Subcomandante Marcos´ Besuch in Chichen Itza
Er öffnete seine Augen, Ohren und sein Herz um den Maya- Gemeinden
zuzuhören
Von Rosamaría González Romero
Por Esto! Täglich
22. Januar 2006
Frau Silvia Cime Mex ist die Leiterin der Kunsthandwerksgemeinschaft
der archeologischen Zone „ Chichen Itza“ und kämpft gegen die
Drohungen der Bundes- und Ortsgewalten des Nationalen Instituts für
Anthropologie und Geschichte, die hoffen, sie aus der Zone vertreiben
zu können. Mit der charakteristischen Gastfreundschaft der
Mayanachfahren hießen sie den Abgeordneten Null (Subcomandante
Marcos) willkommen, der letztlich doch ankam.
Dieser Besuch ist in Bezug auf den Aufbau der „Anderen Kampagne“ in
Yucatan und durch das Land besonders wichtig, da die Kampagne auf
Grund einer Übereinstimmung dieser Kunsthandwerksgemeinschaft
aufgeschoben wurde welche von einer Meinungsverschiedenheit über das
„undemokratische Verhalten“ herrührte, mit dem die Sechste Kommission
der EZLN die Vertreter von Yucatan und Quintana Roo genannt hatte.
Wenn die Präsens vom Abgeordneten Null bei den „Künstlern“ von
Chichen Itza bedeutet, dass EZLN, durch den Sub Marcos, die Augen,
Ohren und Herzen öffnet und direkt- ohne Mittelmänner – den
Mayagemeinden und den sozialen Kämpfern Yucatans zuzuhören, die die
Andere Kampagne aufbauen und stärken wollen, in Bezug auf die
Planungen in den Treffen nach der Veröffentlichung der Sechsten
Deklaration und den Vollversammlungen am 16.12.05 in Chiapas. Wir
können sagen, es geht um Zeit!
Nun wir die Zeit uns sagen, ob diese Interpretation korrekt ist!
Abschließend will ich dieses Forum nutzen, um meinen Dank an die
Kunsthandwerksgemeinschaft von Chichen Itza zu veröffentlichen.
Meinen Dank für ihre Einladung an dem vom Abgeordneten Null
begleiteten Zug von Chablekal nach Piste und von dort nach Chichen
Itza teilnehmen zu dürfen.
Der nachfolgende Text ist der Brief den Frau Silvia Cime Mex dem
Abgeordneten Null aushändigte um ihn willkommen zu heißen.
Willkommen Marcos!
Ich bin Silvia Cime Mex, die Vertreterin der
Kunsthandwerksgemeinschaft von Chichen Itza.
Im Namen aller meiner Genossen danke ich ihnen, dass sie es in
Erwägung gezogen und sich dafür entschieden haben uns zu besuchen.
Ich möchte Ihnen verständlich machen, warum wir um diesen Besuch
gebeten haben; nämlich weil wir nicht mit den Leuten übereinstimmen,
die sie ihre Vertreter nennen.
Hier in Yucatan wurde viel über uns geredet; dass wir nichts von
Ihnen und der EZLN brauchen und wollen; und hier sehen sie nun das
Gegenteil. Wir stehen alle solidarisch hinter der Anderen Kampagne
und hinter ihnen und wie ich es Ihnen schon einmal in Chiapas sagte,
sind sie ein Vorbild für uns und Chichen Itza ist mit ihnen.
