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:: POLITISCHE
LAGE
Méxiko: zwischen Vorwahlkampagne und
der “Anderen Kampagne” der Zapatistas
Méxiko: zwischen Vorwahlkampagne
und der “Anderen Kampagne” der Zapatistas
Regierungsbericht des Präsidenten ohne
große Erwartungen oder größere Auswirkungen
Anfang
September präsentierte der mexikanische Präsident Vi
cente Fox Quesada, ein Jahr vor Ende seiner
Regierungsperiode, seinen fünften Regierungsbericht.
Dies war mehr ein protokollarischer Akt, kurz u nd ohne
„harte Fakten“. Präsident Fox konzentrierte seine
Botschaft auf zwei zentrale Ideen. Den Übergang zur
Demokratie und einen Aufru f zur Schaffung von
Vereinbarungen. Dieser Aufruf, der sich vor allem an den
Kongress richtete, scheint paradox, wenn man sich darauf
besinnt, das s in den letzten 5 Jahren kaum signifikante
politische Verträge geschlossen wurden und dass der
Wahlkampf die Interessen der einzelnen Parteien no ch
verstärkt, was die Möglichkeiten, fundamentale Reformen,
die auf einem Konsens beruhen zu treffen, stark
einschränkt. Dass die Präsentation des
Regierungsberichtes dieses Jahr kaum Auswirkungen zeigt,
hat vor allem damit zu tun, dass sich die politische De
batte in Mexiko auf den Wahlkampf konzentriert. Die
Auswahl der Kandidaten für das Präsidentschaftsamt haben
die wichtigsten Parteien schon ge troffen, womit sich
auch die internen Konflikte innerhalb der Parteien
intensiviert haben.
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PRI: Auseinandersetzungen zwischen
möglichen Kandidaten und ein Führungswechsel
Nachdem die PRI im Jahre 2000, nach
71 Jahren als Regierungsmacht, die Wahlen und somit das
Prä sidentschaftsamt verlor, fungiert sie dennoch auf
lokaler und bundesstaatlicher Ebene, sowie im Kongress
weiterhin als erste politische Kraft Mexiko s. Die
Gouverneurswahlen im Bundesstaat Mexiko im vergangenen
Juli wurden als mögliches Barometer für die kommenden
Wahlen 2006 gehandelt. D er Kandidat der PRI, Enrique
Peña Nieto, ging haushoch als Wahlsieger gegenüber den
Kandidaten der anderen Parteien hervor.
Von Seiten der PRI werden Roberto
Madrazo auf der einen und Arturo Montiel auf der anderen
Sei te als Kandidaten aus den eigenen Reihen für das Amt
des Präsidenten gehandelt. Roberto Madrazo ist
Bundesvorsitzender der PRI und verfügt ü ber ein hohes
Maß an Kontrolle über die Parteistruktur und großen
Einfluss auf lokale Wahlen. Arturo Montiel ist
Exgouverneur des Bundesstaa ts Mexiko und führender Kopf
einer Strömung innerhalb der PRI, die sich
„demokratische Einheit“ nennt, auch bekannt als „alle
vereint gege n Madrazo“. Trotzdem sind die Streitereien
zwischen beiden weiterhin in den Medien präsent und sind
nur zum Teil durch ihr Zusammenfallen mit der Wahl des
Parteivorstandes verdeckt worden, was die Brüche
innerhalb der Partei verstärkt hat.
Im August, in Abwesenheit von Elba
Esther Gordillo, hat der Anti Madrazo Generalvorstand
der P artei, der ein Vorrecht auf das Amt des
PRI-Präsidenten geltend machen konnte, die Nachfolge mit
der Ernennung von Mariano Palacios Alcocer gesich ert.
Elba Esther Gordillo strengte einen Prozess beim
Nationalen Wahltribunalgerichtshof TEPJF an, um diese
Ernennung rückgängig zu machen. Inmitten von all diesen
Spannungen bestätigte der TEPJF schließlich die
Ernennung und Gordillo beschloss, das Amt der
Generalsekretärin zu las sen, um die Möglichkeit
wahrzunehmen sich als Vorkandidatin zu Wahl zu stellen,
einen anderen Kandidaten zu unterstützen oder sogar
einer andere n Partei beizutreten.
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PAN: Interne halbgeheime Wahl
Im Falle der PAN (Partei der
nationalen Aktion), ringen Alberto Cárdenas Jiménez,
Felipe Ca lderón Hinojosa und Santiago Creel Miranda um
die Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten. Santiago
Creel Miranda wird als Vicente Fox Kandid at gehandelt
(bis vor kurzem hatte er das Amt des Regierungssekretärs
unter Fox inne) und war zunächst der Favorit. Mit großem
ökonomische n und medialen Aufwand könnte der Kampf
zwischen den drei Parteiströmungen, die die drei
möglichen Kandidaten repräsentieren, zu einem Szena rio
der Spaltung führen, was die ohnehin schon geschwächte
Regierungspartei noch mehr schwächen würde.
Die internen Wahlen sind
halböffentlich. Die erste Wahlrunde findet in drei
Phasen zwischen September und Oktober (in den einzelnen
Bundesstaaten) statt. In der zweiten Phase im November
werden alle Parteimitglieder des Landes zur gleich en
Zeit ihre Stimme für einen der Kandidaten abgeben. Am
11. September hat Felipe Calderón Hinojosa die erste
regionale Abstimmung gewonnen. Man geht davon aus, dass
der Vorsprung den er gegenüber Creel hat, darauf zurück
zu führen ist, dass die Mitglieder damit ihre Ablehnung
gege nüber der Regierung Fox ausgedrückt haben.
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PRD und López Obrador
Am 30. Juli hat sich Andrés Manuel
López Obrador (AMLO), nachdem er das Bürgermeisteram t
in Mexiko Stadt niedergelegt hatte, als Wahlkandidat
registrieren lassen. Wegen seiner Popularität ist er mit
ziemlicher Sicherheit der Präs identschaftskandidat der
PRD. Die Polemiken die sich um seinen möglichen Betrug
ranken (was ihn als Kandidat für die Präsidentschaft
disqual ifiziert hätte) haben ihn letzten Endes eher
gestärkt als geschwächt. Auf der anderen Seite
garantierte ihm seine Sozialpolitik als Regierun gschef
von Mexiko Stadt eine breite Basis in der Bevölkerung.
