Schluss
mit dem Staatsterror in Mexiko!
Massive
Repression gegen linke Opposition
Polizei
attackiert BäuerInnenorganisation / 14jähriger erliegt
Verletzungen / Polizisten foltern und vergewaltigen Festgenommene /
EZLN ruft "Roten Alarm" aus
Rund
300 Festgenommene, über 50 Schwerverletzte und
Vergewaltigungsopfer und ein Toter sind der Saldo des Konfliktes in
Atenco nahe Mexiko-Stadt. Am 3. und 4. Mai hatten 3.000 Polizisten
die Angehörigen der "Front der Gemeinden zur Verteidigung
der Erde" (FPDT) attackiert und die Stadt schließlich in
ihre Gewalt gebracht.
Ausgelöst
wurde die Konfrontation, nachdem die Polizei "informelle"
Marktstände in der Nachbarstadt Texcoco räumen wollte, die
dort seit Jahren Blumen und andere Agrarerzeugnisse verkaufen. Es
gehe darum, Platz für ein Einkaufszentrum zu schaffen, so die
FPDT. Die Campesin@-Organisation verteidige lediglich ihren
alltäglichen Broterwerb. Vier VerkäuferInnen wurden auf
brutale Weise festgenommen, woraufhin sich Mitglieder der FPDT
sammelten, um den Konflikt im Dialog zu klären.
Doch
die Polizei umringte die AktivistInnen und prügelte ansatzlos
auf sie ein. Darauf reagierte die Bevölkerung mit Protest, wobei
Steine und Stöcke gegen die Polizei eingesetzt wurden. Wenig
später wurde die Zugangsstraße zu Atenco blockiert. Die
Polizei konnte die Barrikade zunächst nicht überwinden.
Am
4. Mai folgte dann der Angriff der 3.000 Polizisten auf ca. 300
DemonstrantInnen, der zu äußerst brutalen Gewaltexzessen
führte: Tränengasattacken, willkürliche Festnahmen,
Folter, Vergewaltigung, Erstürmung von Wohnhäusern,
Schusswaffeneinsatz, Folter und sexueller Missbrauch während des
Transports ins Gefängnis. Der 14-jährige Javier Cortés
erlag seinen Verletzungen, die laut der konservativen Zeitung Crónica
auf Polizeischüsse zurückgehen. Die dominierenden TV-Medien
Televisa und Azteca zeigten in den ersten Minuten auch die
Polizeibrutalität, doch schon kurz darauf wurde stundenlang eine
Szene wiederholt, in der einige wenige DemonstrantInnen einen
Polizisten verprügeln.
Die
Eskalation in Atenco ist kein Zufall, denn die Gemeinde hat eine
rebellische Tradition. Sie wehrte sich 2001/2002 erfolgreich gegen
den Bau eines neuen Flughafens für Mexiko-Stadt auf ihren
Ländereien. Zudem ist die FPDT Mitglied der "Anderen
Kampagne", der von den Zapatistas initiierten
außerparlamentarischen Linksallianz, die - explizit
pazifistisch - für eine neue linke Verfassung in Mexiko kämpft.
Noch einige Tage zuvor hatte die Karawane der "Anderen Kampagne"
mit ZapatistInnen-Sprecher Subcomandante Marcos an der Spitze die
Stadt besucht und erklärt, sich friedlich "gegen das
kapitalistische System" und "für die Menschen von
unten" einzusetzen.
Trotz
der manipulativen Berichterstattung der großen Medien, die zum
Teil gar eine Armee-Intervention forderten, formierte sich große
Unterstützung: Die "Andere Kampagne" solidarisierte
sich mit den Protesten in Atenco. Die Zapatistische Befreiungsarmee
EZLN im südmexikanischen Chiapas rief Roten Alarm aus, weil auch
dort repressive Schläge befürchtet werden, die die dortige
Selbstverwaltung gefährden könnten. Hunderte von
Organisationen der "Anderen Kampagne", in der inzwischen
über 1.000 Gruppen aus Mexiko zusammengeschlossen sind, sowie
Gruppen aus über 60 Städten in über 40 Ländern
führten in den folgenden Tagen friedliche Protestaktionen wie
Blockaden und Kundgebungen durch, um die Freilassung der politischen
Gefangenen und das sofortige Ende der Repression zu fordern.
