- Nach
dem Veto aus Washington
-
- Mexikos
Präsident Fox verweigert auf US-Druck Gesetz zur
-
Entkriminalisierung
harter Drogen seine Zustimmung
-
- Von Andreas Henrichs,
Chiapas
-
- Das neue Gesetz sei
ein »Instrument im Kampf gegen den Drogenhandel«,
-
und der Präsident
werde es »ohne Einschränkungen« unterschreiben,
-
erklärte Rubén
Aguilar, Sprecher des mexikanischen Präsidenten
-
Vicente Fox, noch am
Dienstag vergangener Woche. Der Gesetzentwurf
-
der regierenden Partei
der Nationalen Aktion (PAN), der wenige Tage
-
zuvor mit 53 zu 26
Stimmen im Senat verabschiedet worden war,
-
erlaubte jedem
mexikanischen Bürger über 18 Jahre bis zu fünf Gramm
-
Opium, 25 Milligramm
Heroin, 500 Milligramm Kokain, fünf Gramm
-
Marihuana und geringe
Mengen anderer Drogen straffrei mit sich zu
-
führen. Wer diese
Mengen für den »persönlichen Verbrauch«
-
überschreitet,
sollte nach dem neuen Gesetz automatisch als
-
Drogenhändler gelten
und mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bedroht
-
werden.
-
- Einen Tag später
gab Fox überraschend bekannt, daß er dem Gesetz
-
nicht zustimmen und es
»zur Überarbeitung« zurück an den Kongreß
-
verweisen werde. Er
begründete dies mit »notwendigen Veränderungen«
-
und betonte, daß in
Mexiko der »Besitz und der Konsum von Drogen
-
weiterhin Rechtsverstöße
sind«. Der Grund für den plötzlichen
-
Sinneswandel des
Präsidenten war offensichtlich die Kritik der US-
-
amerikanischen Regierung
an dem Gesetz, welches sie als
-
»unverantwortlich«
bezeichnete. »Jedes Land, das den Drogenkonsum
-
stärke, bekomme mehr
Drogensüchtige«, sagte Tom Riley, ein Sprecher
-
des Weißen Hauses,
und Mexikos oberster Polizeichef, Eduardo Medina
-
Mora, räumte ein,
daß sich die US-Drogenbehörde (DEA) ihm gegenüber
-
deutlich gegen das Gesetz
ausgesprochen habe.
-
- Warum sich gerade die
konservative PAN für ein reformiertes
-
Drogengesetz stark
gemacht hat, läßt sich nur vor dem Hintergrund der
-
wachsenden Gewalt im
Zusammenhang mit dem organisierten Drogenhandel
-
erklären. Nach
Angaben des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit
-
(SSP) wurden in den
letzten 18 Monaten bereits mehr als 1500 Menschen
-
bei gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden
-
Drogenkartellen getötet.
Unter den Opfern befanden sich neben
-
Polizisten und den
Mitgliedern der kriminellen Banden auch Anwälte
-
und Journalisten. In den
nördlichen Grenzregionen hat die
-
mexikanische Regierung
weitgehend die Kontrolle verloren. Die lokale
-
Drogenmafia ist bereits
so eng mit dem Polizei- und Justizapparat
-
verflochten, daß
US-Präsident George W. Bush im Januar seinem
-
mexikanischen
Amtskollegen in einer persönlichen Note »Unfähigkeit
-
bei der Lösung des
Drogenproblems« vorwarf.
-
- Die innere Sicherheit
ist neben der hohen Arbeitslosigkeit und der
-
damit verbundenen
Migrationsproblematik ein wichtiges Thema im
-
laufenden, mexikanischen
Wahlkampf. Fox, der selbst nicht
-
wiedergewählt werden
kann, hat mit seinem Rückzieher seiner eigenen
-
Partei, der PAN, sicher
keinen guten Dienst erwiesen.
- Brief
der weiblichen Gefangenen von Atenco, aus dem Gefängnis von
-
Santiaguito,
Almoyola
-
- Santiaguito,
Almoloya, 12. Mai, 2006
-
- An die gesamte
Bevölkerung:
-
- Wir Frauen,
Arbeiterinnen vom Land und aus der Stadt, Hausfrauen,
-
Studenten, etc.;
politische Gefangene seit dem 3. und 4. Mai dieses
-
Jahres, sind empört
über die formelle Anklageschrift, die am 10. Mai
-
gegen uns eingereicht
worden ist. Wir wurden nicht nur beleidigt,
-
erniedrigt, verprügelt,
gefoltert, sexuell missbraucht und
-
vergewaltigt, jetzt sind
wir auch noch Häftlinge und Verbrecherinnen.