Dennoch brachte ihm eben diese Politik viel Kritik ein,
da AMLO eine klientilistis che Beziehung zu seinen
Unterstützern unterhält und weil er die
Haushaltsschulden von Mexiko Stadt von 28.718 Billionen
Pesos (2000) auf 41. 440 Billionen (2005) erhöhte.
Eine weitere Achillesferse für López
Obrador ist, dass 24 seiner Regierungsversprechen nic ht
vom Präsidenten, sondern von der Legislative abhängen.
Da die PRD es kaum schaffen wird eine absolute Mehrheit
im Kongress zu stellen, mach t das Verhandlungen
unabdingbar.
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Die Nationale Bürgerkoalition: Ein
weiterer Faktor in der Gleichung
Ende September haben ungefähr 250
gewerkschaftliche, politische, zivilgesellschaftliche
und B auernorganisationen die „Nationale Bürgerkoalition
für den Übergang zur Demokratie in Gerechtigkeit und
Gleichberechtigung“ gegründet. Bis zu dieser Zeit hatten
sie sich „Breite Linke Front“ (Frentote) genannt. An
diesem Prozess haben sich Führungspersönlichkeiten der
PRD , der Arbeiterpartei (PT) und der „Partei der
Übereinstimmung“ (Convergencia) beteiligt. Es ist
erwähnenswert, dass Cuautemoc Cardenas, hi storischer
Führer der 3 mal für die PRD als Kandidat für die
Präsidentschaftswahlen aufgestellt worden war, aber in
letzter Zeit von der Par tei eher marginalisiert wurde,
diesen Prozess mit angestoßen hat.
Damit wird versucht den Übergang zur
Demokratie zu vollenden – mit einer notwendigen Reform
des Staates - ein politisches Projekt durchzusetzen, vor
der Festlegung des Kandidaten, der es repräsentiert, und
ohne sich diesem unterzuordnen. Die Koalition hat keine
großen Chancen AMLO die Kandidatur abzuringen. Aber sie
verpflichtet diesen sein Regierungsprogramm zu
diskutieren und z u verhandeln. Wenn Lopez Obrador die
Präsidentschaft gewinnt kann diese Front entweder ein
Gegengewicht oder auch eine organisatorische Stütze
werden, eine Stütze die er, -unabhängig von seiner
Beliebtheit - im Moment nicht hat.
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Von der Sechsten Erklärung aus dem
Lakandonischen Urwald zur Anderen Kampagne
Vor diesem Hintergrund ist die
Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN)
ihren Weg vo n der Sechsten Erklärung aus dem
Lakandonischen Urwald hin zum Aufruf zur „Anderen
Kampagne“ (siehe Schwerpunktartikel)
gegangen. Die EZLN hatte ihre Beziehung mit den
politischen Parteien nach dem von ihnen so bezeichnet en
„Verrat“ der Gesetzgeber 2001 abgebrochen: In jenem Jahr
hatte der Kongress einer Verfassungsreform über Indigene
Rechte und Kultur zugesti mmt, welche sich von den
Abkommen von San Andres, die 1996 zwischen Regierung und
Zapatisten unterschrieben worden waren,
unterscheidet.
Heutzutage meint die EZLN, es gäbe
nichts mehr mit denen “dort oben” zu verhandeln, mit d
en Behörden und politischen Parteien, welche ihrer
Meinung nach nur um Macht spielen und dabei Ressourcen
verschwenden, ohne Kontakt mit den Bedü rfnissen der
Bevölkerung. Mit der Sechsten Deklaration machen sie
noch einmal klar, dass sie nichts von der aktuellen
Regierung erwarten, auch n ichts von der Nächsten, wer
immer an die Macht kommt. Trotzdem haben sie ihre neue
Initiative genau in einem Moment begonnen, indem die
politisc he Macht neu gewählt wird.
Die neue Strategie behält die
“militärische Nachhut” bei. Sie schlägt vor, weiterhi n
den Aufbau der Autonomie in Chiapas zu stärken, aber
zusätzlich einen neuen Vorschlag des Kampfes „von unten
mit der Linken“ auf nationale r Ebene zu beginnen, eine
Dimension, die von Anbeginn an schon in ihrem Namen
(„Nationale Befreiung“) präsent war. Es wird
vorgeschlagen auc h eine weitere Ebene zu vertiefen: die
Globale.
In Reaktion auf die Krise der
repräsentativen Demokratie und im Bruch mit den
Institutionen, schlägt der Zapatismus mehr als eine
Strategie vor, nämlich eine Methodolgie von unten zu
entwickeln, von denen die unten sind für die die un ten
sind: die andere Kampagne, die kommt um der politischen
Klasse die Initiative streitig zu machen, und eine
radikale Veränderung des Staates er reichen will. Sie
stellt sich direkt gegen die Eigenlogik der
Wahlkampagnen (Macht, Medien und Geld). Der Prozess
gewann nach und nach an Stär ke. Anfang September hatten
sich schon 162 soziale, 55 politische, 463
Nichtregierungs- (NGO), 103 indigene Organisationen,
Gruppen und Gemeinscha ften und 1625 Einzelpersonen
angeschlossen. Zur Vollversammlung kamen 2069 Personen.
Die Positionierung der Sechsten
Deklaration in Bezug auf die politischen Parteien und
besonders auf Lopez Obrador hat eine Debatte voller
Polemik nach sich gezogen. Die nationale Führung der PRD
bezeichnete den Sprachgebrauch des Subkomman danten
Marcos als „maßlos“ und bestritt dessen Beschuldigung
als Verräter der indigenen Sache (wegen der Reform von
2001). Für viele, di e auf AMLOs Seite stehen, wird
diese Positionierung als Klimavergiftung gewertet, mit
dem Risiko die Linke zu spalten, die doch reale Chancen
hat di e Präsidentschaft zu gewinnen. Aber für die EZLN
kommt die Position das “kleinere Übel“ zu wählen nicht
in Frage. Trotzdem soll die Sechste Deklaration (im
Folgenden Sexta) nicht eine Aufforderung zur
Wahlenthaltung bedeuten: „Der Vorschlag der Sexta ist
Allianzen zu gründen mit politischen Organisationen ohne
Wahlregister. Sie sagt weder, kämpft nicht um die Macht,
noch dass in ihren Strategien der Wahlkampf keinen Platz
haben soll. Da die Andere Kampagne in Zeiten des
Wahlkampfes stattfindet, wollen wir verhindern, dass
diese genutzt wird Kandidaten aufzuste llen, die
registriert sind (EZLN)“ Die Sexta ist auch keine
bedingungslose „prozapatistische“ Option, was die
politischen und organisatorische n Planungen
betrifft.