Vielen Dank
Mexico News & Analysis, 16.-22.01.2006
DIE "ANDERE KAMPAGNE" BESUCHT YUCATAN UND QUINTANA ROO
Am Mittwoch (18.01.06) erreichte die Andere Kampagne (AK), begleitet
von einer Sicherheitskarawane örtlicher Gruppen die kleine Gemeinde
Chablekal in Yucatan. Der öffentliche Teil lief weitestgehend wie die
früheren Stationen der AK ab, mit dem Delegierten Null als
aufmerksamem Zuhörer, während die örtlichen Mayas und Mestizos über
ihre sozialen Kämpfe und politischen Probleme berichteten. Aus einer
Versammlung von ca. 200 Personen berichteten 39 Menschen über "Wut
und Schmerzen", einschließlich Problemen mit Fischereirechten,
Arbeitsrechtsverletzungen, Löhnen und der "Schandmauer", an die die
Migranten an der US-Grenze stießen. Marcos äußerte wie üblich
beißende Kritik an der offiziellen Politik, verbunden mit einem
gewissen Maß an Optimismus, der ziemlich schnell zum zentralen
Element der AK geworden ist. Marcos beschrieb die AK als den Beginn
einer antikapitalistischen Bewegung, die die korrupten,
traditionellen Machtstrukturen herausfordert. Er rief die Yucatecos
auf, sich mit den kämpfenden Gemeinden in ganz Mexiko zu vereinigen
und sich von unten links Kraft und Inspiration zu holen. Während des
kurzen Aufenthalts in Chablekal hatte Marcos ferner persönliche
Treffen mit Gruppen von Fischern, Ejido-Eigentümern, Kunsthandwerkern
und Anarchisten. Am Freitag besuchte Marcos Chichen Itza, eine kleine
Gemeinde, die ursprünglich nicht auf dem Plan der Reise stand und wo
Kunsthandwerker um Platz für Verkaufsstände in der Nähe historischer
Ruinen kämpfen. Später am Tag sprach die AK mit etwa 1000 Menschen
auf dem zentralen Platz von Merida. Präsident Fox und der Gouverneur
Patricio Patron waren Ziel besonders harscher Kritik. Marcos warnte
die davor, Yucatan in eine gigantische Hacienda verwandeln zu wollen.
Lokale Akteure berichteten, dass die AK viele tiefgehende
Diskussionen mit der allgemeinen Bevölkerung ausgelöst hat, was
sicher zu den Hauptzielen der AK zählt. (Augenzeugenbericht von
George Ann Huck, Mexico News & Analysis, 16.-22.01.2006).
AUSLÄNDISCHE BANKEN MIT ÜBERHÖHTEN GEBÜHREN
Ausländische Banken in Mexiko berechnen bis zu 5-fach Zinsen auf
Kreditkarten als in ihren Heimatländern. Dazu zählen u.a. Banamex
(Citibank-Tochter) und Bancomer (Tochter einer spanischen Bank).
(Mexico News & Analysis, 16.-22.01.2006)
FOX KÜNDIGT SOZIALPROGRAMM AN
Zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des Wahlkampfes in Mexiko
kündigte Fox ein neues Sozialprogramm für in Armut lebende Rentner
über 70 an. Das Programm bietet für ca.
1 Mio. Rentner zweimonatliche Zahlungen, die etwa 40 EUR. Ferner
kündigte er Sparpläne für berufstätige Erwachsene zwischen30 und 69
Jahren an, bei denen die Regierung bei Spareinzahlungen bis zu 50
Pesos (ca. 4,- EUR) pro Monat einen Betrag in gleicher Höhe dazu tun
wird. Dieser neue Vorschlag wird als stillschweigende Anerkennung der
Popularität von Lopez Obrador gewertet. (Mexico News & Analysis, 16.-
22.01.2006)
OFFIZIELLER BEGINN DER WAHLKAMPAGNE
Donnerstag (19.01.06) war der offizielle Beginn der Wahlkampagne für
die Präsidentschaftswahlen am 02.07.2006. Die Bundeswahlbehörde
verkündete ein Budget, das etwa 1 Mrd. US-$ entspricht, wobei der
Großteil dieses Geldes an die drei großen Parteikoalitionen gehen
wird. Di Kampagne von Felipe Calderon (PAN) wird 54 Mio. US-$
erhalten, Roberto Madrazo (PRI) 76 Mio. Und Lopez Obrador 60 Mio. Mit
dem Rest werden örtliche und Bundesstaats-Kampagnen sowie die
logistischen Kosten der Wahlen finanziert. Derzeitige Umfragewerte
(Mitofsky) betragen 39% für Obrador, 31% für Calderon und 29% für
Madrazo. (Mexico News & Analysis, 16.-22.01.2006)
DER GLAUBE, POLITIKER KÖNNTEN SICH ÄNDERN, IST EINE MISSDEUTUNG DER
6. DEKLARATION
Dies sagte Marcos am 25.01.06 in Villahermosa, Tabasco. Es sei
erforderlich, den Kapitalismus zu beenden und die Kräfte im Kampf
gegen ihn zu vereinen und fügte hinzu, soziale Probleme beginnen im
ökonomischen Bereich, nicht im politischen. Dies nicht zu verstehen,
sein eine Falle, in die die zynische und "zweifelnde" Linke oftmals
tappen würde.