-
- Wir haben Repression
erlitten, nicht nur als soziale Kämpferinnen,
-
sondern auch speziell als
Frauen. Denn wenn es auch stimmt, dass die
-
Männer am härtesten
geschlagen wurden, so wurden wir sexuell
-
attackiert und
vergewaltigt. Wir wurden bei unserer Festnahme jeder
-
Art von Repression
unterzogen. Zunächst mit Beleidigungen, wie "Du
-
Nutte", "verfluchte,
beschissene Nutte!", "wir werden dich
-
vergewaltigen, wie die
Nutte, die du bist!" etc. Und sie gaben sich
-
nicht nur damit zufrieden
uns zu schlagen, einige von uns bis zur
-
Besinnungslosigkeit,
sondern sie drohten uns auch zu töten oder
-
verschwinden zu lassen,
oder uns zu foltern um Namen und
-
Informationen über
unsere Angehörigen zu erhalten, die sie auch zu
-
töten drohten.
-
- Nichts kann die
sexuellen Misshandlung und die Vergewaltigung heilen,
-
die wir erlitten haben.
Wir wurden begrapscht, gekniffen, getreten,
-
mit Fäusten,
Knüppeln und Schilde auf unsere Brüste, Gesäßbacken
und
-
- Genitalien
geschlagen. Während sie uns weiterhin bedrohten, wurden
-
wir an Brüsten,
Brustwarzen, Ohren, Lippen, Zungen usw. gebissen.
-
- Wir wurden mit
Fingern und Gegenständen penetriert, andere wurden
-
gezwungen oralen Sex zu
vollziehen, während wir gleichzeitig als
-
Frauen verspottet wurden.
-
- Zusätzlich zu
dieser Misshandlung, die wir erlitten haben, bleiben
-
wir auch weiterhin das
Opfer medizinischer Nachlässigkeit. Einige von
-
uns hätten seit dem
Tag unserer Ankunft, verbunden und geheilt werden
-
müssen. Einige von
uns leiden an Vaginalinfektionen, einige an
-
infizierte Wunden, andere
können aufgrund der erhaltenen Schläge kaum
-
sitzen.
-
- Trotz alldem bleiben
wir weiterhin im Hungerstreik, weil wir in
-
diesem Kampf nicht ein
Schritt zurückweichen werden, weil wir
-
Gerechtigkeit für
alle wollen, und wenn wir dafür von diesem
-
Gefängnis aus
kämpfen müssen, dann werden wir dies auch tun. Wir
-
bleiben weiterhin
aufrecht, wie bisher.
-
- Volk, erhebe Deine
Stimme! Bis die Taubheit der Justiz geheilt ist.
-
- Erhebe auch Deine
Vernunft und Deinen Verstand! Auch wenn unsere
-
Hände von hier aus
nichts ausrichten können, mögen unsere Worte es
-
tun.
-
- Wir fordern unsere
Freiheit!
-
- Wir fordern
Gerechtigkeit für die uns angetanen physischen und
-
sexuellen Misshandlungen
und Vergewaltigungen.
-
- Auf das der Schmerz,
den wir durchlitten haben, niemanden
-
gleichgültig lassen
möge.
-
- Freiheit für die
politischen Gefangenen!
-
- Aufrichtig, Die
weiblichen Gefangenen, von unten und links, die
-
weiterhin kämpfen.
-
- (http://chiapas.indymedia.org/display.php3?article_id=122223)
-
- * * *
-
(übs. von Dana)
- ZAPATISTISCHE
ARMEE DER NATIONALEN BEFREIUNG MEXIKO. Sechste
-
Kommission
der EZLN
-
- 14. Mai, 2006
-
- An alle Unterstützer
der Sechsten Erklärung und der Anderen Kampagne
-
- An die Koordinatoren,
Komitees, und Koordinationen der Bundesstaaten,
-
Regionen, Subregionen,
Bezirke und Sektoren der Anderen in ganz
-
Mexiko
-
- Compañeros und
Compañeros:
-
- Wir grüßen
Sie. Gestern, am 13. März 2006, trafen sich einige
-
Organisationen, Gruppen,
Kollektive, Familien und Einzelpersonen aus
-
17 Bundesstaaten von
Mexiko, die Unterstützer der Anderen Kampagne
-
sind, im Auditorium "Che
Guevara" der Ciudad Universitaria, der UNAM.