Im
Kontext des EU-Lateinamerika-Staatsgipfels im Mai in Wien z.B. kam es
zu mindestens fünf Demonstrationen gegen die Regierungspolitik
von Mexiko. Aufgrund des globalen Echos musste die Regierung die
Gewaltexzesse seitens der Polizei einräumen; auch die
regierungsnahen Medien mussten zurückrudern und boten Marcos den
Raum für ein ausführliches Interview auf CNN-Lateinamerika
- wobei die Grundbedingung seitens der RebellInnen lautete, dass
keinerlei Kürzungen vollzogen werden.
Die
Situation im Land bleibt gespannt. Es wird befürchtet, dass ein
weiteres Vorgehen gegen die "Andere Kampagne" zu einer
erheblichen Eskalation in ganz Mexiko führen könnte. Die
"Andere Kampagne", Menschenrechts- und
Solidaritätsorganisationen rufen daher weiter zu friedlichen
Protestaktionen gegen die mexikanische Regierung auf.
Wir
fordern:
-
Schluss mit dem Staatsterror in Mexiko!
- -
Bestrafung der Polizisten und Regierungsfunktionäre, die für
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind!
-
- Freiheit für
die politischen Gefangenen!
-
- Solidarität
mit der FPDT und dem Widerstand in Atenco!
- Solidarität
mit der EZLN!
-
Solidarität mit der „Anderen Kampagne“!
Gruppe
B.A.S.T.A. 27.5.2006
- Daimler-Reklame
(Mexiko) mit Steuergeldern
Liebe
KollegInnen,
- Vom 29. bis zum 31.
März wird im Brüssel eine Sitzung des
-
Interparlamentarischen
Ausschusses Europaparlament-Mexikostattfinden,
-
der nach dem Abschluss
des Freihandelsabkommens zwischen der EU und
-
Mexiko als ständiges
Organ eingerichtet wurde. In der Anlage senden
-
wir Euch das offizielle
Programm des Treffens. Was wir von der ila
-
für einen ziemlichen
Hammer halten ist, dass in diesem Programm am
-
31. Mai um 13 Uhr ein
"Almuerzo ofrecido por la empresa DAIMLER-
-
CHRYSLER", ein
Mittagessen, zu dem DAIMLER-CHRYSLER einlädt,
-
stattfinden soll. Das von
den Parlamenten der EU und Mexikos
-
ausgerichtete und
finanzierte Treffen bietet dem Konzern die
-
Möglichkeit zu einer
Lobbyveranstaltung in eigener Sache.
-
Verantwortlich dafür
ist die Vorsitzende der EU-Mexiko-Delegation,
-
die niedersächsische
SPD-Europaabgeordnete Erika Mann
-
(www.erikamann.com) - Wir
denken, dass nach den Informationen über
-
die Politik von
Mercedes-Benz während der Militärdiktatur in
-
Argentinien und den
jüngsten amnesty-Berichten über DaimlerChrysler
-
in Brasilien, über
Briefe oder Presseerklärungeneinpaar kritische
-
Fragen an das Büro
von Frau Mann gerichtet werden sollten, was sie
-
sich dabei gedacht hat,
einEuropäisch-Mexikanisches
-
Parlamentariertreffen zu
einer Lobbyveranstaltung von DaimlerChrysler
-
umzufunktionieren.
-
Mit besten Grüßen
von der ila
-
Gert Eisenbürger
-
- Mehr
als ein Schussopfer in Atenco, erklärt NGO Arzt
-
- Mindestens drei der
Geschlagenen wurden im Gefängnis besucht; der
-
schwerste Fall benötigt
Einweisung in einem Krankenhaus
-
- von Emir Olivares
Alonso La Jornada, 24. Mai 2006
-
- Am Tag des
Polizeiüberfalls auf San Salvador Atenco wurden mehrere
-
Personen durch
Schusswaffen verletzt, nicht nur Francosco Javier
-
Cortes Santiago - der
Jugendliche, der getötet wurde - erklärte Dr.