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Reaktionen auf die Andere Kampagne
Mitte August bemängelte einer der
eventuellen Präsidentschaftskandidaten der PAN, Felipe
Ca lderon: „Die Entscheidung für das Mittel der Gewalt
die (Marcos) getroffen hat ist eine Entscheidung die die
Demokratie ausschließt. Ich bev orzuge die Option der
Bürger mit Namen, die wir unser Gesicht zeigen, die wir
an der Politik teilnehmen und die wir ein demokratisches
Leben aufba uen, auch mit dem Risiko die Arbeit oder gar
unser Leben zu verlieren, wie es in der Vergangenheit
schon passiert ist.“ Die andere Kampagne ist
nichtsdestotrotz eine politische und friedfertige
Initiative, wie alle Initiativen der Zapatisten nach den
ersten 12 Tagen des Krieges 1994.
Ruben Aguilar Valenzuela,
Präsidentschaftssprecher teilte mit, dass er sich über
Entscheidu ng der EZLN für den politischen Weg freue. Er
unterstrich, dass die Aktionen der EZLN das Verhalten im
Wahlprozess 2006 beeinflussen können. Über die Absicht
der EZLN das Land zu bereisen äußerte er seine
Zustimmung und sagte, die Regierung von Mexiko werde
alles tun damit diese Ak tion umgesetzt werden könne.
Die Regierung Mexikos erklärte ihre Bereitschaft zum
Dialog mit dem Subkommandanten Marcos wo und wann und
über welche Themen er auch immer reden wolle.
Im Rahmen der Vollversammlung der
Anderen Kampagne lehnte die EZLN es ab ein geheimes
Treffen m it dem Friedensbeauftragten der Regierung für
Chiapas, Luis H. Alvarez zu vereinbaren, um welche
dieser in einem Brief an den Subkommandanten Ma rcos
gebeten hatte. Luis H. Alvarez bestätigte diesen Brief
geschickt zu haben, mit dem Ziel Gesichtspunkte über die
Situation in den indige nen Gemeinden, auszutauschen.
In der dritten Septemberwoche trafen
sich der Regierungssekretär, Carlos Abascal Carranza und
Luis H. Alvarez mit sieben Mitgliedern der COCOPA
(Friedenskommision der Legislative zur Unterstützung des
Dialogs zwischen EZLN und Bundesregi erung) um die
Vorschläge der Führung der EZLN zu analysieren.
Sie erkannten die Legalität der
zapatistischen Mobilisierung an. Obwohl die öffentlichen
Stimmen der Regierung die Initiative begrüßten, wurden
in den Vorbereitungstreffen von Repression im Umfeld der
Öffentlichkeitsarbeit der and eren Kampagne gesprochen,
z.B. in Oaxaca.
Mitte August wurde der Kommandant der
7. Militärregion in Chiapas, Juan Morales Fuentes gef
ragt, ob er Anweisungen in Bezug auf die Delegation der
Zapatisten im nächsten Januar hätte. Er erklärte diese
sei kein Risiko für die soz iale Stabilität. Ende August
gab das Zentrum für Investigation und Nationale
Sicherheit (CISEN) einen Bericht an das
Verteidigungsministerium (SEDENA), in welchem acht
bewaffnete Organisationen, die in verschiedenen Regiones
des Landes operieren, aufgezeigt wurden. Er erklärte nur
fü nf davon „könnten den sozialen Frieden und die
Nationale Sicherheit gefährden“: die revolutionäre
Volksarmee (EPR) und 4 Organisationen di e aus ihr
hervorgegangen sind. Die EZLN ist nicht Teil dieser
Gruppe.
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Chiapas: Mehr Kampagnen und
Spannungen
Auf lokaler Ebene dreht sich ein
großer Teil der politischen Agenda um die nächsten
Gouvern eurswahlen, nach den Präsidentschaftswahlen
(August 2006). Anfang September, hat die
Wahlkontrollkomission Prozesse gegen einige Politiker
einge leitet welche Kandidaturen anstreben: Die
Nationalratsabgeordneten Emilio Zebadúa (PRD), Manuel
Velasco (PVEM, Grüne Ökologische Partei Mexiko s); und
die Senatoren Rutilio Escandón (PRD), und José Antonio
Aguilar (PRI). Sie sind angeklagt Wahlkampf außerhalb
der legalen Wahlkampfze iten gemacht zu haben. Einige
Medien behaupten dagegen mit diesen Maßnahmen werde
versucht den Regierungssekretär, Ruben Velásquez, der
als Kandidat des jetzigen Gouverneurs Pablr Salazar
bezeichnet wird, zu bevorzugen.
Viele Leute erwarten eine hohe Zahl
an Enthaltungen bei den nächsten Gouverneurswahlen,
welch e der Rückkehr der PRI Vorschub leisten könnte.
Dies hängt sowohl mit ihrer starken Präsenz und ihrem
strukturellen Erstarken im Bundessta at Chiapas, als
auch mit den Schwierigkeiten zusammen, die andere
politische Parteien damit haben, in der aufgeladenen
parteipolitischen Stimmung di e zur Zeit herrscht, eine
Koalition zustande zu bringen, wie die, die den
derzeitigen Gouverneur im Jahr 2000 an die Macht brachte
(sie repräsenti ert acht Parteien).
In der nördlichen Zone von Chiapas
ist die Stimmung durch verhärtete Spannungen mit Gerüc
hten von neuen Gewalttaten der Gruppe „Entwicklung für
Frieden und Gerechtigkeit“ (DP&J) welche
paramilitärischer Aktivitäten beschuldigt wird,
gekennzeichnet. Im August klagte das
Menschenrechtszentrum Fray Bartolome de las Casas
erneute gewalttätige Vertreibungen mehrerer Familie n
der Gemeinde Andres Quintana Roo im Bezirk Sabanilla,
aufgrund von Agressionen und Drohungen seitens von
DP&J an.
Die Vertreibungen geschahen im Juni,
Juli und August. Es waren 20 Familien, oder 117 Persone
n davon betroffen. Die Regierung von Chiapas redet von
„Selbstvertreibung“. Die Angst ist spürbare Realität,
genau wie im Bezirk Tila.
