Poonal Nr. 708 vom 07. März 2006


UMWELTSCHÜTZERIN BEDROHT


Von Guadalupe Vallejo Mora


(Mexiko-Stadt, 27. Februar 2006, cimac-poonal).- Die Rechtsberaterin

des Verbandes der Umweltschutzorganisationen aus Zihuatanejo ROGAZ

(Organizaciones No Gubernamentales Ambientalistas de Zihuatanejo),

Erica Serrano Farías, informierte darüber, dass am 17. Februar

Unbekannte eine Handgranate vor ihrem Haus deponiert hätten. Diese

stamme aus Armeebeständen. Nach Meinung von Serrano Farías ist dieser

Einschüchterungsversuch eine Reaktion auf die von ihr im Dezember

2005 vorgebrachte Anzeige. Darin geht es um die Verschmutzung der

Bucht von Zihuatanejo im Bundesstaat Guerrero durch Hotelanlagen und

organische Abfälle. ROGAZ ist ein Zusammenschluss

zivilgesellschaftlicher Gruppen, der seit mehreren Jahren gegen die

Umweltverschmutzung in der Bucht von Zihuatanejo kämpft.


Der Einschüchterungsversuch gegen die Umweltschützerin fand nur

wenige Tage vor der ersten öffentlichen Sitzung des

Lateinamerikanischen Wassertribunals TLA (Tribunal Latinoamericano

del Agua) in Lateinamerika statt. Dort soll über den Fall von

Zihuatanejo und fünf weitere Konflikte um Wasser entschieden werden.

Das TLA ist eine unabhängige und unparteiische Instanz, die keinerlei

wirtschaftlichen oder anderen Zwängen unterworfen ist und deren

Mitglieder allein ihrem Gewissen verpflichtet sind. Die von

verschiedenen Organisationen vorgebrachten und dokumentierten Fälle

umfassen den Bau von Wasserkraftwerken, die Privatisierung von Wasser

und die Wasserverschmutzung durch Textilindustrie, Tourismus und

Bergbau.


Luisa Pérez vom Menschenrechtszentrum PRODH (Centro de Derechos

Humanos Miguel Agustín Pro Juárez), eine der Organisationen, die die

Verschmutzung der Bucht öffentlich machten, zeigte sich besorgt über

die Repressalien gegen Serrano Farías und ihre Familie sowie

Mitglieder von ROGAZ, zu denen örtliche Händler und

Umweltschutzaktivisten gehören. Sie kündigte an, von der Außenstelle

der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft PGR (Procuraduría General

de la República) in Zihuatanejo eine sofortige und umfassende

Untersuchung des Falls zu fordern. Es sei nicht üblich, militärisches

Material in einem Touristengebiet vorzufinden. Auch befinde sich der

nächstgelegene Militärstützpunkt 40 Minuten entfernt, in Petatlán.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Cimac sagte Pérez, dass Serano

Farías und ihre Familie schon einmal eingeschüchtert worden waren,

als die Gemeindeverwaltung ihren Eltern damit drohte, das

Familiengeschäft zu schließen.


Laut den Beschwerden von PROGAZ und PRODH wurde die Bucht von

Zihuatanejo in den vergangenen Jahren stark verschmutzt. Grund dafür

seien nicht angemessen aufbereitete Abwasser sowie der Bau des

Touristenkomplexes Puerto Mío. Eigentümerin der Anlage sei die

Immobilienfirma Punta del Mar. Durch den Bau eines Wellenbrechers,

die Aneignung und das anschließende Verschwinden des Strandes "El

Almacén" sowie die Errichtung einer Ölbohrinsel würden die

Meeresströme behindert.


Die Umweltschützer werden dem Tribunal über die Geschehnisse

berichten, damit diese in die Urteilsfindung des TLA Eingang finden.

Das Tribunal wird die Fälle zwischen dem 13. und 20. März im

Nationalmuseum für Anthropologie und Geschichte in Mexiko-Stadt

öffentlich verhandeln.



