Schluss mit dem Staatsterror in Mexiko!



Massive Repression gegen linke Opposition



Polizei attackiert BäuerInnenorganisation / 14jähriger erliegt Verletzungen / Polizisten foltern und vergewaltigen Festgenommene / EZLN ruft "Roten Alarm" aus







Rund 300 Festgenommene, über 50 Schwerverletzte und Vergewaltigungsopfer und ein Toter sind der Saldo des Konfliktes in Atenco nahe Mexiko-Stadt. Am 3. und 4. Mai hatten 3.000 Polizisten die Angehörigen der "Front der Gemeinden zur Verteidigung der Erde" (FPDT) attackiert und die Stadt schließlich in ihre Gewalt gebracht.

Ausgelöst wurde die Konfrontation, nachdem die Polizei "informelle" Marktstände in der Nachbarstadt Texcoco räumen wollte, die dort seit Jahren Blumen und andere Agrarerzeugnisse verkaufen. Es gehe darum, Platz für ein Einkaufszentrum zu schaffen, so die FPDT. Die Campesin@-Organisation verteidige lediglich ihren alltäglichen Broterwerb. Vier VerkäuferInnen wurden auf brutale Weise festgenommen, woraufhin sich Mitglieder der FPDT sammelten, um den Konflikt im Dialog zu klären.

Doch die Polizei umringte die AktivistInnen und prügelte ansatzlos auf sie ein. Darauf reagierte die Bevölkerung mit Protest, wobei Steine und Stöcke gegen die Polizei eingesetzt wurden. Wenig später wurde die Zugangsstraße zu Atenco blockiert. Die Polizei konnte die Barrikade zunächst nicht überwinden.

Am 4. Mai folgte dann der Angriff der 3.000 Polizisten auf ca. 300 DemonstrantInnen, der zu äußerst brutalen Gewaltexzessen führte: Tränengasattacken, willkürliche Festnahmen, Folter, Vergewaltigung, Erstürmung von Wohnhäusern, Schusswaffeneinsatz, Folter und sexueller Missbrauch während des Transports ins Gefängnis. Der 14-jährige Javier Cortés erlag seinen Verletzungen, die laut der konservativen Zeitung Crónica auf Polizeischüsse zurückgehen. Die dominierenden TV-Medien Televisa und Azteca zeigten in den ersten Minuten auch die Polizeibrutalität, doch schon kurz darauf wurde stundenlang eine Szene wiederholt, in der einige wenige DemonstrantInnen einen Polizisten verprügeln.



Die Eskalation in Atenco ist kein Zufall, denn die Gemeinde hat eine rebellische Tradition. Sie wehrte sich 2001/2002 erfolgreich gegen den Bau eines neuen Flughafens für Mexiko-Stadt auf ihren Ländereien. Zudem ist die FPDT Mitglied der "Anderen Kampagne", der von den Zapatistas initiierten außerparlamentarischen Linksallianz, die - explizit pazifistisch - für eine neue linke Verfassung in Mexiko kämpft. Noch einige Tage zuvor hatte die Karawane der "Anderen Kampagne" mit ZapatistInnen-Sprecher Subcomandante Marcos an der Spitze die Stadt besucht und erklärt, sich friedlich "gegen das kapitalistische System" und "für die Menschen von unten" einzusetzen.



Trotz der manipulativen Berichterstattung der großen Medien, die zum Teil gar eine Armee-Intervention forderten, formierte sich große Unterstützung: Die "Andere Kampagne" solidarisierte sich mit den Protesten in Atenco. Die Zapatistische Befreiungsarmee EZLN im südmexikanischen Chiapas rief Roten Alarm aus, weil auch dort repressive Schläge befürchtet werden, die die dortige Selbstverwaltung gefährden könnten. Hunderte von Organisationen der "Anderen Kampagne", in der inzwischen über 1.000 Gruppen aus Mexiko zusammengeschlossen sind, sowie Gruppen aus über 60 Städten in über 40 Ländern führten in den folgenden Tagen friedliche Protestaktionen wie Blockaden und Kundgebungen durch, um die Freilassung der politischen Gefangenen und das sofortige Ende der Repression zu fordern.