-
Fernando Rubi Apreza, von
der Multidisziplinären Organisation für die
-
Gesundheit von Indigenas
und Marginalisierten Bevölkerungen (OMSPIM)
-
- Zusammen mit einem
weiteren Mitglied der OMSPIM, Guillermo Selvas -
-
der gemeinsam mit seiner
Tochter Marina verhaftet wurde, eine
-
Studentin der Nationalen
Schule für Anthropologie und Geschichte -
-
kam der Arzt nach Atenco,
um für die verletzten Bewohner, vom 3. Mai
-
ärztliche Hilfe zu
leisten.
-
- "Wir haben
Menschen mit Schusswunden gesehen. Ich habe einen solchen
-
Verwundeten versorgt, der
durch eine Kugel verletzt worden war. Er
-
wurde behandelt und dann
in ein Krankenhaus gefahren. Er gehörte zu
-
denen, die von einer
Schusswaffe Kaliber 38 verletzt worden waren.
-
Ich habe Erste Hilfe
geleistet," erklärte er.
-
- Als er herausfand,
dass sein Freund Dr. Guillermo Selvas verhaftet
-
worden war, beschloss
Rubi Apreza nach Almoloya de Juarez im
-
Bundesstaat México
zu fahren, um zu versuchen ihn zu besuchen.
-
- Der Doktor versuchte
mehrmals in das Santiaguito Gefängnis Einlass zu
-
erhalten; bei einem
Versuch war er erfolgreich.
-
- Bis heute ist er der
einzige, dem es außer den Behörden gelungen ist,
-
sich im Santiaguito
Gefängnis weiter als bis zu den Warteräumen
-
Eintritt zu verschaffen.
Der Doktor erklärte, es sei ihm letzte Woche
-
gelungen die drei
Gefangenen zu sehen und zu untersuchen, die sich
-
infolge der Schläge
der Polizisten während des Einsatzes in San
-
Salvador Atenco "im
ernstesten Zustand" befinden.
-
- Wie er berichtete,
gelang es ihm am Samstag, den 13. Mai, dank eines
-
medizinischen Pflegers,
der mit Octavio Castilla - ebenfalls
-
festgenommen -
sympathisierte, in das Gefängnis eingelassen zu
-
werden. "Dieser
junge Mann leidet an einer Niereninsuffizienz infolge
-
eines Prostatatraumas und
benötigt dringend eine Sonde um die Blase
-
abschwellen zu lassen.
Ich durfte in meiner Eigenschaft als Arzt nur
-
ihn alleine behandeln,
aber ich traf mich auch mit einigen
-
Angehörigen des
medizinischen Gefängnispersonals."
-
- Am nächsten Tag
jedoch, kam er mit der Kommission überein,
-
eingelassen zu werden um
Wasser und Süßigkeiten für die Gefangenen in
-
Hungerstreik abzuliefern,
und dank des medizinischen Personals, die
-
er am Vortag kennen
gelernt hatte, sei es ihm möglich gewesen in den
-
Krankentrakt zu gelangen.
-
- "Sie erlaubten
mir dort einzutreten um die Gefangenen zu behandeln.
-
Zunächst kümmerte
ich mich um die Schwerstverletzten." Bei diesen
-
handelte es sich um
Heriberto Nopaltitla, ein 58-jähriger Campesino;
-
Arnulfo Pacheco, 55, der
nicht gehen kann, und Paulino Zavala, ein 60-
-
jähriger Zimmermann.
-
- Der Doktor berichtet,
dass Nopaltitla an multiple Frakturen an einem
-
Arm, Handgelenk und
Fingern leide. "Sein Körper ist mit Prellungen
-
und toter Haut übersät;
ich stellte Rippenfrakturen fest; ich konnte
-
an seinem Schädel 19
Verletzungen zählen. Diese Verletzungen sind
-
lebensgefährlich, da
die Prellungen die Blutgerinnung fördern, es
-
löst sich nicht auf,
sondern zirkuliert so in Blutkreislauf. Dadurch
-
können Schäden
der Blutgefässe im Gehirn entstehen, zum Beispiel eine
-
Thrombose, was zu einem
anhaltenden Koma führen könnte."