Am 6. September kam es, auch in der
nördlichen Zone, in der Gemeinde Belisario Dominguez, z
u einem Konflikt zwischen UnterstützerInnen der
Zapatisten und der restlichen Bevölkerung mit mehreren
Verletzten. Die Ursache dieses Konflikt es ist wieder
einmal das Thema der staatlichen Dienstleistungen in
gespaltenen Gemeinden, welches wir bereits in früheren
Berichten angesprochen h aben. Die zapatistischen
Familien versuchten zu verhindern, dass Ihnen andere
Mitbewohner den Zugang zu elektrischem Strom abschnitten
und ließe n die Nationale Elektrizitätskommision (CFE)
nicht ins Dorf. Andere Bewohner organisierten sich um
außerhalb des Dorfes zu “versuchen ein Ab kommen mit der
CFE über Zahlungsrückstände zu erreichen“
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:: KURZNACHRICHTEN: Licht
und Dunkel in Guerrero
Freilassung von Felipe
Arreaga
Am 15. September wurde die
Unschuld von Felipe Arreaga Sanchez,
Umweltschützer aus Guerrero, anerkannt. Er war 10
Monate unrechtmäßig im Gefängnis (siehe in SIPAZ) Trotz allem wird
weiterhin um seine Sicherheit, die Sicherheit
seiner Familie un d anderer
Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützer in
Guerrero gefürchtet. Außerdem sind die
Anschuldigungen wegen der gleichen Straftat gegen
weitere dreizehn Umweltschützer weiterhin gültig.
Unter ihnen befinden sich Anführer der OCESP
(Organisation bäuerlicher Umweltschü tzer der
Berge von Petatlan und Coyuca de Catalan, A.C.)
wie Rodolfo Montiel – ebenfalls politischer
Gefangener von 1999 – und Albertano Pen aloza
Dominguez – Opfer eines Hinterhalts bei dem zwei
seiner Kinder ums Leben kamen.
Die Repression um das
Staudammprojekt “La Parota“ verschärft sich
Der Bau des Wasserkraftwerkes
“La Parota”, in der Nähe von Acapulco hat eine
sozi ale Polarisierung und einen Anstieg von
Gewalt erzeugt. Die Gemeinschaft des Rates der
Ejidatarios (die die gemeinsamen Landrechte haben)
und die Gemeinschaft der Oppositionellen gegen das
Staudammprojekt (CECOP) haben die Rolle der
Nationalen Elektrizitätskommision (CFE) stark
kritisiert, d a diese Spaltungen in den Gemeinden
provozieren, indem sie nicht ehrlich und
unparteilich die Bevölkerung informieren, und weil
sie denjenigen die das Projekt akzeptieren Geld
und Dienstleistungen anbieten. Sie haben die
Regierung von Guerrero beschuldigt, nicht die
Bedingungen herzustellen um den Forderungen der
Gemeinschaft zu dienen, sondern stattdessen die
Polizei einzusetzen um Oppositionelle
einzuschüchtern. Am 23.August wur den 1500
Gemeindemitglieder von Cacahuatepec, welche sich
für das Staudammprojekt La Parota aussprechen von
der CFE zu einer 20-minütigen Versam mlung
zusammengerufen, welche von 500 Polizisten umringt
wurde. Den Oppositionellen wurde der Zugang zur
Versammlung verwehrt. Die Anwesenden st immten
derweil dem Beginn der Landenteignungen zu, im
Gebiet wo der Staudamm gebaut werden soll. Dies
provozierte eine gewalttätige Auseinanders etzung.
Am 18. September wurde Tomas Cruz Zamora ermordet,
nachdem er an einer Versammlung der CECOP
teilgenommen hatte, an welcher der Gouverne ur
erwartet wurde, aber nicht kam. Es wird eine
weitere Zunahme von Gewalt befürchtet.
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SCHWERPUNKT
LA OTRA CAMPAÑA/DIE ANDERE
KAMPAGNE: EINE HERAUSFORDERUNG AN DIE VORSTELLUNGSKR
AFT
„Denn Musik besteht
nicht aus einer einzelnen Note, sondern aus vielen,
und ein Tanz ist nicht nur ein Schritt, der bis zum
Überdruss wiederholt wird. Genauso wird auch der
Frieden ein vielstimmiger, offener Klang de r Worte
und vieler Blicke auf eine andere Geografie
sein…“ Die andere
Geografie/Otra geografía. EZLN. März
2003
Um die nationale und internationale
Zivilbevölkerung zur Beteiligung aufzurufen, hat die
Zapa tistische Armee der Nationalen Befreiung (Ejército
Zapatista de Liberación Nacional/ EZLN) bisher eine
politische Strategie verfolgt, zu der Mä rsche,
Beratungen, Versammlungen und Zusammenkünfte gehörten.
Die 6. Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald (Sexta
Declaración de la Selv a Lacandona – „ la Sexta“,
veröffentlicht im Juni 2005) hält an dieser Strategie
fest und macht mehr denn je deutlich, dass der Krieg,
unt er dem Chiapas leidet, derselbe ist, den andere
Teile von Mexiko und der Welt erleiden müssen.
Gleichzeitig verlangt sie, dass die Erfüllung d er
zapatistischen Forderungen und die Lösung des
bewaffneten Konflikts in Chiapas radikal durch eine
Änderung des neoliberalen Wirtschaftssystem s erreicht
werden.
Obwohl dies nichts Neues ist, hebt
die „Sexta“ einige Unterschiede gegenüber vergangenen
Initiativen hervor. In der „Sexta“ gestehen die
Zapatisten ein, dass der Prozess der Veränderung
behindert wird, wenn sie sich nicht mit and eren
mexikanischen und internationalen Bewegungen
zusammenschließen, die ebenfalls Alternativen zum
neoliberalen Kapitalismus erarbeiten. Um sic h mit
diesen zu vereinigen, sehen sie es als notwendig an,
jene Personen und Kollektive kennen zu lernen, die
bereits aus ihren Zusammenhängen her aus neue
organisatorische Räume schaffen, neue Verbindungen
eingehen oder neue Vorschläge erarbeiten.