Im Kontext des EU-Lateinamerika-Staatsgipfels im Mai in Wien z.B. kam es zu mindestens fünf Demonstrationen gegen die Regierungspolitik von Mexiko. Aufgrund des globalen Echos musste die Regierung die Gewaltexzesse seitens der Polizei einräumen; auch die regierungsnahen Medien mussten zurückrudern und boten Marcos den Raum für ein ausführliches Interview auf CNN-Lateinamerika - wobei die Grundbedingung seitens der RebellInnen lautete, dass keinerlei Kürzungen vollzogen werden.



Die Situation im Land bleibt gespannt. Es wird befürchtet, dass ein weiteres Vorgehen gegen die "Andere Kampagne" zu einer erheblichen Eskalation in ganz Mexiko führen könnte. Die "Andere Kampagne", Menschenrechts- und Solidaritätsorganisationen rufen daher weiter zu friedlichen Protestaktionen gegen die mexikanische Regierung auf.



Wir fordern:



- Schluss mit dem Staatsterror in Mexiko!

- Bestrafung der Polizisten und Regierungsfunktionäre, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind!
- Freiheit für die politischen Gefangenen!
- Solidarität mit der FPDT und dem Widerstand in Atenco!

- Solidarität mit der EZLN!

- Solidarität mit der „Anderen Kampagne“!



Gruppe B.A.S.T.A. 27.5.2006



Daimler-Reklame (Mexiko) mit Steuergeldern

Liebe KollegInnen,

Vom 29. bis zum 31. März wird im Brüssel eine Sitzung des
Interparlamentarischen Ausschusses Europaparlament-Mexikostattfinden,
der nach dem Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EU und
Mexiko als ständiges Organ eingerichtet wurde. In der Anlage senden
wir Euch das offizielle Programm des Treffens. Was wir von der ila
für einen ziemlichen Hammer halten ist, dass in diesem Programm am
31. Mai um 13 Uhr ein "Almuerzo ofrecido por la empresa DAIMLER-
CHRYSLER", ein Mittagessen, zu dem DAIMLER-CHRYSLER einlädt,
stattfinden soll. Das von den Parlamenten der EU und Mexikos
ausgerichtete und finanzierte Treffen bietet dem Konzern die
Möglichkeit zu einer Lobbyveranstaltung in eigener Sache.
Verantwortlich dafür ist die Vorsitzende der EU-Mexiko-Delegation,
die niedersächsische SPD-Europaabgeordnete Erika Mann
(www.erikamann.com) - Wir denken, dass nach den Informationen über
die Politik von Mercedes-Benz während der Militärdiktatur in
Argentinien und den jüngsten amnesty-Berichten über DaimlerChrysler
in Brasilien, über Briefe oder Presseerklärungeneinpaar kritische
Fragen an das Büro von Frau Mann gerichtet werden sollten, was sie
sich dabei gedacht hat, einEuropäisch-Mexikanisches
Parlamentariertreffen zu einer Lobbyveranstaltung von DaimlerChrysler
umzufunktionieren.
Mit besten Grüßen von der ila
Gert Eisenbürger



Mehr als ein Schussopfer in Atenco, erklärt NGO Arzt

Mindestens drei der Geschlagenen wurden im Gefängnis besucht; der
schwerste Fall benötigt Einweisung in einem Krankenhaus

von Emir Olivares Alonso La Jornada, 24. Mai 2006

Am Tag des Polizeiüberfalls auf San Salvador Atenco wurden mehrere
Personen durch Schusswaffen verletzt, nicht nur Francosco Javier
Cortes Santiago - der Jugendliche, der getötet wurde - erklärte Dr.
Fernando Rubi Apreza, von der Multidisziplinären Organisation für die
Gesundheit von Indigenas und Marginalisierten Bevölkerungen (OMSPIM)

Zusammen mit einem weiteren Mitglied der OMSPIM, Guillermo Selvas -
der gemeinsam mit seiner Tochter Marina verhaftet wurde, eine
Studentin der Nationalen Schule für Anthropologie und Geschichte -
kam der Arzt nach Atenco, um für die verletzten Bewohner, vom 3. Mai
ärztliche Hilfe zu leisten.