-
- Der schwerste Fall
von den dreien ist seiner Meinung nach Pacheco,
-
der durch seine
körperliche Behinderung weniger Widerstand leisten
-
konnte, und sehr schwer
verprügelt wurde. Pacheco, so der Arzt, hat
-
Wunden am ganzen Körper,
und dieser Zustand habe ein "Trauma"
-
verursacht, das den
Verlust der Darmkontrolle zur Folge hatte.
-
"Darüberhinaus,
hat er jetzt nach acht Tagen noch immer Blut im Urin,
-
und entzündete Beine
durch aufgestaute Flüssigkeit, aufgrund der
-
Schläge. Sein Rachen
wurde durch ein Schlag in die Kehle verletzt,
-
deshalb ist es schwierig
für ihn zu essen; er hat mehrfache
-
Rippenfrakturen. Von den
dreien hat er die schwächste körperliche
-
Verfassung. Um sein Leben
nicht zu gefährden, sollte er in ein
-
Krankenhaus eingewiesen
und von einem Spezialisten behandelt werden.
-
Im schlimmsten Fall kann
es bei ihm zu einem Hirnschlag oder
-
Herzinfarkt kommen."
-
- Zavala, der an
Diabetes leidet, "sieht aus wie eine Landkarte von
-
Blutergüssen",
so der Arzt weiter. Darüber hinaus habe er
-
Verletzungen am Schädel,
Gesicht und Nase, zwei gebrochene Rippen und
-
Atemprobleme.
-
- Fernando Rubi Apreza
erklärte, zusätzlich zu der Untersuchung dieser
-
drei Männer, habe
ihm das medizinische Personal geholfen sich Zugang
-
zu den Zellen zu
verschaffen, wodurch es ihm möglich war die
-
Gefangenen zu behandeln.
"Ich gab den Frauen den Vorzug, und ich
-
konnte Barbara Italia
Mendez behandeln, die mit Händen und
-
Gegenständen
vergewaltigt worden ist. Sie zogen sie halb aus und
-
stellten sie auf den
Rücken, außer dass sie verletzt und befingert
-
wurde, wurden auch ihre
Genitalien misshandelt; sie war die einzige,
-
die ich untersuchen
konnte."
-
- Wie Rubi Apreza
berichtet, habe es sich aus irgendeinem Grund im
-
Gefängnis
herumgesprochen, dass ein Arzt die Gefangenen behandelte,
-
was das Krankenpersonal
veranlasste ihn zu ersuchen die Einrichtung
-
zu verlassen. Der Doktor
wendete sich jedoch schriftlich an den
-
Direktor für
Prävention und Soziale Rehabilitation des Bundesstaates
-
México, Alejandro
Carmona, und ersuchte um Zugangserlaubnis zum
-
Gefängnis, um seine
medizinische Untersuchung der Gefangenen
-
fortzuführen.
-
- * * *
-
- (übs. von Dana)
-
-
Der
"Rettungseinsatz" von Atenco, von der PFP geplant und von
Fox bewilligt
-
- Radio-
und Fernsehkommentatoren, freiwillig oder unbewusst,
- Teil
der psychologischen Kriegsführung für die Rechtfertigung
- der
paramilitärischen Aktion vom 4. Mai.
-
- Von Carlos Fazio La
Jornada
-
- 21. Mai 2006
-
- Am 4. Mai gab die
Bundesregierung Befehl zur Durchführung eines
-
psychologischen Einsatzes
in der Gemeinde von San Salvador Atenco.
-
Die sogenannte "Operation
Rettung" wurde in voraus von anti-
-
subversiven Experten der
Präventiven Bundespolizei (PFP), mit Hilfe
-
von Agenten des Zentrums
für Ermittlung und Nationale Sicherheit
-
(CISEN) und der
Sicherheitsbehörde des Bundesstaates Mexiko (ASE)
-
entworfen und geplant.