Die ‚Sexta’ fordert zur
Vereinigung derjenigen auf, die dieser Erklärung
beipflichte n: der Herausforderung: eine andere Art der
Politik zu gestalten; dem Ziel: ein nationales
Aktionsprogramm der antikapitalistischen Linken zu
erstel len; und der Bestimmung: eine neue Verfassung,
anders gesagt: eine Vereinbarung für eine neue
Gesellschaft. Die ‚Sexta’ schlägt eine Vorge hensweise
vor: zuhören und lernen. Und sie schlägt vor, wie dieses
Zuhören und Lernen vonstatten gehen soll: durch eine
‚andere Kampagne’ “ (EZLN, 27. August
2005)
Die ‚Sexta’ möchte die
Vorstellungskraft herausfordern, um zu erreichen, dass
„etwas a nderes“ geschaffen wird, das es ermöglicht,
alle Kräfte zu vereinigen, die aus so vielen
verschiedenen entfernten Winkeln heraus eine andere W
elt schaffen wollen, in der es Platz für alle
Unterschiede gibt. ‚Die andere Kampagne’ ist der Weg,
den die EZLN vorschlägt, um dies zu er reichen.
Der Urwald, ein Versuchslabor für die
andere Kampagne
Während der Monate August und
September lud die EZLN alle ein, die mit der ‚Sexta’ im
Zu sammenhang stehen, um zu erfahren, was sie von diesem
Vorschlag halten; um sich kennen zu lernen und zu
erörtern, was es bedeutet, links zu sein; um darüber zu
sprechen, was die Aufgabe der Linken sei, welche
Struktur diese haben sollten, welche Haltung man
hinsichtlich der Wahlen einnehmen sollte, welche
Auffassungen und Weisungen die ‚andere Kampagne’ haben
sollte; um Zeiten und Orte festzulegen.
So wurde die Vorgehensweise des
„Zuhörens und Lernens“ in Gang gesetzt, beispielhaft fü
r eine Ausübung von Politik, von der wir vieles lernen
könnten, vor allem davon, mehr zuzuhören und weniger zu
reden. Im weiteren Dialog mit der Zivilbevölkerung nahm
sich das EZLN vor, dieser erneut zuzuhören, aber diesmal
nicht von oben herab, sondern auf gleicher Ebene und
ohne ze itliche Begrenzung. Hunderte von Personen
reisten aus verschiedenen Regionen der Republik an, um
zwei oder drei Tage im Urwald zu bleiben und ange hört
zu werden. 2006 wird die EZLN durch ganz Mexiko reisen,
um diejenigen anzuhören, die nicht in den Urwald kommen
konnten, um ihre Meinung zu erfahren und das Netz der
Anhänger enger zu knüpfen.
Die Methodik, außerhalb des üblichen
Rahmens, ohne Schreibtafeln oder moderne Technik, kehr
te zum Ursprung zurück: zum Wort und dem aufmerksamen
Zuhören. Denn nach einer Weisheit der Mayas „beginnt die
Welt geboren zu werden, wenn dies eine Wort und jenes
andere Wort sich treffen und nicht in Streit geraten,
sondern sich begegnen und eine Einigung erreichen, da
sie sich gegens eitig respektieren, miteinander sprechen
und sich zuhören. Dann gibt es eine Einigung, weil das
erste Wort nicht allein geboren wird, sondern ei n Gehör
besitzt und mit dem Gehör, im Zuhören, ist es, als ob
die ersten Wörter wachsen, da sie ein Einverständnis
erreichen, und die erst en Wörter, die sich begegneten
und die ein Einverständnis erreichten, erdachten als
Erste die Welt und erschufen sie wenig später.“ (EZLN,
13.August 2005)
Die ‚andere Kampagne’ in Zeiten der
Wahlen
Die klare und überzeugende Abgrenzung
der EZLN von den politischen Parteien, und insbesonder e
von der Partei der demokratischen Revolution (Partido de
la Revolución Democrática – PRD) hat einige, die vorher
auf der Seite der EZLN ware n, veranlasst, sich von der
‚anderen Kampagne’ zu distanzieren. Die EZLN wusste im
Voraus, dass sie mit diesem Vorschlag einen großen Teil
d er bereits bestehenden Beziehungen riskierte; ihr war
bewusst, dass ein Teil der nationalen und
internationalen Zivilbevölkerung diese Initiative weder
verstehen noch billigen würde. In diesem Sinn kann man
auch den „Abschiedsbrief“ lesen, der an die
Zivilgesellschaft geschickt wurde, kurz nachdem am
21.Juni 2005 die Alarmstufe Rot ausgerufen wurde. Die
‚Sexta’ strebt eine Wende in der Beziehung zwischen der
EZLN und der Z ivilbevölkerung an, mit dem Ziel einer
wechselseitigeren Beziehung auf gleicher Ebene. Diese
Haltung ist in den vorbereitenden Versammlungen zu
spüren gewesen. Dass der EZLN ein weit reichender und
pluraler Aufruf gelungen ist, hat ihre ethische
Legitimität bestätigt.
Seit die anwesenden Organisationen
ihren Respekt erklärt haben, haben sie jedoch nicht
aufgeh ört, Kritik an der zapatistischen Leitung zu
üben, im Wesentlichen deshalb, weil sie die spürbaren
Unterstützung in den Momenten der größ ten politischen
Repression vermisst haben. Dies war der Fall bei der
Nationalen Revolutionären Gewerkschaft der Arbeiter von
Euzkadi (Sindicato Nacional Revolucionario de
Trabajadores de Euzkadi) oder dem Indigenen Volksrat von
Oaxaca (Consejo Indígena Popular Ricardo Flores Magón de
Oax aca – CIPO-RFM). Auch die feministischen
Organisationen von San Cristóbal de Las Casas verlangten
eine Erklärung, nachdem sich herausgestellt hatte, dass
ihre Arbeit mit den zapatistischen Frauen behindert
wurde. Viele Teilnehmer machten klar, dass sie nicht
gewillt seien, Befehle entgeg enzunehmen oder
Leitfiguren zu folgen. Und die EZLN erkannte Fehler und
Irrtümer auf dem Weg an, sie bedankte sich für die
Offenheit und beton te erneut ihr Engagement und ihre
Loyalität gegenüber denen, die an dieser Kampagne
teilnehmen, bei der die EZLN nicht im Zentrum stehen
oder di e Führung übernehmen will.