"Wir haben Menschen mit Schusswunden gesehen. Ich habe einen solchen
Verwundeten versorgt, der durch eine Kugel verletzt worden war. Er
wurde behandelt und dann in ein Krankenhaus gefahren. Er gehörte zu
denen, die von einer Schusswaffe Kaliber 38 verletzt worden waren.
Ich habe Erste Hilfe geleistet," erklärte er.

Als er herausfand, dass sein Freund Dr. Guillermo Selvas verhaftet
worden war, beschloss Rubi Apreza nach Almoloya de Juarez im
Bundesstaat México zu fahren, um zu versuchen ihn zu besuchen.

Der Doktor versuchte mehrmals in das Santiaguito Gefängnis Einlass zu
erhalten; bei einem Versuch war er erfolgreich.

Bis heute ist er der einzige, dem es außer den Behörden gelungen ist,
sich im Santiaguito Gefängnis weiter als bis zu den Warteräumen
Eintritt zu verschaffen. Der Doktor erklärte, es sei ihm letzte Woche
gelungen die drei Gefangenen zu sehen und zu untersuchen, die sich
infolge der Schläge der Polizisten während des Einsatzes in San
Salvador Atenco "im ernstesten Zustand" befinden.

Wie er berichtete, gelang es ihm am Samstag, den 13. Mai, dank eines
medizinischen Pflegers, der mit Octavio Castilla - ebenfalls
festgenommen - sympathisierte, in das Gefängnis eingelassen zu
werden. "Dieser junge Mann leidet an einer Niereninsuffizienz infolge
eines Prostatatraumas und benötigt dringend eine Sonde um die Blase
abschwellen zu lassen. Ich durfte in meiner Eigenschaft als Arzt nur
ihn alleine behandeln, aber ich traf mich auch mit einigen
Angehörigen des medizinischen Gefängnispersonals."

Am nächsten Tag jedoch, kam er mit der Kommission überein,
eingelassen zu werden um Wasser und Süßigkeiten für die Gefangenen in
Hungerstreik abzuliefern, und dank des medizinischen Personals, die
er am Vortag kennen gelernt hatte, sei es ihm möglich gewesen in den
Krankentrakt zu gelangen.

"Sie erlaubten mir dort einzutreten um die Gefangenen zu behandeln.
Zunächst kümmerte ich mich um die Schwerstverletzten." Bei diesen
handelte es sich um Heriberto Nopaltitla, ein 58-jähriger Campesino;
Arnulfo Pacheco, 55, der nicht gehen kann, und Paulino Zavala, ein 60-
jähriger Zimmermann.

Der Doktor berichtet, dass Nopaltitla an multiple Frakturen an einem
Arm, Handgelenk und Fingern leide. "Sein Körper ist mit Prellungen
und toter Haut übersät; ich stellte Rippenfrakturen fest; ich konnte
an seinem Schädel 19 Verletzungen zählen. Diese Verletzungen sind
lebensgefährlich, da die Prellungen die Blutgerinnung fördern, es
löst sich nicht auf, sondern zirkuliert so in Blutkreislauf. Dadurch
können Schäden der Blutgefässe im Gehirn entstehen, zum Beispiel eine
Thrombose, was zu einem anhaltenden Koma führen könnte."

Der schwerste Fall von den dreien ist seiner Meinung nach Pacheco,
der durch seine körperliche Behinderung weniger Widerstand leisten
konnte, und sehr schwer verprügelt wurde. Pacheco, so der Arzt, hat
Wunden am ganzen Körper, und dieser Zustand habe ein "Trauma"
verursacht, das den Verlust der Darmkontrolle zur Folge hatte.
"Darüberhinaus, hat er jetzt nach acht Tagen noch immer Blut im Urin,
und entzündete Beine durch aufgestaute Flüssigkeit, aufgrund der
Schläge. Sein Rachen wurde durch ein Schlag in die Kehle verletzt,
deshalb ist es schwierig für ihn zu essen; er hat mehrfache
Rippenfrakturen. Von den dreien hat er die schwächste körperliche
Verfassung. Um sein Leben nicht zu gefährden, sollte er in ein
Krankenhaus eingewiesen und von einem Spezialisten behandelt werden.
Im schlimmsten Fall kann es bei ihm zu einem Hirnschlag oder
Herzinfarkt kommen."

