Zapatistische Armee zur nationalen Befreiung.

Mexiko.

Sechste Kommission,


2. März 2006


An alle Angehörigen der Sechsten und der "Anderen":

An die Bevölkerung von Mexiko:


Compañeros y Compañeras:


In verschiedenen Staaten der mexikanischen Republik hat die Dreierallianz

von Regierung, Unternehmern und Kaziken bereits eine Kampagne der

Repression, Verfolgung und Belästigung gegen diejenigen entfesselt, die sich

der noblen und uneigennützigen Sache der "Anderen Kampagne" angeschlossen

haben. Verborgen hinter der Maske einer illegitimen Legalität und

juristischer Tricks zeigen die Regierungen der Bundesstaaten von Chiapas und

Oaxaca wieder einmal wie früher ihre Unfähigkeit, entstehende Konflikte auf

dem Weg des Dialogs zu lösen.


CHIAPAS: Unternehmer, Bankiers und Regierungen gegen die "Andere".


In Chiapas wurde der Genosse Dámaso Villanueva Ramírez von der staatlichen

Polizei festgenommen. Er wird angeklagt, eine Antenne der Firma "Pegaso" im

Oktober 2004 zerstört zu haben. Die Zerstörung fand an einem Tag und zu

einer Stunde statt, als er sich in einer Versammlung im Gemeindehaus von San

Cristóbal de Las Casas aufhielt. Compañero Dámaso ist Mitglied des Comité

Ciudadano para la Defensa Popular (COCIDEP) [dt.: BürgerInnenkomitee zur

Verteidigung der Bevölkerung], ein Kollektiv, das gegen die hohen Kosten der

elektrischen Energie, gegen die Privatisierung des Wassers und gegen den

Missbrauch von Autorität kämpft. Das COCIDEP ist Angehöriger der Sechsten

Erklärung aus der Selva Lacandona und hat an der "Anderen Kampagne"

teilgenommen.


Die Festnahme des Compañeros des COCIDEP ist eine der Aktionen, die die

Regierung von Chiapas gegen die "Andere" von Chiapas entfesselt hat:

Drohungen gegenüber MitarbeiterInnen von Nichtregierungsorganisationen wie

DESMI A.C., Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas, Maderas del

Pueblo, Servicio Internacional para la Paz [SIPAZ], und die Einheitszentrale

der ArbeiterInnen CUT-ONPP aus Palenque, sowie Aggressionen gegen

Einzelpersonen wie Marisa Kramsky und Gustavo Jiménez.


An der Hand der chiapanekischen Regierung geht das ausländische Großkapital:

die Bank HSBC [Hongkong and Shanghai Banking Cooperation] hat die Bankkonten

der Nichtregierungsorganisation Enlace Civil geschlossen, die sie geführt

hatte, um den [vom Hurrikan] Betroffenen der chiapanekischen Küste zu

helfen. Auf diese Weise folgt HSBC dem rassistischen und

ethnozid-orientierten Weg, den schon Bancomer vorgezeichnet hatte. Die

Kündigung dieser Konten verschärft die eh schon schwierige Situation der

indigenen Gemeinden, die mit dem Hurrikan Stan alles verloren haben.


Die Sechste Kommission der EZLN ruft dazu auf, gegen diese Willkürhandlungen

der chiapanekischen Regierung zu protestieren und die Kündigung von

Bankkonten bei der HSBC voranzutreiben, ebenso zur Durchführung einer

weltweiten Propaganda-Kampagne gegen den kriminellen Rassismus dieser Bank

und ihrer Eigentümer.


OAXACA: Kaziken und Regierung gegen den Willen der Bevölkerung


Nach Angaben des Autonomen populären Gemeinderats von San Blas Atempa,

Oaxaca, haben gestern Hunderte von Polizisten, die vom Gouverneur von Oaxaca

, Ulises Ruiz, geschickt worden sind, den Sitz der Gemeindeautorität

angegriffen, um zu versuchen, durch Zwang einen Stiefsohn der lokalen

PRIistischen Kazikin und selbsternannten lokalen Abgeordneten Agustina

Acevedo ins Amt einzusetzen.


In ihrer Mitteilung bestätigt die Gemeinde von San Blas Atempa, die

mehrheitlich aus zapotekischen Indígenas besteht, ihre Entscheidung, die

Verteidigung ihrer Volksregierung entschlossen aufrechtzuerhalten und

wiederholt, das sie zu Verhandlungen auf Basis ihres Petitionsschreiben

bereit ist:


1. Verschwinden der Staatsmacht aus dem Landkreis San Blas Atempa.

2. Sofortige und bedingungslose Freilassung der vier politischen Gefangenen.

3. Einstellung der Haftbefehle gegen 72 Compañeros, die seit dem 1.1.2005

gültig sind.

4. Amtsenthebung der lokalen Abgeordneten Agustina Acevedo Gutiérrez, um

juristische Nachforschungen über die Verbrechen und die Korruption zu

ermöglichen, die sie im Landkreis San Blas Atempa, Oaxaca, begangen hat.


Die Compañeros und Compañeras von San Blas Atempa benachrichtigen die

Autoritäten, dass sie die Präsidentschaftswahlen [im Juni 2006] auf ihren

Ländereien nicht erlauben werden, falls es nicht zu einer

zufriedenstellenden Lösung für diese noble Gemeinde kommt.


Das Problem von San Blas Atempa ist kein Problem zwischen Parteien, sondern

zwischen dem demokratischen Willen einer Gemeinde und der autoritären

Aufoktroyierung des Kazikentums, das in Oaxaca soviel Schaden angerichtet

hat.


Wir Männer, Kinder, Frauen und Alten der Zapatistischen Armee zur nationalen

Befreiung unterstützen unsere indigenen Compañeros und Compañeras von San

Blas Atempa, Oaxaca, in ihren legitimen Aktionen, um sich selbst mit Würde

und Gerechtigkeit zu regieren. Wir sind in diesem Kampf an ihrer Seite, um

diejenigen zu konfrontieren, die ihnen das Recht auf Demokratie rauben, das

in den Abkommen von San Andrés (unterzeichnet von der mexikanischen

Regierung vor 10 Jahren) und in den internationalen Gesetzen anerkannt ist.

Hier sind die Illegalen und die Illegitimen die Regierung von Oaxaca, die

Kazikin Agustina Acevedo und die Polizisten, die mit den Waffen das

aufzwingen wollen, was sie mit dem Recht nicht umsetzen können.


Wir richten einen Aufruf an alle Compeñer@s der Anderen in Oaxaca und der

Anderen im ganzen Land, damit mit allen erreichbaren Mittel die Compañer@s

der Gemeinde San Blas Atempa unterstützt werden.


Nie wieder allein im Kampf gegen die Repression!


Aus dem Anderen Hidalgo.

Für die Sechste Kommission und das CCRI-CG der EZLN.


Subcomandante Insurgente Marcos.


Mexiko, März 2006.



***

Übersetzung: Gruppe B.A.S.T.A.