Das Umfeld der vorbereitenden
Versammlungen entsprach den jeweils geladenen
Organisationen. A n der ersten nahmen links gerichtete
politische Organisationen teil. Wenngleich das EZLN die
schlechte Beziehung zu ihnen eingestand, und sogar in
diesem Punkt eine bestimmte Schwerfälligkeit von eigener
Seite zugab, lobte es auch die jahrzehntelange Arbeit
dieser Organisationen. In dieser Sitzung wurde heftig
darüber debattiert, ob man die Kandidatur von López
Obrador (Kandidat des PRD) unterstützen sollte. Die
Vereinigte Soz ialistische Partei Mexikos (Partido
Socialista de México), die Revolutionäre Arbeiterpartei
(Partido Revolucionario de los Trabajadores), die So
zialistische Arbeiterpartei (Partido Obrero Socialista)
und die Kommunistische Partei (Partida Comunista) hoben
die Notwendigkeit hervor, von der Ba sis aus zu
arbeiten, einige von ihnen stimmten sogar mit dem EZLN
darin überein, dass das Wahlverfahren überholt sei. Wie
sie, so verließ man sich auch in der Sitzung der
sozialen Organisationen und Bewegungen auf einen Teil
der ‚traditionellen’ Linken, zu der einige
Hauptgewerkschaft en des Landes zählen, die die
Gewerkschaftsautonomie fordern.
Die Versammlung der
Indigenengemeinden war emotionsgeladen und voller Wut.
Hier wurden wieder ihre Geschichten des Widerstands
zusammengetragen. Die EZLN betonte immer wieder ihre
ihre indigene Identität und betonte, dass diese Stimme
in der ‚anderen Kampagne’ verteidigt würde. Sie bat
darum, auf ihrer Reise durch Mexiko in den Indiogebieten
beherbergt zu werden. Dort ware n die Brüder des
Caracols „Zirahuén“ in Michoacán, die von ihrem Kampf
für die Umwelt und gegen den wachsenden Tourismus
berichtete; die Erfahrung des Zentrums der
Indianerrechte (Centro de Derechos Indígenas) aus
Bachajón in Chiapas, wo die Position der ‚Tzeltalen
Richter’ g estärkt wird, welche die Probleme der
Gemeinschaft in eigener traditioneller Art und Weise
lösen. Es nahmen auch in der Stadt lebende Indios t eil,
die das „Kollektiv der Indigenenorganisationen aus
Mexiko-Stadt in Folge der ‚Sexta’“ (‚Colectivo de
organizaciónes indígenas de la Ciudad de México en
seguimiento de La Sexta’) präsentierten, das nach dem
zapatistischen Aufruf aus 17 Organisationen gebildet
wurde.
Die Versammlung der
Nichtregierungsorganisationen, Kollektive und Gruppen,
zeigte die Vielfalt der neuen Formen des Kampfes gegen
das neoliberale System. Dies war die Zusammenkunft der
jungen Leute oder – wie ein Zeitungsbericht es formul
ierte – „der Kinder des Zapatismus“. Sie verloren keine
Zeit damit, über die Wahlen zu diskutieren, sondern
erzählten von dem, was sie b ereits in ihrem Alltag tun,
um kein System nachzuahmen, das sie ablehnen. Radio
Voladora, Radio Pachego, Imagen MX oder Idymedia-Chiapas
und weiter e Sender informieren auf andere Art, kritisch
und unabhängig, sie entkommen dabei der Kontrolle der
Massenmedien und stellen so die Technik in den Dienst
der politischen und sozialen Bewegungen. Es gab Klänge
aus Veracruz, Lieder in Tseltal und Hip-hop-Gesänge, die
den Einsatz der Jugend lichen zeigten, die eigenen
Kulturen anzupassen, ohne Angst zu haben, sich neuen
Strömungen anzunähern. Zahlreiche Kollektive forderten
Tolera nz für die verschiedenen sexuellen
Orientierungen, um das Tabu zu brechen, das immer noch
in der mexikanischen Gesellschaft herrscht.
In der Versammlung mit l@s individu@s
(Einzelpersonen in eigener Sache, im Auftrag der
Familie, des Viertels oder der Nachbarschaft)
offenbarten viele die Verletzungen, die sie auf dem Weg
des Kampfes erlitten haben. Es war eine Reihe von Le
bensgeschichten, von Reisen persönlicher Suche und vor
allem von Zeugnissen darüber, wie die EZLN, ihre Ideen
und ihr Tun Tausende von Mexikaner n überzeugt haben. Es
gab eine letzte vorbereitende Zusammenkunft, bei die
Organisationen, Kollektive und Individuen zusammenkamen,
die nicht zu den entsprechenden Terminen kommen
konnten.
Die ‚andere Kampagne’ ist
gleichzeitig eine Bestandsaufnahme derjenigen, die da
waren und n icht mehr da sind, auch derjenigen, die sich
niemals der EZLN angenähert haben und sich jetzt der
‚anderen Kampagne’ anschließen, weil sie f ühlen, dass
sie einen Ort haben, an dem sie weder ihre Autonomie
noch Teile ihrer Identität aufgeben müssen.
Die Plenarsitzung: Der Plan der
‚anderen Kampagne’
Die erste Plenarsitzung, die am 16.
und 17.September im Caracol „La Garrucha“ feierlich
begangen wurde, stellte die Feuerprobe für die ‚andere
Kampagne’ dar. Es waren viele der Organisationen
anwesend, die während der Vorbere itungen an getrennten
Tagen teilgenommen hatten. Die Abgeordneten konnten ihre
Meinung in maximal fünf Minuten darlegen. Die Themen
umfassten Folgendes: die Merkmale der ‚anderen
Kampagne’; die Einberufungen; die Organisationsstruktur;
den Ort für Meinungsverschiedenheiten; die Posit ion der
‚anderen Kampagne’ gegenüber anderen organisatorischen
Kräften gegen die neoliberale Politik, die bereits auf
nationaler und interna tionaler Ebene bestehen; und
schließlich die unmittelbaren Aufgaben für die
Anwesenden. Alle diese Punkte blieben offen, da sie von
der Meinun g der übrigen Personen abhängen, die mit der
‚Sexta’ in Verbindung stehen und die nicht an dieser
ersten Sitzung teilnehmen konnten. Vor a llem hatte
diese Plenarsitzung mit der gegenwärtigen Kommandantur
einen symbolischen Charakter, da dabei die ‚Sexta’ und
die ‚andere Kampagn e’ offiziell übergeben und mit allen
Anhängern geteilt wurde. Die EZLN bekräftigte noch
einmal, dass sie als Garantie für den gemeinsame n Weg
den Respekt und die gleichwertige Behandlung anbot, und
rief ins Bewusstsein, dass die ‚andere Kampagne’ ohne
Bankkonten und nur mit der H ilfe des Volkes realisiert
wird. So hörten die ‚Sexta’ und die ‚andere Kampagne’
auf, allein der Vorschlag der EZLN zu sein, und die dar
in engagierten Organisationen und Personen übernahmen
auf gleicher Ebene Verantwortung für diese
Initiative.