Zavala, der an Diabetes leidet, "sieht aus wie eine Landkarte von
Blutergüssen", so der Arzt weiter. Darüber hinaus habe er
Verletzungen am Schädel, Gesicht und Nase, zwei gebrochene Rippen und
Atemprobleme.

Fernando Rubi Apreza erklärte, zusätzlich zu der Untersuchung dieser
drei Männer, habe ihm das medizinische Personal geholfen sich Zugang
zu den Zellen zu verschaffen, wodurch es ihm möglich war die
Gefangenen zu behandeln. "Ich gab den Frauen den Vorzug, und ich
konnte Barbara Italia Mendez behandeln, die mit Händen und
Gegenständen vergewaltigt worden ist. Sie zogen sie halb aus und
stellten sie auf den Rücken, außer dass sie verletzt und befingert
wurde, wurden auch ihre Genitalien misshandelt; sie war die einzige,
die ich untersuchen konnte."

Wie Rubi Apreza berichtet, habe es sich aus irgendeinem Grund im
Gefängnis herumgesprochen, dass ein Arzt die Gefangenen behandelte,
was das Krankenpersonal veranlasste ihn zu ersuchen die Einrichtung
zu verlassen. Der Doktor wendete sich jedoch schriftlich an den
Direktor für Prävention und Soziale Rehabilitation des Bundesstaates
México, Alejandro Carmona, und ersuchte um Zugangserlaubnis zum
Gefängnis, um seine medizinische Untersuchung der Gefangenen
fortzuführen.

* * *

(übs. von Dana)





Der "Rettungseinsatz" von Atenco, von der PFP geplant und von Fox bewilligt

Radio- und Fernsehkommentatoren, freiwillig oder unbewusst,
Teil der psychologischen Kriegsführung für die Rechtfertigung
der paramilitärischen Aktion vom 4. Mai.

Von Carlos Fazio La Jornada

21. Mai 2006

Am 4. Mai gab die Bundesregierung Befehl zur Durchführung eines
psychologischen Einsatzes in der Gemeinde von San Salvador Atenco.
Die sogenannte "Operation Rettung" wurde in voraus von anti-
subversiven Experten der Präventiven Bundespolizei (PFP), mit Hilfe
von Agenten des Zentrums für Ermittlung und Nationale Sicherheit
(CISEN) und der Sicherheitsbehörde des Bundesstaates Mexiko (ASE)
entworfen und geplant. Der Reichweite des Einsatzes und der
politischen Konjunktur des Landes nach zu urteilen - die letzte Phase
eines Wahlkampfes, der von "Hasskampagnen" und einem schmutzigen
Medienkrieg gekennzeichnet ist - muss die paramilitärische Operation,
unter dem Deckmantel der Polizei, nicht nur unter Absprache mit
Vicente Fox; Nationalem Sicherheitskabinett erfolgt, sondern auch mit
seiner ausdrücklichen Bewilligung unternommen worden sein.

Streng genommen handelte es sich dabei um eine chirurgische
Militäroperation, der eine kurze aber effektive Propagandakampagne
vorausging. Ihre Hauptziele waren, die Erringung der "Kontrolle" über
eine Gemeinde, die sich in den Händen einer Gruppe sozialer und
politischen Dissidenten befand, und die Enthauptung der Front der
Dörfer für die Verteidigung des Landes (FPDT), deren Mitglieder von
den Kommandanten der Militäraktion als "Delinquente", "Subversive"
bezeichnet, und mit dem "organisierten Verbrechen" in Zusammenhang
gebracht wurden.