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Dresden, 6. März 2006


Besorgnis erregende Entwicklung in Gemeinden in Oaxaca

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noch vor wenigen Wochen hat promovio e.V. über die neuesten Vorfälle in

Panixtlahuaca/ Oaxaca berichtet. Schon im Dezember riefen promovio und das

Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit (München) zu einer Urgent

Aktion auf. Nun haben sich weitere sehr Besorgnis erregende Vorfälle

ergeben:


60 Jähriger in Panix zusammengeschlagen - Behörden reagieren nicht

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In Panixtlahuaca wurde der 60-jährige Enrique Ruiz García mit Fußtritten

schwer verletzt, wobei ihm unter anderem einige Rippen gebrochen wurden. Er

wird aktuell in einem Krankenhaus in Oaxaca-Stadt medizinisch versorgt.

Hintergrund dafür waren die kritischen Äußerungen von Enrique Ruiz García

gegenüber einigen umstrittenen Dorfautoritäten, die Mitglieder der PRI sind.

Jene handeln entgegen der lokalen Gesetze der „Usos y Costumbres“. Der

lokale Dorfrichter (sindico) Felipe García Ruiz – ebenfalls Verbündeter der

PRI-Kaziken im Dorf – weigerte sich mehrfach, sich mit den Anzeigen zu

beschäftigen, die die Familie des Verletzten vorgebracht hat. Das Ministerio

Público in Juquila, das die Familienangehörigen daraufhin aufsuchten,

verlangten, dass der Verletzten zu ihnen gebracht werden sollte, um die

Anschuldigungen zu beweisen - anstelle sich aktiv die Anzeigen zu verfolgen.

(Original im Anhang)


Schüsse auf Dorfversammlung in Cuixtla - 2 Verletzte und 8 Festgenommene

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Schwerer noch wiegen die Vorfälle in Santiago Cuixtla, bei denen u.a. 2

Personen schwer verletzt und 8 weitere festgenommen wurden. Unten findet

sich die öffentliche Kundgabe der Organisation OIDHO vom 5. März 2006 in

deutscher Übersetzung, das Original ist angehängt.


Eberhard Raithelhuber, promovio e.V., Dresden


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ORGANIZACIONES INDIAS POR LOS DERECHOS HUMANOS EN OAXACA - OIDHO



Bewaffneter Angriff eines PRI-Bürgermeisters auf Autoritäten und Bürger des

indigenen chatinischen Dorfes Santiago Cuixtla, Gemeinde Santos Reyes

Nopala, Distrikt Juquila, Oaxaca: Zwei Verletzte und acht willkürliche

Festnahmen


Santa María Atzompa, Oaxaca, 5. März 2006


Die Indianischen Organisationen für die Menschenrechte in Oaxaca (OIDHO),

Mitglied der “Zapatistisch-Magonistischen Allianz” (AMZ), der

Oaxakenisch-Magonistischen Volkskoordination gegen den Neoliberalismus“

(COMPA), der „Promotorin für die Nationale Einheit gegen den Neoliberalismus

Oaxaca“ (PROMOTORA) und Teil der „Anderen Kampagne“,geben folgendes

bekannt:


Hintergründe

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In der Teilgemeinde Santiago Cuixtla, Gemeindebezirk von Santos Reyes

Nopala, Distrikt Juquila, Bundesstaat Oaxaca, erreichte es das indianische

chatinische Dorf, dass die Gemeindeversammlung und das Gemeindeamt

entsprechend der lokalen „Sitten und Gebräuche“ regiert werden. Diesem Sieg

ging ein Kampf voraus, der schon Anfang der 1990er Jahre begann. Vor dieser

Errungenschaft wurde das Dorf von einem Kazikenregime[1] der Partei der

institutionalisierten Revolution (PRI) dominiert: Nur einige wenige

Familien, die von staatlichen Regierungen geschützt wurden, herrschten über

das Dorf und machten Geschäfte mit den Ländereien und kommunalen Ressourcen.

So wurde verhindert, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Cuixtla, die

Chatino spricht, ihre Bürgerrechte ausüben konnte.