Die Kommandantur stellte dem Plenum
ihren ‚Plan’ für die ‚andere Kampagne’ vor. Di e
Kommission ‚Sexta’ der EZLN schickt den Delegierten 0,
den Subkommandanten der Aufständischen Marcos, um alle
Staaten des Landes von Januar bis Juni 2006 zu besuchen,
und schlägt vor, diese erste Phase mit einem
Plenarbericht im Staat Mexiko, in Mexiko-Stadt am
24.Juni abzuschließe n. Auf dieser Tour wird es das Ziel
sein, in den Staaten Versammlungen der ‚anderen
Kampagne’ abzuhalten und die Logistik für den dann folge
nden Einsatz der Kommission der EZLN zu organisieren,
die für die ‚Sexta’ verantwortlich ist, sodass man
bilaterale Treffen mit Organisationen abhalten kann.
Nachdem die Aktivitäten während der Wahlperiode geruht
haben, wird der zweite Einsatz von September 2006 bis
März 2007 statt finden. In dieser Phase wird eine
nationale Delegation der EZLN (die durch ganz Mexiko
reist) sowie regionale und staatliche Delegationen (die
in den Regionen oder Staaten bleibt, um die ‚andere
Kampagne’ zu fördern) ausgeschickt. Im April 2007 werden
diese Delegationen durch andere er setzt werden, „und so
fort, bis wir es beenden, wenn wir es überhaupt
beenden.“ (EZLN)
Die Ankündigung des Einsatzes von
Subcomandante Marcos in der ersten Phase hat bei einigen
Er regung hervorgerufen und bei anderen Skepsis und
Bestürzung. Hier fürchtet man, dass die Anziehungskraft,
die Marcos auf die Medien ausübt, den Kern der Arbeit
gefährdet. Die Worte des Leutnant Moisés im Plenum
enthüllen die strategische Symbolik, die diese
Entscheidung für sie enthält. Wie sie seit dem Ausruf
der Alarmstufe Rot verkünden, befinden sich die
Kommandantur und ihr Parteiapparat nach jüngster
Erneuerun g des Befehls immer noch im defensiven
Zustand. Marcos wird unbewaffnet sein, und das bedeutet,
dass sie bereit und darauf vorbereitet sind, jedes
Risiko einzugehen. Sie gaben bekannt, dass sie die
nötigen Stellvertreter ausgewählt haben, damit es
weitergeht, egal, was passiert. Auße rdem rieten sie
denjenigen, die mit der ‚anderen Kampagne’ unterwegs
sind, dass sie gegenüber der sie umgebenden Repression
und der Medienoffe nsive, die in den kommenden Monaten
gegen sie sein wird, geschickt vorgehen.
Die weiblichen Toten, Gefangenen und
Verschwundenen (l@s muertas, pres@s y desaparecid@s)
werden in die ‚andere Kampagne’ einbezogen
Die zapatistischen indigenen
Gemeinschaften, in denen die vorbereitenden
Versammlungen stattfan den, haben ihre eigene Geschichte
des Kampfes, mit der jede Sitzung eröffnet wurde. Die
EZLN erinnerte daran, dass vor noch nicht allzu langen J
ahren diese Gebiete ländliche Anwesen waren, auf denen
die Indios wie Tiere behandelt wurden und sich nicht
einmal frei darauf bewegen konnten, ob wohl sie dort für
ein armseliges Gehalt arbeiteten. Diese Gebiete wurden
seit der Agrarreform, die nach dem zapatistischen
Aufstand durchgefüh rt wurde, „zurückerobert“.
Und in der Erinnerung wurde einiger
der Toten gedacht: Francisco Gómez (el señor lk) in der
Gemeinde Juan Diego oder dem Subkommandierenden der
Aufständischen Pedro in „La Garrucha“. Auch schlossen
sie die Toten von anderen, ähnl ichen Kämpfen mit ein.
Sie erklärten, dass man sich – außer in der Hoffnung und
im Widerstand – auch im Schmerz vereinen muss, um gemein
sam zu kämpfen. Der Student Noel Pavel war „präsent“
ebenso wie die Verteidigerin der Menschenrechte Digna
Ochoa, die ermordeten Frauen vo n Ciudad Juárez oder die
Toten des paramilitärischen Gegenaufstandes im Norden
von Chiapas. Es wurde auch Felipe Arreaga erwähnt, ein
Umwelt schützer und Landwirt, der als politischer
Gefangener in Guerrero war (und seit dem 15.September
frei ist), genauso wie die Toten und Verschwund enen der
schmutzigen Machenschaften in den Siebzigerjahren.
Für das EZLN ist dieses Erinnern eine
Möglichkeit, um die Erinnerung an die Menschen wach z u
halten, die gestorben und verschwunden sind oder
gefangen gehalten werden, weil sie die Freiheit und die
Gerechtigkeit aller verteidigt haben. I n diesem Sinn
wird eine der ersten Aktionen der ‚anderen Kampagne’
eine Reihe von politischen und kulturellen
Veranstaltungen sein, die vom 28. Oktober bis zum
2.November stattfinden, um an die Toten, Verschwundenen
und Gefangenen der verschiedenen Kämpfe, die schon ein
Teil der ‚ander en Kampagne’ sind, zu erinnern und sie
zu ehren. San Cristóbal de Las Casas (Chiapas) wird das
Zentrum dieses Gedenkens sein.
An welchem Ort der Geographie stehst
du?
Die ‚Sexta’ besteht aus sechs Teilen:
„1. Dem, was wir sind; 2. Wo wir uns jetzt befi nden; 3.
Wie wir die Welt sehen; 4. Wie wir unser Land Mexiko
sehen; 5. Dem, was wir machen möchten; 6. Wie wir es
machen werden.“ For dere jeden und jede dazu auf, sich
die gleichen Fragen angesichts der sozial-politischen
Situation zu stellen, in der sie sich befinden. Und wenn
auf der nationalen Ebene auch noch viel aufgebaut werden
muss, fordert uns die ‚Sexta’ auch auf der
internationalen Ebene auf, uns zu fragen, wo wir stehen
und wohin wir wollen: „Die, die im Norden leben, sind
nicht im geografischen Norden, sondern im
gesellschaftlichen Norden, das heißt , sie sind oben.