Der Einfall in Atenco am 4. Mai, mittels einer schnellen und
unverhältnismäßig brutalen Umzingelungsaktion der Sondereinsatzkräfte

der PFP, unterstützt von Agenten der staatlichen Polizei, kann am
besten als etwas beschrieben werden, das im militärischen Jargon als
"Bevölkerungskontrolle" bekannt ist. Diese Art von Einsatz, der auf
der "Lacheroy Doktrin" basiert - benannt nach Oberst Charles
Lacheroy, der sie in der Schlacht von Algier, nach der französischen
Niederlage von Dien Bien Phu einsetzte - ist Bestandteil der
psychologischen antisubversiven Kriegsführung, eine Form der
irregulären (nicht-konventionellen) Kriegsführung, kombiniert aus dem
gezielten Einsatz nachrichtendienstlicher und Öffentlichkeitsarbeit,
Propaganda und Massenkontrolle innerhalb eines spezifischen Gebietes.

Den Ereignissen vom 4. Mai ging am Tag zuvor ein blutiges Handgemenge
zwischen rebellierende Campesinos und Sicherheitskräfte voraus. An
der Oberfläche könnte es so aussehen, als ob sich die gewalttätige
Auseinandersetzung aus einem "kleinen" Zwischenfall entwickelt hätte:
die Vertreibung von acht Blumenverkäufern von einem Marktplatz im
Bezirk Texcoco. Aber unter Betrachtung der Richtlinien eines
Handbuches für "Sonder-" (oder "psychologische") Einsätze", das vom
Nationalen Verteidigungsministerium (SEDENA) benutzt wird, lassen die
Ereignisse der "Schlacht von Atenco" im Rückblick vermuten, dass die
Rebellion der Bevölkerung von Atenco "herbeigeführt" gewesen sein
könnte.

Eine Grundkomponente der "psychologischen Kriegsführung" ist
Propaganda, welches das Ziel verfolgt "die Herzen und Meinungen der
Bevölkerung zu gewinnen". Propaganda versucht die "Anfälligkeiten"
der Menschen auszubeuten (Furcht, Unsicherheit, Wut, Nostalgie,
Sorge) und "die Meinungen, Emotionen, Haltungen und Verhalten
freundlicher, feindlicher und neutraler Gruppen zu beeinflussen, um
nationale Interessen oder Ziele zu erreichen", so das Handbuch.

Propaganda wird durch die Massenmedien verbreitet, ganz besonders
durch Radio und Fernsehen, und die grundsätzlichen "Ziele" dieser
psychologischen Kriegsführung sind, die Unterstützung "freundlicher"
sozialer Gruppen zu verstärken, "Feinde" zu diskreditieren und zu
schwächen, und die Sympathie der "Neutralen" zu gewinnen. In dieser
Phase, versucht die Propaganda durch sogenannten
Motivationspsychologie, dem Einzelnen drei verschiedene Reaktionen zu
entlocken: Aggression, Konformität, und Resignation oder Apathie.

fue seguido de un desmesurado desplazamiento de la fuerza pública de
los tres niveles de gobierno (municipal, estatal y federal) a San
Salvador Atenco, para "reabrir"el tránsito en una carretera
bloqueada.

Bei sorgfältiger Analyse der einzelnen Schritte der Ereignisse vom 3.
Mai, wird ersichtlich, das ein "kleiner" Zwischenfall auf einem
Marktplatz von Texcoco, der durch Dialog und Verhandlung hätte
geregelt werden müssen, von einer exzessiven Machtentfaltung aller
drei Regierungsebenen (munizipal, staatlich und bundesstaatlich) in
San Salvador Atenco gefolgt wurde, um eine blockierte Strasse
"wiederzueröffnen".

Die Polizeiaktion erweckte die Wut der Atenco-Bewohner, die daraufhin
die Polizisten mit Stöcke, Steine, Molotowcocktails und Macheten
zurücktrieben. Reporter der wichtigsten Radio- und Fernsehstationen
waren bereits dabei über das "Szenario" zu berichten, und die
Ereignisse "live" und "direkt" zu übertragen. Zusammen mit dem
ungeordneten Rückzug der Präventiven und Staatlichen Polizei,
konzentrierten sich die Bilder und Kommentare der Radio- und
Fernsehreporter ausschließlich auf das brutale Zusammenschlagen eines
wehrlosen Polizisten, der am Boden lag, durch eine kleine Gruppe von
Ejidobewohnern.