Während dieses Kampfes verlor unsere Organisation im Jahr 1996 unser

Mitglied Celestino Cruz Cuevas, Vertreter des Menschenrechts-Dorfkomitees

von OIDHO. Er wurde von den Kaziken mit Machetenhieben ermordet, weil er

unsere Organisation in der Gemeinde ins Leben gerufen hatte. Später wurde

unserer Mitglied Florentino Cuevas Quintas, Vertreter unserer Organisation

auf Gemeindeebene, schwer verletzt, wobei er seinen linken Arm einbüßte.


Während all dieser Jahre versuchte die PRI mit allen Mitteln, die Macht der

Kaziken in der Gemeinde wiederzuerlangen und zum parteipolitischen System

zurückzukehren. Unzählige Male wurden Bürger der Gemeinde und Mitglieder

unserer Organisation mit dem Tode bedroht. Aktuell weigert sich der lokale

Bürgermeister der Gemeinde Santos Reyes Nopala (wozu das Gemeindeamt

Santiago Cuixtla gehört, d.Ü.), jene Dorfautorität anzuerkennen, die durch

absolute Mehrheit der Bevölkerung von Santiago Cuixtla bestimmt wurde. Er

unterstützt offen eine illegitime Autorität, die von den PRI-Kaziken

nominiert wurde und die bis zum 4. März des laufenden Jahres ihren

Geschäften in einem Privathaus nachging.


Deshalb haben die Bürger der Gemeinde Santiago Cuixtla sich zusammengetan:

Sie haben die politische Verteidigung ihrer legitimen Dorfautorität sowie

der Regierungsform nach „Sitten und Gebräuchen“ organisiert, welches ohne

jegliche parteipolitische Beteiligung funktioniert. In dieser Verteidigung

wirken inzwischen verschiedene Personen zusammen: Einwohner ohne spezifische

Organisationszugehörigkeit, die sich allerdings der Verteidigung der Rechte

des Dorfes bewusst sind, Einwohner, die Mitglieder von OIDHO sind, und

Einwohner, die in der Revolutionären Volksfront (FPR) organisiert sind.

Obwohl dieser Situation im Dorf schon vielfach bei den zuständigen Stellen

zur Anzeige gebracht wurde, hat die Regierung des Bundesstaates bisher noch

nie einen politischen Willen gezeigt, diesen Konflikt zu lösen.


Vorfälle

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Am Samstag, den 4. März 2006, gegen 10 Uhr morgens, hat der Bürgermeister

Gemeinde Santos Reyes Nopala (Mitglied der PRI) das Feuer auf die Bürger

von Cuixtla eröffnet, wobei mit großkalibrigen Waffen geschossen wurde. Er

wurde dabei begleitet von zwei Mitgliedern seiner Regierung, vom

Marionetten“-Gemeindevorsteher der PRI-Kaziken in Cuixtla sowie von

Polizeieinheiten (u.a. Policia Municipal). Die Bürger von Cuixtla hielten in

dem Moment friedlich eine Gemeindeversammlung im Gemeindeamt ab. Die

Vorfälle hinterließen folgende Bilanz: Zwei Personen – Jesus Carmona

Mijangos und Marino Cruz Canseco – wurden schwer verletzt: Der legitime

Gemeindevorsteher (agente municipal) – Tomás Ruiz Caromona – wurde

verschleppt. Darüber hinaus nahm die Polizei willkürlich acht der

überfallenen Personen fest: Zeferino Hernández Cruz, Pedro Ramírez

Hernández, Carmelo Hernández Alavéz, Roberto Sánchez Riaño, Severo Cruz

López (alles Mitglieder von OIDHO), sowie Tirso Díaz Hernández, Simeón

Velasco Ruiz und Arnulfo Hernández Cortés (Mitglieder der FPR). Bei diesem

Überfall wurde Tränengas eingesetzt; mehrere der aktuell Festgenommenen

leiden an Augenverletzungen, die von dieser Attake herrühren.