Der Reichweite des Einsatzes und der
-
politischen Konjunktur
des Landes nach zu urteilen - die letzte Phase
-
eines Wahlkampfes, der
von "Hasskampagnen" und einem schmutzigen
-
Medienkrieg
gekennzeichnet ist - muss die paramilitärische Operation,
-
unter dem Deckmantel der
Polizei, nicht nur unter Absprache mit
-
Vicente Fox; Nationalem
Sicherheitskabinett erfolgt, sondern auch mit
-
seiner ausdrücklichen
Bewilligung unternommen worden sein.
-
- Streng genommen
handelte es sich dabei um eine chirurgische
-
Militäroperation,
der eine kurze aber effektive Propagandakampagne
-
vorausging. Ihre
Hauptziele waren, die Erringung der "Kontrolle" über
-
eine Gemeinde, die sich
in den Händen einer Gruppe sozialer und
-
politischen Dissidenten
befand, und die Enthauptung der Front der
-
Dörfer für die
Verteidigung des Landes (FPDT), deren Mitglieder von
-
den Kommandanten der
Militäraktion als "Delinquente", "Subversive"
-
bezeichnet, und mit dem
"organisierten Verbrechen" in Zusammenhang
-
gebracht wurden.
-
- Der Einfall in Atenco
am 4. Mai, mittels einer schnellen und
-
unverhältnismäßig
brutalen Umzingelungsaktion der Sondereinsatzkräfte
-
- der PFP, unterstützt
von Agenten der staatlichen Polizei, kann am
-
besten als etwas
beschrieben werden, das im militärischen Jargon als
-
"Bevölkerungskontrolle"
bekannt ist. Diese Art von Einsatz, der auf
-
der "Lacheroy
Doktrin" basiert - benannt nach Oberst Charles
-
Lacheroy, der sie in der
Schlacht von Algier, nach der französischen
-
Niederlage von Dien Bien
Phu einsetzte - ist Bestandteil der
-
psychologischen
antisubversiven Kriegsführung, eine Form der
-
irregulären
(nicht-konventionellen) Kriegsführung, kombiniert aus dem
-
gezielten Einsatz
nachrichtendienstlicher und Öffentlichkeitsarbeit,
-
Propaganda und
Massenkontrolle innerhalb eines spezifischen Gebietes.
-
- Den Ereignissen vom
4. Mai ging am Tag zuvor ein blutiges Handgemenge
-
zwischen rebellierende
Campesinos und Sicherheitskräfte voraus. An
-
der Oberfläche
könnte es so aussehen, als ob sich die gewalttätige
-
Auseinandersetzung aus
einem "kleinen" Zwischenfall entwickelt hätte:
-
die Vertreibung von acht
Blumenverkäufern von einem Marktplatz im
-
Bezirk Texcoco. Aber
unter Betrachtung der Richtlinien eines
-
Handbuches für
"Sonder-" (oder "psychologische") Einsätze",
das vom
-
Nationalen
Verteidigungsministerium (SEDENA) benutzt wird, lassen die
-
Ereignisse der "Schlacht
von Atenco" im Rückblick vermuten, dass die
-
Rebellion der Bevölkerung
von Atenco "herbeigeführt" gewesen sein
-
könnte.
-
- Eine Grundkomponente
der "psychologischen Kriegsführung" ist
-
Propaganda, welches das
Ziel verfolgt "die Herzen und Meinungen der
-
Bevölkerung zu
gewinnen". Propaganda versucht die "Anfälligkeiten"
-
der Menschen auszubeuten
(Furcht, Unsicherheit, Wut, Nostalgie,
-
Sorge) und "die
Meinungen, Emotionen, Haltungen und Verhalten
-
freundlicher, feindlicher
und neutraler Gruppen zu beeinflussen, um
-
nationale Interessen oder
Ziele zu erreichen", so das Handbuch.
