Mexiko in Bewegung der Bewegungen


Antikapitalistische Kampagne der Zapatistas wächst weiter.

Zunehmende Repression gegen AktivistInnen.


Über 1.000 Organisationen sind inzwischen in der "Anderen Kampagne"

zusammengeschlossen, welche die Zapatistische Armee zur nationalen Befreiung

(EZLN) im Juni 2005 angestoßen hatte, um "von unten und für unten" eine

neue, antikapitalistische Verfassung für Mexiko zu erarbeiten. Die

außerparlamentarische Mobilisierung hat den hohen Anspruch, in einem

mehrjährigen Prozess alle marginalisierten Gesellschaftssektoren zu

vernetzen und mit dem kapitalistischen System "Schluss zu machen", so

EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos. Seit Januar und bis Juli bereist Marcos

einen der 32 mexikanischen Bundesstaaten nach dem anderen und wirbt mit

Unterstützern aus ganz Mexiko für die Kampagne, die die EZLN in ihrer

"Sechsten Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald" bekanntgegeben hatte.


Die linke Opposition in Mexiko setzt große Hoffnung auf die Initiative:

Kontinuierlich kommen Menschen zusammen, die sich vorher kaum kannten und

sich nun erstmals zuhören und in Beziehung setzen: Slum-BewohnerInnen,

Indígenas, UmweltschützerInnen, SexarbeiterInnen, LehrerInnen,

ArbeiterInnen, LandbesetzerInnen, Intellektuelle, Punks und Homosexuelle.

Die aktuelle neoliberale Staatspolitik verursacht extreme Armut, Landflucht,

Kriminalität und Perspektivlosigkeit. Die Schlussfolgerung des

EZLN-Vorschlags, nicht mehr auf Lösungen von oben zu hoffen und die

vielfältigen Widerstände der sogenannten "einfachen Menschen" zu vereinen,

fällt zunehmend auf fruchtbaren Boden. Auch wenn das mit einem extrem hohen

Anspruch angelegte soziale Experiment der Zapatistas nicht im ursprünglichen

Sinne realisiert werden sollte, wird diese historische Initiative das

Selbstbewußtsein der Menschen deutlich stärken.


Im Juli wird in Mexiko eine neue Regierung gewählt und in den Umfragen führt

mit Andrés Manuel López Obrador erstmals ein Kandidat der

sozialdemokratischen Partei der Demokratischen Revolution PRD. Die "Andere

Kampagne" lehnt jede Unterstützung der PRD ab, da sie das neoliberale

Paradigma nachweislich weiterführe und keine strukturelle Verbesserung

bringe. Sie "verpflichtet" ihre Mitglieder allerdings nicht auf Wahlboykott,

sondern plädiert für anhaltenden Druck von unten, wer auch immer die Wahlen

gewinne. Trotzdem erhält die "Andere Kampagne" aus linksbürgerlichen Kreisen

Vorwürfe, die gesamte Linke gegenüber den konservativ-neoliberalen Parteien

PRI und PAN zu schwächen.

Die Basisorganisationen und bedeutende Intellektuelle wie der ehemalige

Rektor der UNAM (Autonome nationale Universität von Mexiko) Pablo González

Casanova betonen hingegen, dass die "Andere Kampagne" als "Bewegung der

Bewegungen" zu einer Alternative zum parteipolitischen Modell heranwachsen

kann.


Aktuell wird die Kampagne von zunehmender Repression heimgesucht, vor allem

in den Regionen, die sie bereits passiert hat. Willkürliche Verhaftungen

wegen frei erfundener Delikte und polizeiliche Brutalität häufen sich

deutlich in den vergangenen Wochen. Die EZLN und

Menschenrechtsorganisationen rufen daher zu weltweiten Protesten auf, um auf

diese Mißstände aufmerksam zu machen.


LK, Gruppe B.A.S.T.A.