Durch diesen geplanten Angriff erreichten es die PRIisten, das Gebäude des

Gemeindeamtes von Santiago Cuixtla zu besetzten, entgegen der geltenden

Verfassung. Die Dorfautoritäten, die legal gewählt wurden, wurden unter

Anwendung äußerster Gewalt vertrieben, ebenso die Mitglieder des Comisariado

de Bienes Comunales (die für die Verwaltung des Gemeindebesitzes

verantwortlich sind, d.Ü.).


Die Festgenommenen werden in diesen Momenten in der Subprocuraduría von

Puerto Escondido (Unterstaatsanwaltschaft, d.Ü.) festgehalten. Dort geben

sie ihre Erklärungen zu Protokoll, wobei sie von Rechtsanwälten von OIDHO,

AMZ, COMPA und FPR begleitet werden. Diese Organisationen sind in der

Promotorin für die Nationale Einheit gegen den Neoliberalismus – Oaxaca“

verbündet, wobei OIDHO und FPR ebenfalls Teil der „Anderen Kampagne“ sind.

Die Verwundeten wurden am gestrigen Tag (d.h. am 4. März, d.Ü.) unverzüglich

befragt, bevor unsere Rechtsanwälte ankamen und ohne dass ein Anwalt ihres

Vertrauens zugegen war. Dies stellt eine weitere Verletzung ihrer

individuellen Grundrechte dar.



Die Mitglieder von OIDHO aus Santiago Cuixtla berichten uns von einer

Polizeioperation, im Zuge derer auf der Straße von Cuixtla nach Nopala

Straßensperren aufgebaut werden. Gleichfalls halten die Einschüchterungen

gegenüber den Bürgern von Cuixtla an, und heute (5. März, d.Ü.) mussten sich

14 weitere Personen gegen Haftbefehle schützen, die gegen sie fabriziert

wurden.


Dieser neue Akt der Gewalt seitens der Regierung und der Polizei gegen ein

indigenes Dorf ist Teil einer Repressionsstrategie des bundesstaatlichen

Regierung von Ulises Ruiz Ortiz. Sie verfolgt das Ziel, jegliche

nicht-parteipolitische Form der Organisation auf Gemeindeebene im

Bundesstaat zu verhindern. Damit soll der Weg eines für die Zukunft

vorstellbaren autoritären Regimes auf nationaler Ebene unter Roberto Madrazo

Pintado (PRI) bereitet werden.


Wir indianischen Gemeinden, die wir uns in der Organisation OIDHO zusammen

geschlossen haben, haben schon eine lange Geschichte des Widerstandes. Darum

werden wir in unserem Kampf auch nicht klein beigeben, wie auch immer die

Akte der Repression aussehen mögen. Vielmehr stärken und diese trampelhaften

Einschüchterungsversuche und festigen uns darin, mit unserer legitimen

Arbeit des Organisierens voran zu schreiten. Wir kämpfen nicht um die Macht

und nicht um öffentliche Ämter, sondern darum, dass die Rechte aller unserer

Völker respektiert werden.


Deshalb fordern wir folgendes:

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- unverzügliche Freilassung der acht Festgenommenen aus Santiago

Cuixtla,

- Aufhebung der fabrizierten Haftbefehle,

- unverzügliche Absetzung von Fredy Gil Pineda Gopar, repressiver

Bürgermeister von Santo Reyes Nopala sowie Eröffnung eines juristischen

Prozesses gegen ihn und jene, die in den gewalttätigen Vorfällen verwickelt

sind,

- Beendigung der Einsetzung illegitimer Parallel-Autoritäten von

oben, die Marionetten der bundesstaatlicher Regierung sind und das Ziel

verfolgen, die indianischen Gemeinden zu destabilisieren,

- unverzügliche Lösung des politischen Konfliktes in Santiago

Cuixtla,

- Beendigung der Repression gegen die indianischen Dörfer und die

sozialen Organisationen.


Es reicht mit der Repression und der Misere in den indianischen Dörfern!

Nicht die Mächtigsten werden gewinnen, sondern jene, die am Besten

organisiert sind!


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Übersetzung: promovio e.V., Eberhard Raithelhuber