-
- Propaganda wird durch
die Massenmedien verbreitet, ganz besonders
-
durch Radio und
Fernsehen, und die grundsätzlichen "Ziele" dieser
-
psychologischen
Kriegsführung sind, die Unterstützung "freundlicher"
-
sozialer Gruppen zu
verstärken, "Feinde" zu diskreditieren und zu
-
schwächen, und die
Sympathie der "Neutralen" zu gewinnen. In dieser
-
Phase, versucht die
Propaganda durch sogenannten
-
Motivationspsychologie,
dem Einzelnen drei verschiedene Reaktionen zu
-
entlocken: Aggression,
Konformität, und Resignation oder Apathie.
-
- fue seguido de un
desmesurado desplazamiento de la fuerza pública de
-
los tres niveles de
gobierno (municipal, estatal y federal) a San
-
Salvador Atenco, para
"reabrir"el tránsito en una carretera
-
bloqueada.
-
- Bei sorgfältiger
Analyse der einzelnen Schritte der Ereignisse vom 3.
-
Mai, wird ersichtlich,
das ein "kleiner" Zwischenfall auf einem
-
Marktplatz von Texcoco,
der durch Dialog und Verhandlung hätte
-
geregelt werden müssen,
von einer exzessiven Machtentfaltung aller
-
drei Regierungsebenen
(munizipal, staatlich und bundesstaatlich) in
-
San Salvador Atenco
gefolgt wurde, um eine blockierte Strasse
-
"wiederzueröffnen".
-
- Die Polizeiaktion
erweckte die Wut der Atenco-Bewohner, die daraufhin
-
die Polizisten mit
Stöcke, Steine, Molotowcocktails und Macheten
-
zurücktrieben.
Reporter der wichtigsten Radio- und Fernsehstationen
-
waren bereits dabei über
das "Szenario" zu berichten, und die
-
Ereignisse "live"
und "direkt" zu übertragen. Zusammen mit dem
-
ungeordneten Rückzug
der Präventiven und Staatlichen Polizei,
-
konzentrierten sich die
Bilder und Kommentare der Radio- und
-
Fernsehreporter
ausschließlich auf das brutale Zusammenschlagen eines
-
wehrlosen Polizisten, der
am Boden lag, durch eine kleine Gruppe von
-
Ejidobewohnern.
-
- In den weiteren
Stunden, und im Kontext der brutalen
-
paramilitärischen
Vergeltung der Gesetzeskräfte (4. Mai), war das
-
Bild des "halbtoten,
am Boden ausgestreckten Polizisten, dem brutal
-
in die Eier getreten
wird", wie Ciro Gómez Leyva das ausdrückte -
-
ebenfalls von seiner
Kollegin Carmen Aristegui hervorgehoben, die es
-
vorzog das Wort "Hoden"
zu verwenden - ein Schlüsselelement um die
-
öffentliche Meinung
davon zu überzeugen, dass es sich bei den Atenco-
-
Bewohnern um eine "kleine
gewalttätige Gruppe" handelte,
-
"Subversive",
zusammengestellt aus "Irrationalen", "Barbaren",
die
-
der "vollen Gewalt
des Gesetzes" ausgesetzt werden sollten.
-
- Handbücher zur
Aufstandsbekämpfung weisen an, "Um zu überzeugen,
-
müssen alle
psychologischen Maßnahmen auf die kumulative Kraft der
-
Wiederholung aufbauen"
(ähnlich wie Werbespots). Und so überzeugte
-
und provozierte die
endlose Wiederholung des "halbtoten" Polizisten
-
(ähnlich wie das
Bild der Flugzeuge, die am 9/11 in die Twin Towers
-
von New York krachten),
die Beeinflussung und/oder zwanghafte
-
Aufhetzung "freundlicher"
Sprecher und Herausgeber, die sich entweder
-
bewusst oder unbewusst
der Propagandakampagne zur Aufstandsbekämpfung
-
anschlossen, und
"spontan" dazu aufriefen, die "harte Hand" des
-
Gesetzes gegen die
"Feinde" des Regimes anzuwenden.
-
- "Das Radio,"
so das Handbuch, "besitzt die bewegende Macht des
-
gesprochenen Wortes.