In den weiteren Stunden, und im Kontext der brutalen
paramilitärischen Vergeltung der Gesetzeskräfte (4. Mai), war das
Bild des "halbtoten, am Boden ausgestreckten Polizisten, dem brutal
in die Eier getreten wird", wie Ciro Gómez Leyva das ausdrückte -
ebenfalls von seiner Kollegin Carmen Aristegui hervorgehoben, die es
vorzog das Wort "Hoden" zu verwenden - ein Schlüsselelement um die
öffentliche Meinung davon zu überzeugen, dass es sich bei den Atenco-
Bewohnern um eine "kleine gewalttätige Gruppe" handelte,
"Subversive", zusammengestellt aus "Irrationalen", "Barbaren", die
der "vollen Gewalt des Gesetzes" ausgesetzt werden sollten.

Handbücher zur Aufstandsbekämpfung weisen an, "Um zu überzeugen,
müssen alle psychologischen Maßnahmen auf die kumulative Kraft der
Wiederholung aufbauen" (ähnlich wie Werbespots). Und so überzeugte
und provozierte die endlose Wiederholung des "halbtoten" Polizisten
(ähnlich wie das Bild der Flugzeuge, die am 9/11 in die Twin Towers
von New York krachten), die Beeinflussung und/oder zwanghafte
Aufhetzung "freundlicher" Sprecher und Herausgeber, die sich entweder
bewusst oder unbewusst der Propagandakampagne zur Aufstandsbekämpfung
anschlossen, und "spontan" dazu aufriefen, die "harte Hand" des
Gesetzes gegen die "Feinde" des Regimes anzuwenden.

"Das Radio," so das Handbuch, "besitzt die bewegende Macht des
gesprochenen Wortes. Experten für Radiopropaganda," - hier wird auch
auf die "Stimmen von Persönlichkeiten, die bedingungsloses Vertrauen
erwecken" angespielt, man denke zum Beispiel an den "Radioreporter"
Joaquín López Dóriga - "können nur durch den Ton, die Resonanz,
Betonung oder Artikulation ihrer Stimme, einen enormem Einfluss auf
die Gefühle ihrer Zuhören ausüben." (Das gleiche gilt natürlich auch

für die Nachrichtensprecher im Fernsehen.)

Ein anderer Faktor, der sich auf die Ereignisse verschärfend
auswirkte, und der "erfabelten" Version der Realität Beistand
leistete, war die Verbreitung von "Gerüchten", ein Grundelement der
"schwarzen Propaganda", wie üblich bei verdeckten Operationen
angewendet. In einem Handbuch des SEDENA ist zu lesen, "Gerüchte sind
Informationen von zweifelhafter Authentizität und undurchsichtiger
Herkunft." Weiter heißt es, "Gerüchte rufen im allgemeinen
demoralisierende Hysterie und Panik hervor." So half das Gerücht, es
hätte in Atenco "ein bis zwei" tote Polizisten gegeben, das als
(nicht verifizierte) "Nachricht" am 3. Mai durch die Massenmedien die
Runde machte, ein Klima der Hysterie und Panik zu erzeugen, und
bereitete durch die Manipulation der Emotionen (das heißt, durch die
Ausnutzung von Hass und Furcht), die öffentliche Akzeptanz für die
brutale Repression am folgenden Tag vor.