Marcos erreichte Villahermosa 10 Minuten vor Roberto Madrazo, so dass
3 Polizeiautos vor ihm her fuhren was die PRIistas, die die Straße
säumten zu wildem Applaus veranlasste, der schnell erstarb, als sie
entdeckten, dass sie dem Falschen zujubelten. Die Karawane der
Anderen Kampagne (AK) in Villahermosa hatte den bisher kürzesten
Begleitkonvoi, bestehend aus 3 oder 4 vorneweg, dem Transporter in
dem der "Delegierte Null" saß, gefolgt von einem weiteren
Transporter, der mit roten Sternen und den Initialen "EZLN" bedeckt
war, und ein paar weiteren Autos.
So kreuzten die "alte Politik" und "die neue Art, Politik zu machen"
kurzzeitig ihre Wege. Marcos traf sich mit ein paar Dutzend Anhängern
der "Sexta tabasqueña" in der kleinen Kunstgalerie "Mukul Ja" (was
"Verborgenes Wasser" in der Mayasprache Chontal bedeutet). Trotz der
abgrundtiefen numerischen Differenz der beiden politischen
Ereignisse, war die Kunstgalerie ganztägig von der Presse und
Dutzenden Spionen aller drei staatlichen Ebenen umringt.
Marcos hörte den Teilnehmern zu und machte sich, wie er es oft
bezeichnete, "Notizen". Das Treffen, an dem Mitglieder der
Unabhängigen Zapatistischen Bauernbewegung (MAIZ), des Komitees für
Gewerkschaftsbewegung und -orientierung (CAOS) und der Ländlichen
Indigenen und Volksgewerkschaftsfront teilnahmen, dauerte bis in die
Nacht. An dem Treffen nahmen ferner Kulturschaffende wie der
Schriftsteller-Workshop "Erwachender Jaguar" und ein Studenten teil.
Die Gewerkschaftsfront bringt u.a. Öl-, Telefon- und Sozialarbeiter
zusammen, wenngleich in kleiner Zahl. Doch dies sei "ein Schritt
vorwärts in Tabasco, wo die politische Kultur stets von der PRI und
seit kurzem teilweise von der PRD bestimmt wurde. Aber jetzt sehen
wir endlich andere Alternativen", so Alfredo, ein Ölarbeiter bei
Pemex.
Ein anderes Mitglied von CAOS sagte, dass Pemex für soziale Zwecke
enteignet werden müsse, sowohl materiell als auch symbolisch, so wie
die Salinas-Regierung 1994 während der Verhandlungen in San Cristobal
durch die EZLN von der mexikanische Flagge enteignet wurde.
Zentraler Punkt für die Anhänger der Sexta in Tabasco ist die
Schaffung eines gemeinsamen Raumes, um die Isolation zu überwinden.
Moisés, Philosoph und Lehrer and er Indigenen Universität, forderte
"kulturelle und ideologische Bildung, die Bewusstsein schafft."
"Wir sind wenige, aber zuvor war da niemand", sagte ein anderer
Ölarbeiter. Marcos machte klar, dass es, wenn seine nationale
Rundreise im Juni beendet ist, noch kein nationales Kampfprogramm
geben wird. Ich werde lediglich zu Euch sagen "Compañeros der AK,
darf ich Euch die Compañeros der AK vorstellen."
Einwohner aus Chacalapa (ein Dorf im Landkreis Jalpa de Méndez)
beklagten die Anwesenheit von Cisen-Agenten (Angehörigen des
mexikanischen Geheimdienstes) und einer verstärkten Militärpräsenz
unmittelbar vor dem Eintreffen der "Delegierten Null" in ihrem Ort.
Ähnliches wurde aus dem Ort Francisco I. Madero berichtet.
Von den zapatistischen Inhaftierten Angel Concepción Pérez Guirierrez
und Francisco Pérez Vásces aus dem Gefängnis in Tacotalpa, wohin sich
Marcos am 26.01.06 begeben wird, wurde ein Brief veröffentlicht, in
dem sie beschreiben, dass sie "9 Jahre und 6 Monate ungerechter
Einkerkerung verbracht haben, wegen des Verbrechens für die Würde und
Rechte ihrer indigenen Genossen gekämpft zu haben.
(Auszüge aus einem Beitrag von H. Bellinghausen in La Jornada vom
27.01.06).