Experten für Radiopropaganda," - hier wird auch
-
auf die "Stimmen von
Persönlichkeiten, die bedingungsloses Vertrauen
-
erwecken"
angespielt, man denke zum Beispiel an den "Radioreporter"
-
Joaquín López
Dóriga - "können nur durch den Ton, die Resonanz,
-
Betonung oder
Artikulation ihrer Stimme, einen enormem Einfluss auf
-
die Gefühle ihrer
Zuhören ausüben." (Das gleiche gilt natürlich
auch
-
- für die
Nachrichtensprecher im Fernsehen.)
-
- Ein anderer Faktor,
der sich auf die Ereignisse verschärfend
-
auswirkte, und der
"erfabelten" Version der Realität Beistand
-
leistete, war die
Verbreitung von "Gerüchten", ein Grundelement der
-
"schwarzen
Propaganda", wie üblich bei verdeckten Operationen
-
angewendet. In einem
Handbuch des SEDENA ist zu lesen, "Gerüchte sind
-
Informationen von
zweifelhafter Authentizität und undurchsichtiger
-
Herkunft." Weiter
heißt es, "Gerüchte rufen im allgemeinen
-
demoralisierende Hysterie
und Panik hervor." So half das Gerücht, es
-
hätte in Atenco "ein
bis zwei" tote Polizisten gegeben, das als
-
(nicht verifizierte)
"Nachricht" am 3. Mai durch die Massenmedien die
-
Runde machte, ein Klima
der Hysterie und Panik zu erzeugen, und
-
bereitete durch die
Manipulation der Emotionen (das heißt, durch die
-
Ausnutzung von Hass und
Furcht), die öffentliche Akzeptanz für die
-
brutale Repression am
folgenden Tag vor.
-
- Nach Aussage von
Vizeadmiral Wilifrido Robledo, Chef der ASE und
-
einer der Befehlshaber
bei der Operation zur Aufstandsbekämpfung, lag
-
eins der Hauptziele darin
"die Kontrolle über das Dorf
-
wiederzuerlangen",
von dem es hieß, es befände sich in den Händen
-
einer Gruppe von
"Entführern" und "Mördern", die mit
dem
-
"organisierten
Verbrechen" in Verbindung standen. Die Hypothese der
-
"Subversion",
die in den nächsten Tagen von den Massenmedien bis an
-
die Grenze des
Erträglichen aufgebauscht wurde, hatte das Ziel die
-
Opfer der Repression in
das Sichtfeld des Bundesgesetzes gegen das
-
Organisierte Verbrechen
zu platzieren, das besagt: "Der Vorwurf des
-
organisierten Verbrechens
besteht, wenn drei oder mehrere Personen
-
vereinbaren sich zu
organisieren, mit dem Zweck der ständigen oder
-
wiederholten Ausübung
von Delikten, wie Terrorismus, Geldfälschen,
-
illegaler Waffenkauf- und
Handel, Menschenschmuggel, Organhandel,
-
Überfälle,
Entführungen, Kinderhandel und Autodiebstahl".
-
- Aber über den
aufrührerischen und manichäischen Gebrauch dieses
-
Gesetzes als neues
repressives Staatsinstrument hinaus, um soziale
-
Konflikte durch deren
Kriminalisierung zu handhaben, sollte der
-
Atenco Einsatz auch ein
Denkzettel sein, um die "Zielbevölkerung"
-
dieser repressiven
Regierungsaktion durch Furcht und Terror zu
-
paralysieren. Auf diese
Weise sollen die Kämpfe der FPDT und
-
ähnlicher Gruppen im
ganzen Land gehemmt oder ausgeredet werden. Dies
-
erklärt auch,
weshalb die wehrlosen Opfer der Gewalt mit einer
-
solchen Wut unterdrückt
wurden, und weshalb die Sicherheitskräfte
-
Folter und physische und
sexuelle Misshandlung gegen Frauen und
-
Männer einsetzten,
die bereits als Gefangene hilflos gemacht worden
-
waren.