Die, die im Süden leben, sind unten. Die Geografie hat
sich vereinfacht, es gibt ein Oben und ein Unten. Der
Ort, der oben liegt, ist eng, und es gibt nur Platz für
einige wenige. Der, der unten liegt, ist so geräumig,
dass er jeden beliebigen Ort des Planeten umfa sst und
Raum für die ganze Menschheit bietet.“ (EZLN, Die andere
Geografie/Otra Geografía). Die ‚Sexta’ wird zu einer
Möglichkeit, u m Widerstand nicht nur in Mexiko, sondern
in der ganzen Welt auszudrücken. Nach Professor González
Casanova, könnte die ‚andere Kampagne’ „die letzte
Chance für die Menschheit sein“. Es ist eine
Herausforderung, und das nicht nur für die
Zivilbevölkerung von Mexiko.
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AKTIVITÄTEN VON SIPAZ
Juli bis September 2005
INTERNATIONALE PRÄSENZ UND
BEGLEITUNG
Nach der Wiedereröffnung der 5
zapatistischen Caracoles hatten wir Gespräche mit 3 der
„ Räte der Guten Regierungen“ (zapatistische Regierungen
mit Sitz in den Caracoles).
Im August bereisten wir 10 Tage lang
verschiedene Gemeinden und Städte der konfliktreichen nö
rdlichen Zone von Chiapas und führten Gespräche mit
unterschiedlichen an Konflikten beteiligten
Persönlichkeiten.
Im Rahmen einer Besuchsreise der für
Mexiko zuständigen Mitglieder der katholischen Koopera
tion aus Frankreich führten wir Interviews mit
Persönlichkeiten unterschiedlicher Religionen durch.
Am 30. Juli waren wir bei der
Jahresfeier der Kaffeekooperative der Abejas in
Chenalho, „Ma ya Vinic“.
Im August besuchten wir das
internationale Forum „Strategische Allianzen in Chiapas
finden: I ndigene Völker und Andere“. Hierzu hatten
mehrere Instanzen der Regierung von Chiapas mit
Unterstützung von PRODESIS (Projekt für ganzheit liche
und nachhaltige soziale Entwicklung im Urwaldgebiet in
Zusammenarbeit mit der Europäischen Union)
aufgerufen.
Im August und September waren wir als
BeobachterInnen bei 3 der 6 Vorbereitungstreffen der „a
nderen Kampagne dabei, welche von der EZLN in
verschiedenen Gemeinden im Lakandonischen Urwald
durchgeführt wurde, wie auch beim ersten Planungstr
effen der Kampagne im Caracol La Garrucha vom 16. bis
18. September.
Ende September machten wir eine Reise
durch den Bundesstaat Oaxaca. Wir sprachen mit verschie
denen sozialen und Nichtregierungsorganisationen um den
politischen Kontext Oaxacas besser zu verstehen.
INFORMATION
Wir empfingen wieder viele Besuche, 5
Delegationen, Studierende und JournalistInnen um über
die aktuelle Situation in Chiapas und unsere Arbeit zu
informieren. Die meisten kamen aus den USA und
Europa.
Im Juli und September sprachen wir
mit Mitgliedern der Schweizer Botschaft in Mexico.
Im September verfolgten wir den Fall
des Umweltschützers Felipe Arreaga in Guerrero. Wir en
twickelten eine Sektion über Guerrero für unsere
Webseite.
Ein Mitglied unseres Teams befindet
sich seit Anfang des Jahres auf Vortragsreise in
Deutschlan d. Bisher hat sie über 70 Vorträge über
Chiapas und die Arbeit von SIPAZ gehalten und mit 150
Puppenspielauftritten über die Situation in indigenen
Gemeinden informiert (Schulen und öffentliche
Veranstaltungen) und 2 Workshops zu Methoden von
Konflikttransformation geleitet. Sie ha tte 2 Gespräche
mit VertreterInnen der deutschen Regierung. Außerdem
nahm sie an etwa 20 Treffen und Seminaren zum Austausch
von Informationen und Erfahrungen mit Friedens-,
Menschenrechts- und Solidaritätsorganisationen teil (wie
CAREA und Peace Brigades International beide Teil der
Koa lition von SIPAZ). Die Reise wird vom katholischen
Fond und vom Evangelischen Entwicklungsdienst
unterstützt.
Wir beteiligen uns weiterhin am
Seminar „Das Werk von Immanuel Wallenstein: eine
Grammatik um die heutige Welt aus kritischer Perspektive
zu verstehen“. Diese Seminare werden vom Zentrum für
Studien, Information und Dokumentation Imman uel
Wallenstein“ koordiniert.
Zwei mal monatlich beteiligen wir uns
an „Mit lauter Stimme“, Freiraum für Reflexion und
Analyse zu aktuellen sozialen Themen.
VERNETZUNG
Wir beteiligen uns weiterhin am
Friedensnetz Chiapas. Dieses wird von 15 Organisationen
getr agen, bietet Raum für Aktion und Reflexion um
Friedens- und Versöhnungsprozesse in Chiapas zu
unterstützen.
Im August waren wir MitveranstalterIn
einer zweitägigen Versammlung des Mexikanischen Netzwer
kes zum Aufbau des Friedens, welches in San Cristobal de
las Casas durchgeführt wurde.
Wir hatten Arbeitstreffen mit einigen
unserer BeraterInnen und Organisationen der SIPAZ
Koaliti on.
Im August nahmen wir an den Feiern
zum 16.Jahrestag von CIDECI (Indigenes Zentrum für ganzh
eitliche Entwicklung und Ausbildung) an ihrem neuen
Standort in San Cristobal teil.
FRIEDENSERZIEHUNG
Im Juli beendeten wir eine
Workshopreihe zur Einführung in die
Konflikttransformation mit de r Organisation
GRAMIN/ALSOL (Arbeiten mit Kleinkrediten für indigene
Frauen).
Anfang August beteiligten wir uns an
einem runden Tisch im Rahmen einer pastoralen Woche „Gem
einschaft aufbauen“ im INESIN (Institut für
interkulturelle Studien und Forschung). Dazu war auch
eine Delegation von PastorInnen der in Chris tus
vereinten Kirchen, aus Wisconsin, USA, angereist.
Im September veranstalteten wir
gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolome
de las C asas einige Workshops mit internen
Flüchtlingen, im Tiefland von Tila, in der nördlichen
Zone.
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