-
In diesem Treffen
analysierten wir, wie der Kampf für unsere
-
Compañeros und
Compañeras vorangeht, die am 3. und 4. Mai in San
-
Salvador Atenco,
Bundesstaat México, unterdrückt und verhaftet worden
-
sind.
-
- Dabei kamen einige
Übereinkünfte zustande, die wir Ihnen allen,
-
Compañeros und
Compañeras des Anderen Mexikos, als VORSCHLAG
-
unterbreiten möchten:
-
- 1) Unsere Forderung
nach der Freilassung aller politischen Gefangenen
-
aufrechtzuerhalten.
-
- 2) Die Andere
Kampagne in Mexiko und auf der Anderen Seite, zu einem
-
Zeitraum der Information,
Diffusion, Promotion und Aktivismus, in
-
ganz Mexiko und überall
auf der Welt einzuberufen, hinsichtlich
-
folgender Punkte:
-
- - Was ist passiert:
Erklären was sich in Atenco am 3. und 4. Mai 2006
-
zugetragen hat.
-
- - Erklären, dass
das gleiche bereits schon früher passiert ist,
-
gerade passiert, und
jedem/r der einfachen und bescheidene Menschen
-
von unten passieren
könnte.
-
- - Was wir wollen: Die
Freilassung aller politischen Gefangenen.
-
- - Einladung zur
Teilnahme an den geplanten Veranstaltungen.
-
- 3) Die Andere
Kampagne in allen mexikanischen Staaten, Regionen,
-
Subregionen, Bezirke und
Sektoren dazu aufzurufen, am FREITAG, dem
-
19. MAI 2006, um 8:00 Uhr
morgens, alle an ihren eigenen Orten, und
-
auf ihrer eigenen Art,
zivile und friedliche Aktionen durchzuführen,
-
mit der zentralen
Forderung nach der Freilassung der Gefangenen, die
-
am 3. und 4. Mai in
Atenco festgenommen wurden.
-
- 4) Alle Unterstützer
der Sechsten und der Anderen Kampagne zu einem
-
landesweiten Treffen in
Mexiko Stadt aufzurufen, am SONNTAG, dem 28.
-
MAI 2006, 10:30 Uhr, am
Angel de la Independencia, um zum Zocalo von
-
Mexiko Stadt zu
marschieren.
-
- Alle Mexikaner/innen
werden eingeladen, sich an diesen Protestmarsch
-
zu beteiligen.
-
- 5) Eine landesweite
Versammlung der Unterstützer einzuberufen, die am
-
MONTAG, dem 29. MAI 2006,
im Auditorium "Che Guevara" der UNAM
-
Fakultät für
Philosophie und Literatur, um 10:00 Uhr stattfinden soll.
-
- Dass wir uns alle
innerhalb der Anderen Kampagne, mit unseren eigenen
-
Verschiedenheiten und
Identitäten beteiligen. Das heißt, als
-
Bundesstaaten, Regionen,
Subregionen, Bezirke, Familien, Individuen,
-
Sektoren; als Frauen,
Kinder, Alte, Lesben, Homosexuelle,
-
Transsexuelle,
Sexarbeiter/innen, Arbeiter/innen, Campesinos,
-
Indigene Völker,
Studenten, Lehrer, Künstler, Kommunikationsmedien,
-
Umweltschützer,
Glaubensmenschen, Straßenarbeiter, Wissenschaftler
-
und Forscher,
Intellektuelle, Rocker, wir alle, die von unten sind
-
und links.
-
- Vale. Salud, und möge
der Schrei "Ihr seid nicht alleine!" die Mauern
-
der Gefängnisse zum
Einsturz bringen.
-
- Aus der Anderen
Mexiko Stadt.
-
- Subcomandante
Insurgente Marcos. México, Mai, 2006.
-
- * * *
-
(übs. von Dana)
-