-
- Andere komplementäre
Elemente beinhalteten: den Gebrauch von
-
Kopfhauben während
den Verhören, die Folter und Erniedrigung der
-
Gefangenen, den Einsatz
von Spionen, Agent Provocateurs und
-
Informanten; gewaltsame
Hausdurchsuchungen durch bewaffnete
-
Uniformierte, und die
Zerstörung von Häusern, mit Raub von
-
Besitztümer als
Kriegsbeute. Hinzu kommt, wie oben dargelegt, die
-
Verwendung der Medien zu
Propagandazwecke durch die "Gleichschaltung"
-
der Botschaft, eine
Technik, die von Joseph Goebbels in
-
Nazideutschland
eingesetzt wurde, um die zwanghafte und einheitliche
-
Linientreue der
Bevölkerung zu gewährleisten.
-
- Der Einsatz von
Atenco vereinte somit Elemente der französischen
-
Schule, die von Colonel
Massu und seine Fallschirmjäger in der
-
Schlacht von Algiers im
arabischen Viertel von Casbah eingesetzt
-
wurden, um dann nach
Lateinamerika während den "Schmutzigen Kriegen"
-
der 70er Jahre importiert
zu werden, die Jahre des Staatsterrorismus
-
und von Operation Condor,
wie die repressive und völkermörderische
-
Allianz der Diktaturen
damals im Cono Sur damals genannt wurde.
-
- * * *
-
- (übs. von Dana)
-
- Originaltext: La
Jornada,
-
http://www.jornada.unam.mx/2006/05/20/020n1pol.php
Englisch:
-
http://www.narconews.com/Issue41/article1834.html
-
- Dieser Text enthält
zwar keine neuen Informationen zu Atenco, aber
-
vielleicht eine kleine
Lektion in Punkto "Entscheidungsfindung in der
-
Anderen Kampagne"
:^).
-
- * * *
-
- Marcos:
"Keine Bewegung ist legitimer, als die für die Freilassung
-
der
Gefangenen von Atenco"
-
- von Emir Olivares
Alonso La Jornada, 21. Mai 2006
-
- Die Bewegung für
die Freilassung der Gefangenen von San Salvador
-
Atenco, und für
Gerechtigkeit für die Frauen, die sexuell angegriffen
-
und missbraucht worden
sind, "hat einen internationalen Rückhalt, den
-
weder der Streik der
Nationalen Autonomen Universität von Mexiko
-
(UNAM), noch die
Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN)
-
hatten," erklärte
so Subcomandante Marcos in seiner Ansprache an die
-
Versammlung der
Studentengruppe.
-
- Die Ereignisse in
Atenco, so Delegado Zero weiter, hätten eine solche
-
internationale Relevanz
hervorgerufen, dass "Frauen auf der ganzen
-
Welt sich mobilisieren",
damit eine solche Repression sich nicht
-
wiederholt.
-
- "Jede Frau, ob
hier anwesend oder nicht, steht morgens auf, duscht
-
und macht sich zurecht
und betrachtet sich im Spiegel, und fragt
-
sich, 'mach ich mich
gerade zurecht, damit mich diese Mistkerle
-
festnehmen und
vergewaltigen?' (...) Dieses Gefühl der Wehrlosigkeit,
-
das sich dank der Haltung
der Compañeras und der anderen Gefangenen
-
in Wachsamkeit verwandelt
hat, hat eine legitime Bewegung ins Leben
-
gerufen. Es gibt im
ganzen Land keine Bewegung, die so legitim ist,
-
wie die Bewegung für
die Freilassung der Gefangenen vom 3. und 4. Mai
-
in Atenco. Keine
einzige."
-
- Er ermahnte dazu,
dass nach den Denunzierungen der Vorfälle bei den
-
Festnahmen in Atenco und
auf dem Weg ins Gefängnis Santiaguito in
-
Almoloya, Bundesstaat
México, die sozialen Gruppen gewährleisten
-
müssten, dass alle
Frauen "ganz besonders beschützt werden", denn
-
"wir werden nicht
zulassen, dass sich die Ereignisse von vor zwei
-
Wochen wiederholen."
-
- Keine politische
Organisation besitze eine ähnliche Legitimität wie
-
diese Bewegung, erklärte
Marcos, "Es wurde bestenfalls ein Interview
-
beigesteuert, das
Ärgernis hervorrief; so glauben wir."
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