Nach Aussage von Vizeadmiral Wilifrido Robledo, Chef der ASE und
einer der Befehlshaber bei der Operation zur Aufstandsbekämpfung, lag
eins der Hauptziele darin "die Kontrolle über das Dorf
wiederzuerlangen", von dem es hieß, es befände sich in den Händen
einer Gruppe von "Entführern" und "Mördern", die mit dem
"organisierten Verbrechen" in Verbindung standen. Die Hypothese der
"Subversion", die in den nächsten Tagen von den Massenmedien bis an
die Grenze des Erträglichen aufgebauscht wurde, hatte das Ziel die
Opfer der Repression in das Sichtfeld des Bundesgesetzes gegen das
Organisierte Verbrechen zu platzieren, das besagt: "Der Vorwurf des
organisierten Verbrechens besteht, wenn drei oder mehrere Personen
vereinbaren sich zu organisieren, mit dem Zweck der ständigen oder
wiederholten Ausübung von Delikten, wie Terrorismus, Geldfälschen,
illegaler Waffenkauf- und Handel, Menschenschmuggel, Organhandel,
Überfälle, Entführungen, Kinderhandel und Autodiebstahl".

Aber über den aufrührerischen und manichäischen Gebrauch dieses
Gesetzes als neues repressives Staatsinstrument hinaus, um soziale
Konflikte durch deren Kriminalisierung zu handhaben, sollte der
Atenco Einsatz auch ein Denkzettel sein, um die "Zielbevölkerung"
dieser repressiven Regierungsaktion durch Furcht und Terror zu
paralysieren. Auf diese Weise sollen die Kämpfe der FPDT und
ähnlicher Gruppen im ganzen Land gehemmt oder ausgeredet werden. Dies
erklärt auch, weshalb die wehrlosen Opfer der Gewalt mit einer
solchen Wut unterdrückt wurden, und weshalb die Sicherheitskräfte
Folter und physische und sexuelle Misshandlung gegen Frauen und
Männer einsetzten, die bereits als Gefangene hilflos gemacht worden
waren.

Andere komplementäre Elemente beinhalteten: den Gebrauch von
Kopfhauben während den Verhören, die Folter und Erniedrigung der
Gefangenen, den Einsatz von Spionen, Agent Provocateurs und
Informanten; gewaltsame Hausdurchsuchungen durch bewaffnete
Uniformierte, und die Zerstörung von Häusern, mit Raub von
Besitztümer als Kriegsbeute. Hinzu kommt, wie oben dargelegt, die
Verwendung der Medien zu Propagandazwecke durch die "Gleichschaltung"
der Botschaft, eine Technik, die von Joseph Goebbels in
Nazideutschland eingesetzt wurde, um die zwanghafte und einheitliche
Linientreue der Bevölkerung zu gewährleisten.

Der Einsatz von Atenco vereinte somit Elemente der französischen
Schule, die von Colonel Massu und seine Fallschirmjäger in der
Schlacht von Algiers im arabischen Viertel von Casbah eingesetzt
wurden, um dann nach Lateinamerika während den "Schmutzigen Kriegen"
der 70er Jahre importiert zu werden, die Jahre des Staatsterrorismus
und von Operation Condor, wie die repressive und völkermörderische
Allianz der Diktaturen damals im Cono Sur damals genannt wurde.

* * *

(übs. von Dana)

Originaltext: La Jornada,
http://www.jornada.unam.mx/2006/05/20/020n1pol.php Englisch:
http://www.narconews.com/Issue41/article1834.html



Dieser Text enthält zwar keine neuen Informationen zu Atenco, aber
vielleicht eine kleine Lektion in Punkto "Entscheidungsfindung in der
Anderen Kampagne" :^).

* * *

Marcos: "Keine Bewegung ist legitimer, als die für die Freilassung
der Gefangenen von Atenco"

von Emir Olivares Alonso La Jornada, 21. Mai 2006

Die Bewegung für die Freilassung der Gefangenen von San Salvador
Atenco, und für Gerechtigkeit für die Frauen, die sexuell angegriffen
und missbraucht worden sind, "hat einen internationalen Rückhalt, den
weder der Streik der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko
(UNAM), noch die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN)
hatten," erklärte so Subcomandante Marcos in seiner Ansprache an die
Versammlung der Studentengruppe.

Die Ereignisse in Atenco, so Delegado Zero weiter, hätten eine solche
internationale Relevanz hervorgerufen, dass "Frauen auf der ganzen
Welt sich mobilisieren", damit eine solche Repression sich nicht
wiederholt.

