aller zu entwerfen", betonte er, aber im Gegenzug dazu bilde sich die Andere Kampagne heran, "unsere Organisationen, die bereits beschlossen haben sich zu verbrüdern und gemeinsam voranschreiten".


Die Sechste Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald "bedeutet, dass wir unser Blut und unser Leben für alle einsetzen", und dieses Angebot gelte "nicht mehr nur für die indigenen zapatistischen Völker, sondern auch für die Arbeiter, Campesinos und Lehrer im ganzen Land" erklärte er.


Der Bitte folgend für die Freilassung der politischen Gefangenen zu sprechen, erklärte Delegado Zero, in diesem Land sei es "ein

Verbrechen arm zu sein und dafür zu arbeiten das zu ändern". In Gegenzug "laufen die Großgrundbesitzer, die Rinderbarone, die großen Geschäftsleute, die großen Kommerzzentren, die großen Politiker, die Morde, Verhaftungen und Unterdrückung anordnen, und die Millionen von Pesos stehlen, und manchmal nicht einmal mit Pesos zufrieden sind, sondern Dollar wollen, frei herum", aber jene die kämpften um die Dinge zu ändern, würden eingesperrt. "Wir sagen allen Compañeros, die hier sind, und den gefangenen Compañeros,

die zuhören, dass wir sie nicht aufgeben werden, dass unser Kampf sie nicht vergessen wird, und dass wir ihre Namen bei jeder Gelegenheit ins Spiel bringen und unsere Kräfte vereinen werden um Gerechtigkeit zu fordern."


"Gerecht wäre es, dass diese Compañeros und Compañeras aus dem Gefängnis frei wären, und diejenigen, die uns in den Bezirksrathäusern, den Staatsregierungen, den Abgeordnetenkammern, im Senat, im Präsidentenpalast der Republik und in den Staatsministerien regieren, eingesperrt würden oder das Land verlassen müssten."


* * *

(übs. von Dana)





From: "Dana" <dana.aldea@arcor.de>

Subject: Marcos besucht die Hurrikan-Opfer von Chiapas

Date sent: Mon, 16 Jan 2006 16:42:40 +0100


Marcos: Ohne Hilfe für die Opfer, keine Wahlen


Elio Henriquez

La Jornada, Donnerstag, 12. Januar 2006


Huixtla, Chiapas. 12. Januar. Die humanitäre Hilfe, die für die Opfer von Hurrikan Stan an der Küste und im Bergland von Chiapas bestimmt war, wird von der Regierung benutzt "um Wahlpropaganda zu betreiben und um die Armen zu überzeugen ihre Wahlstimmen im Tausch für ihre elementarsten Notwendigkeiten zu verkaufen", bestätigte Subcomandante Marcos, mit dem Vorschlag an die Betroffenen sich zu vereinigen und die nächsten Wahlen zu boykottieren, falls die Behörden ihre Forderungen nicht beantworten.


"Die Autorität soll wissen: wenn sie ihren Zirkus und ihre Wahlpropaganda betreiben wollen, müssen sie zuerst das erfüllen, was sie bereits

versprochen haben", so Delegado Zero weiter, vor einigen Hunderten Personen, viele von Ihnen Unterstützungsbasen der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung des Berglandes und der Küste von Chiapas und Studenten der Autonomen Nationalen Universität von Mexiko (UNAM)


"Wenn sie so (an die Wahlen) interessiert sind, wenn sie ihr Wahlpropaganda betreiben wollen, müssen sie erst die Arbeiten für die Infrastruktur leisten, um zu verhindern, dass sich das was mit Stan passiert ist wiederholt, denn bald kommt die Regenzeit und die Flüsse werden überlaufen, die Strassen werden unpassierbar und die Hügel werden abgeschnittensein", betonte er.


Von Tonala aus kommend erreichte Marcos gegen 14:00 Uhr diesen Bezirk, der zu den am meisten durch Stan beschädigten gehört. Am Abend traf er sich privat mit zapatistischen Unterstützungsbasen in einem Haus am Rande der Stadt.


Dutzende maskierte Männer und Frauen waren für Marcos' Sicherheit verantwortlich. Gegen 18:00 Uhr begannen die Menschen vor dem Tor zu applaudieren und "Marcos, Marcos" zu rufen. Vierzig Minuten später betrat er das Gelände, wo sich etwa 600 Personen versammelt hatten, einschließlich Journalisten und zapatistischen Unterstützungsbasen


Nachdem etwa 20 Personen gesprochen hatten, ersuchten die Assistenten Delegado Zero um eine Ansprache. Marcos bat darum jene sprechen zu lassen, die etwas sagen wollten, damit die "Schwierigkeiten, die von der Regierung verursacht werden, die die Unterstützung klaut" bekannt werden, denn nun da die Dringlichkeit von Stan vorbei ist, ginge es in der Presse und im Fernsehen "nur noch um die Wahlkampagne".


Er erzählte, auf seiner Reise von Tonala in diese Stadt sei ihm berichtet worden, dass die Regierung "Maschinen einsetzte, weil die Presse

vorbeikam. Es steht gar nichts; es macht den Anschein als ob sie die ganze Zeit gearbeitet hätten, aber alles ist zerstört."


Gegen 22:00 Uhr nahm Marcos auf die Sorgen Bezug, die von den vorangegangenen Sprecher vorgebracht worden waren. "Das was wir als

Zapatisten vorschlagen und unterstützen, ist dass sich diese gesamte Bewegung an der Küste und im Bergland von Chiapas zusammenschließt,

und der Regierung klar sagt, dass es weder Wahlpropaganda noch Wahlen geben wird, wenn sie ihrem Versprechen den Opfern zu helfen nicht nachkommen, weil sie bereits angekündigt haben das Geld zu haben, und jetzt sieht man, das sie es klauen, weil es gar nichts gibt.


Wie er feststellte, "sparen sie das ganze Geld auf, um es in den Wahlen in kleinen Summen gegen Stimmen zu tauschen. Die Autorität soll wissen: wenn sie ihren Zirkus und ihr Wahlpropaganda veranstalten wollen, müssen sie zuerst erfüllen, was sie angekündigt haben".


Von der Hilfe, die für die Opfer bestimmt war "ist gar nichts angekommen", beharrte er. "Das haben wir nicht etwa erfunden, das wurde hier von den Menschen denunziert, die alles verloren haben".


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(übs. von Dana)