"Jede Frau, ob hier anwesend oder nicht, steht morgens auf, duscht
und macht sich zurecht und betrachtet sich im Spiegel, und fragt
sich, 'mach ich mich gerade zurecht, damit mich diese Mistkerle
festnehmen und vergewaltigen?' (...) Dieses Gefühl der Wehrlosigkeit,
das sich dank der Haltung der Compañeras und der anderen Gefangenen
in Wachsamkeit verwandelt hat, hat eine legitime Bewegung ins Leben
gerufen. Es gibt im ganzen Land keine Bewegung, die so legitim ist,
wie die Bewegung für die Freilassung der Gefangenen vom 3. und 4. Mai
in Atenco. Keine einzige."

Er ermahnte dazu, dass nach den Denunzierungen der Vorfälle bei den
Festnahmen in Atenco und auf dem Weg ins Gefängnis Santiaguito in
Almoloya, Bundesstaat México, die sozialen Gruppen gewährleisten
müssten, dass alle Frauen "ganz besonders beschützt werden", denn
"wir werden nicht zulassen, dass sich die Ereignisse von vor zwei
Wochen wiederholen."

Keine politische Organisation besitze eine ähnliche Legitimität wie
diese Bewegung, erklärte Marcos, "Es wurde bestenfalls ein Interview
beigesteuert, das Ärgernis hervorrief; so glauben wir."

Nach seinem Auftritt im öffentlichen Fernsehen, fingen die Medien an
die Haltung zu revidieren, dass die Anwohner von San Salvador Atenco
die Aggressoren gewesen seien, und "inzwischen ist dem Polizeieinsatz
jegliche Legitimität abhanden gekommen; noch dazu war er illegal,
aber darum müssen sich die Anwälte kümmern."

Die Gruppenversammlung, die Gestern im Che Guevara Auditorium der
UNAM Fakultät für Philosophie und Literatur abgehalten wurde, dauerte
mehr als sieben Stunden, während etwa 400 Studenten in Anwesenheit
von Delegado Zero, die Aktionen diskutierten, die sie in Erwiderung
auf die Ereignisse in Atenco durchzuführen planten.

Subcomandante Marcos drängte sie zuzuhören, und keine Entscheidungen
für die Abwesenden zu treffen, da es "nicht darum geht das Treffen so
lange wie möglich hinauszuziehen; vor sieben Stunden waren es 400
(Teilnehmer), und nach der Stimmzählung waren es 150. Und die anderen
250? Und die Tausende Unterstützer der Anderen Kampagne? Die sind
angeschissen! Die Gruppe hat bereits entschieden, und so wird es
ablaufen, obwohl die Andere Kampagne sagt, dass es andere Wege gibt
Politik zu betreiben. Wir haben gesagt, der organisatorische Prozess
muss respektiert werden."

Delegado Zero kritisierte die Weise der Studenten zu diskutieren. "Es
ist gut, dass man sich alle Positionen anhört, aber es müssen auch
jene berücksichtigt werden, die nicht anwesend sind. Das ist doch
gerade, was wir vorschlagen." Bei der Versammlung sollte vor allem
darauf geachtet werden, die Bewegung nicht zu verschleißen.

"Wir als Gruppe können nicht entscheiden. Die Andere Kampagne hat
niemals gesagt, dass eine Gruppe für alle Unterstützer Entscheidungen
treffen kann. Das galt auch für die letzte Versammlung im Che (am
letzten Samstag), als wir gesagt haben, dass wir keine Entscheidung
treffen können. Wir können vorschlagen, aber nicht entscheiden."

Nach einer langen Versammlung kamen die Studenten überein, an den
Aufmärschen teilzunehmen, die für den 28. Mai vom Angel de la
Independencia zum Zocalo ausgerufen wurden, sowie an den Marsch vom
10. Juni. Sie vereinbarten ebenfalls die Informationsbrigaden
weiterzuführen, und eine weitere Versammlung am 26. Mai einzuberufen.

* * * (übs. von Dana)

Originaltext: La Jornada
http://www.jornada.unam.mx/2006/05/21/014n1pol.php